Montag, 26. August 2019
Navigation öffnen

Medizin

09. Mai 2019 Digitaler Wandel verändert Arzt-Patienten-Beziehung

Durch die digitale Transformation im Gesundheitswesen hat sich die Rolle des Arztes nachhaltig verändert. Er ist mehr und mehr Navigator und Wegweiser. Patienten erwarten Orientierung, Gespräche auf Augenhöhe sowie verlässliche Informationen. Relevante Informationen zur richtigen Zeit in angemessener Tiefe bieten zu können, ist bereits eine zentrale ärztliche Aufgabe. Dabei gewinnt die digitale Therapiebegleitung chronisch kranker Patienten weiter an Bedeutung, so das Fazit der Experten auf dem TheraKey®-Symposium von Berlin-Chemie (1).
Anzeige:
E-Health-Anwendungen noch zu wenig genutzt

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet rasant voran. Dies zeigt die stetig wachsende Zahl an Gesundheits-Apps, Chatbots und anderer KI-Lösungen in der Medizin. Grundsätzlich befürwortet der Großteil der Ärzte digitale Lösungen im Gesundheitssektor (2). Insbesondere, wenn sie Diagnosen erleichtern und Arbeitsabläufe im Praxisalltag verschlanken. Doch während E-Health-Anwendungen unter rein theoretischen Erwägungen hohe Zustimmungswerte erhalten, nutzen erst wenige die Chance: Etwa ein Viertel der Ärzte arbeitet bisher mit Gesundheitsdaten, die Patienten per Smartphone erheben, Telemonitoring oder Online-Videosprechstunden bietet nur etwa jeder Zehnte an (2-4). „Dabei bieten die neuen Technologien das Potenzial, die medizinische Versorgung auf eine rationalere, effizientere und maßgeschneiderte Grundlage zu stellen“, so Priv.-Doz. Dr. Sebastian Kuhn, Universitätsmedizin Mainz. Zentrale Stellgrößen seien Information, Partizipation, Datengenerierung und Therapieadhärenz. Der Orthopäde und Unfallchirurg sowie Digitalexperte ist davon überzeugt, dass App-integrierte Behandlungskonzepte in den nächsten Jahren den Weg in die Regelversorgung finden werden. Eine Herausforderung wird laut Kuhn die Integration digitaler Ansätze in die klinischen Abläufe sein. Daher forderte er, die Transformation aktiv mitzugestalten (1).

Neue Arzt-Patienten-Beziehung

Grundsätzlich ändert sich im Zuge der Digitalisierung auch die Beziehung zwischen Arzt und Patient. Der Stellenwert von Informationsvermittlung wird steigen, der Kontakt werde sich laut Kuhn in Richtung Partnerschaft und sprechende Medizin verschieben (1). Dies entspricht den Bedürfnissen vieler Patienten. Sie wünschen sich mehr Unterstützung und Beratung bei der Suche nach verlässlichen Gesundheitsinformationen – auch von glaubwürdigen Online-Quellen (5). Digitale Angebote im Bereich der Therapiebegleitung gelten schon jetzt als ein Treiber der Digitalisierung im Gesundheitsmarkt (6).

TheraKey®: Begleiter vom Erstgespräch bis zur Lebensstilintervention

Ein etabliertes Programm zur Therapiebegleitung von Patienten mit chronischen Erkrankungen ist TheraKey. Es ist das größte deutschsprachige und indikationsübergreifende Arzt-Patienten-Portal, das umfassend, produktneutral und leicht verständlich Patienten und Angehörige über erkrankungsrelevante Aspekte informiert. Eingesetzt wird es im niedergelassenen Bereich sowie in der Klinik.

Positive Erfahrungen mit TheraKey® in der Klinik hat Prof. Dr. Achim Viktor, Linz/Rhein, gesammelt. „Digitale Patienteninformationen helfen die Wissensasymmetrie zwischen Arzt und Patient vor dem Hintergrund immer komplexer werdender Diagnostik und Therapien abzubauen“, resümierte Viktor. Sie kompensieren zudem die limitierte Interaktionszeit zwischen Arzt und Patient, die sich durch die zunehmende Arbeitsverdichtung im stationären sowie ambulanten Bereich ergibt. Der Kardiologe würde einen sektorenübergreifenden Einsatz sehr begrüßen, um Einsicht und Motivation für die kontinuierliche Medikamenteneinnahme, regelmäßige Bewegung und Ernährungsumstellung zu stärken. Denn diese schwinden nach Entlassung aus Klinik und Reha erfahrungsgemäß schnell. Motivation, so Viktor, ist jedoch der Schlüssel zum Therapieerfolg. Ein Patient bleibt nur emotional bei der Sache, wenn er einen deutlichen Nutzen seiner Gesundheitsbemühungen erkennt. Und dazu muss er wissen, dass sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Adhärenz seine Prognose und Lebensqualität verbessern kann. Dies vermittelt TheraKey® via Text, Bild und per Video. Je nach Informationsbedarf kann zwischen der intensiven und der ausschließlich auf Videos basierenden kompakten Version gewählt werden. Der digitale Begleiter ist in 8 weit verbreiteten Indikationen verfügbar (1).

Besseres Verständnis der Patienten

Patienten profitieren deutlich von TheraKey®. Dies untermauern die Ergebnissen der von Viktor et al. am Franziskus Krankenhaus in Linz durchgeführten TEAM3-Player-Studie: 82,7% gaben an, nach Einsatz des Therapiebegleitprogramms ihren Arzt besser verstanden zu haben. Am meisten Zeit verwendeten die Teilnehmer auf das Thema Erkrankung (median 240 min) gefolgt von Therapie (median 71 min) und Lebensstilinterventionen (median 61 min). Die Kompakt- und Intensivversion wurde mit jeweils über 40% gleich häufig genutzt. Insgesamt wurden im Zeitraum von 6 Monaten 244 Patienten mit TheraKey geschult, mehr als die Hälfte füllte die Evaluationsbögen aus. Die Teilnehmer waren zwischen 30 und über 70 Jahre alt. Am stärksten vertreten war die Gruppe der über 70-Jährigen. Mehr als 80% der Studienteilnehmer verfügten über einen Haupt- oder Realschulabschluss (7). Knapp 70% beabsichtigen ihren behandelnden Arzt über ihre Erfahrungen zu berichten. „Digitale Patienteninformationen haben ein enormes Potenzial und lassen sich transsektoral, effektiv und effizient in der Präventionsstrategie bei chronisch kranken Patienten nutzen“, so das Fazit von Viktor.

Quelle: Berlin Chemie

Literatur:

(1) „Digital Update 2019 – Eine interaktive Reise in die Zukunft der Therapiebegleitung“, 4. Mai 2019, 12:15-13:45 Uhr, Internistenkongress, Wiesbaden, TheraKey®-Symposium Berlin-Chemie AG.
(2) DAK Digitalisierungsreport. Was Ärzte über die Digitalisierung des Gesundheitswesens denken. Studie im Auftrag der DAK, 2019.
(3) Jameda Ärzte-Befragung 2017. https://www.jameda.de/presse/pressemeldungen/?meldung=179; letzter Aufruf: 29.04.2019.
(4) Jameda Patientenumfrage 2019 (Dynata). https://cdn3.jameda-elements.de/presse/patientenstudien/_uploads/anhaenge/2019-03-21_pm_grosser-wunsch-nach-digitalen-angeboten-6244.pdf; letzter Aufruf: 29.04.2019.
(5) Spotlight Gesundheit: Gesundheitsinfos. Wer suchet, der findet – Patienten mit Dr. Google zufrieden. Bertelsmann Stiftung, 2018.
(6) Digitalisierung des Gesundheitsmarktes, Monitor Deloitte, 2019. https://www2.deloitte.com/de/de/pages/life-sciences-and-healthcare/articles/digitalisierung-des-gesundheitsmarktes.html; letzter Aufruf: 29.04.2019.
(7) Data on file, Prof. Dr. Achim Viktor, Franziskus Krankenhaus Linz.
 


Das könnte Sie auch interessieren

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet
@ deagreez / Fotolia.com

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an....

Rückenschmerzen: Ein Drittel der Deutschen geht mehrfach im Jahr nicht zur Arbeit

Rückenschmerzen: Ein Drittel der Deutschen geht mehrfach im Jahr nicht zur Arbeit
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Laut einer aktuellen GfK-Umfrage hat mehr als die Hälfte aller Deutschen mindestens zehnmal im Jahr Rückenschmerzen. Die von der Medserena AG beauftragte GfK-Umfrage zeigt, dass 34,5 Prozent aller Deutschen an bis zu sieben Tagen im Jahr aufgrund von Rückenschmerzen nicht ihren alltäglichen Aufgaben nachgehen. Betrachtet man die befragten Berufsgruppen genauer, so liegt der höchste Anteil bei den Angestellten (36,7 Prozent). Das verursacht Jahr für Jahr einen hohen wirtschaftlichen Schaden für die Arbeitgeber. Nur durch verbesserte medizinische...

Rezeptfreie Schmerzmittel: Packungsbeilage beachten und Apotheker fragen

Rezeptfreie Schmerzmittel: Packungsbeilage beachten und Apotheker fragen
© Nenov Brothers / Fotolia.com

Rezeptfreie Schmerzmittel sind wirksam und sicher. „Sie sollten jedoch – wie alle anderen Arzneimittel – strikt nach Packungsbeilage eingenommen werden“, sagt Dr. Elmar Kroth, Geschäftsführer Wissenschaft beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH). Er reagiert damit auf den Fernsehbeitrag des ARD-Magazins Plusminus vom 13.09.2017, der rezeptfreie Schmerzmittel als gefährlich darstellt.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Digitaler Wandel verändert Arzt-Patienten-Beziehung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.