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Medizin

02. Mai 2012 Die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems nachhaltig sichern

Die demographische Entwicklung bringt es mit sich, dass die in Deutschland lebenden Menschen immer älter werden. Zu verdanken ist dieser aus ontologischer Sicht durchaus erfreuliche Umstand nicht zuletzt dem medizinischen Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte. Die andere Seite der Medaille: Wer älter wird, erkrankt auch häufiger an Leiden, von denen junge Menschen meist verschont bleiben. Bis zum Jahr 2050 wird daher auch hierzulande mit einem weiteren Anstieg der altersbedingten Morbidität zu rechnen sein. Doch dadurch könnte das Gesundheitssystem substanziell überfordert werden.
Was angesichts dieser gesellschaftspolitischen Situation unternommen werden muss, brachte Hanspeter Quodt, Geschäftsführer von MSD Deutschland, Haar, auf den Punkt: „Es geht darum, die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems nachhaltig zu sichern. Und es geht darum, den Patienten weiterhin Zugang zu medizinischem Fortschritt zu ermöglichen.“ Künftig wird aber der Zugang zu medizinischen Innovationen nicht mehr allein vom forschenden Unternehmen allein bestimmt. Vielmehr werden Bewertung, Preisgestaltung und Erstattung über das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) geregelt. Dabei spielen der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) und das IQWiG die tragenden Rollen.

Beim Versorgungsmanagement sollen künftig nicht mehr allein die Rabatte im Mittelpunkt stehen. Vielmehr kommt es laut Quodt entscheidend darauf an, wie die pharmazeutische Industrie ihre Expertise einbringen kann und wie man Projekte mit Partnern gemeinsam umsetzen kann. Zudem ist es für das Unternehmen MSD selbstverständlich, seine Pharmaka einer Nutzenbewertung unterziehen zu lassen. Sie sollte aber „nach sinnvollen und praktikablen Kriterien entsprechend internationaler Standards erfolgen.“ Eine Nutzenbewertung auf Kosten der Patientenversorgung sollte tunlichst unterlassen werden.

Frühe Nutzenbewertung soll Preise neuer Arzneimittel festlegen helfen

Es sind nicht die demographische Entwicklung und der medizinisch-technologische Fortschritt allein, die als Kostentreiber im Gesundheitswesen verantwortlich zu machen sind. Hier ist mit keinen starken Trendwenden zu rechnen. „Gerade deshalb müssen wir Wege diskutieren und abwägen, über die auch künftig die Teilhabe an medizinischen Innovationen innerhalb der GKV systematisch gesichert werden kann“, konstatierte Dr. Ursula Marschall, Leiterin des medizinischen Kompetenzzentrums, Hauptabteilung Unternehmensstrategie der Barmer-GEK-Hauptverwaltung in Wuppertal.

In diesem Prozess wird ihrer Ansicht nach der G-BA weiter an Bedeutung zunehmen. Auch Kosten-Nutzen-Analysen müssen in der Zukunft verstärkt angestellt werden. Marschall: „Als erster gelungener Schritt kann der Einstieg in die frühe Nutzenbewertung als Voraussetzung für den Preisfeststellungsprozess neuer Arzneimittel gelten.“ Zwar sind noch nicht alle Verfahrensfragen definitiv geklärt. Nach Marschalls Worten kann es aber als Fortschritt verbucht werden, „dass jetzt medizinischer Nutzen und ökonomische Belange unter wissenschaftlichen Kautelen bewertet werden.“

Nutzen neuer Arzneimittel wird jetzt kritisch hinterfragt

Mit dem Inkrafttreten des AMNOG werden Reformen im Gesundheitswesen auf breiterer Basis als früher diskutiert. „Mit dem AMNOG ist das kritische Hinterfragen des Nutzens neuer Arzneimittel in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Alle am Gesundheitssystem Beteiligten fragen sich deutlich mehr als in der Vergangenheit, ob ein neues Pharmakon eine echte Innovation oder nur eine Scheininnovation darstellt, oder ob es nicht nur teurer, sondern auch wirksames ist als eine etablierte Substanz. Dieses kritische Hinterfragen könnte zu einer Balance zwischen Innovation und Bezahlbarkeit führen, meinte Prof. Bernd Mühlbauer, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie am Klinikum Bremen Mitte, der sich bisweilen als Pharmakritiker falsch etikettiert fühlt.

Wie Quodt versicherte, stellt für seine Firma die Optimierung der Versorgung ein relevantes Thema dar. Die vom AMNOG eingeführte frühe Nutzenbewertung neuer Medikamente wird von MSD als Chance wahrgenommen. Weil sich aber parallel dazu das Management der Versorgung für Patienten verbessern muss, wurde von dem Unternehmen im Oktober vergangenen Jahres ein Versorgungspreis ausgelobt. Das Motto lautet „Jeder Patient sollte zum richtigen Zeitpunkt das richtige Medikament erhalten – jetzt und in Zukunft“. Dahinter steckt der Gedanke, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist, mit dem frühen Einsatz innovativer Medikamente die Tage der Arbeitsunfähigkeit und der stationären Aufenthalte zu minimieren oder gar auf Null zu bringen. kbf

Quelle: 40. MSD-Diskussion „Kosten, Nutzen, Zukunft – Das Gesundheitssystem neu denken“ anlässlich des 118. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DEGIM), Wiesbaden, 15. April 2012


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