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Medizin

03. September 2012 ERS 2012: Neues Positionspapier zum Paradigmenwechsel in der COPD-Therapie

Internationale Experten auf dem Gebiet der Pneumologie haben im Rahmen des diesjährigen Kongresses der European Respiratory Society (ERS) 2012 in Wien ein neues Positionspapier zur Therapie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD vorgestellt (1). Es thematisiert den Paradigmenwechsel, der auf dem Gebiet der COPD-Behandlung derzeit stattfindet. So gliedern sich die Therapieziele in zwei Bereiche mit gleich hoher Bedeutung: Kurzfristig gehe es auf der einen Seite um die Reduktion der akuten Symptome der Patienten und langfristig auf der anderen Seite um die Reduzierung des Risikos unter anderem durch die Prävention von Exazerbationen (1,2).

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 Das Papier referenziert unter anderem auf eine Post-hoc-Analyse, die auf dem ERS 2012 vorgestellt wurde. Der Phosphodiesterase-4-Hemmer Roflumilast (Daxas®) reduziert demnach signifikant die Anzahl an Exazerbationen um 45%, wenn der Wirkstoff in Kombination mit Tiotropium bei symptomatischen COPD-Patienten mit mittlerer bis schwerer Lungenfunktionsstörung und einer Baseline gemäß „Modified Medical Research Council Dyspnea Scale“ (mMRC)(3) ≥2 (GOLD-Kategory B und D) gegeben wird (4).

Dr. Alan Kaplan, Dozent an der Universität Toronto und Vorsitzender der „Family Physician Airways Group of Canada“ (FPAGC), betonte in Wien den Aspekt der Prävention: „In anderen Indikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der Stellenwert der Prävention viel stärker ausgeprägt als im Bereich der COPD. Aus meiner Sicht ist es essenziell, dieses Bewusstsein auch in der COPD-Therapie zu erreichen.“ Das Positionspapier soll auf allen Ebenen pneumologisch tätige Ärzte, Schwestern und Berater im Therapiealltag unterstützen.

Experten haben für die Veröffentlichung systematisch eruiert, welche Erkenntnisse aus dem Bereich Kardiologie für eine planbare und personalisierte Risikobewertung im Bereich COPD herangezogen werden können. Dazu gehören beispielsweise ein offenes Arzt-Patienten-Verhältnis, das die Adhärenz erhöhen kann sowie Maßnahmen, die nicht nur kurz-, sondern vor allem auch langfristig das Krankheitsgeschehen positiv beeinflussen (1).

Genau wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehört die COPD mittlerweile zu den großen Volkskrankheiten und wird nach Angaben der WHO bis zum Jahr 2020 weltweit die dritthäufigste Todesursache sein (5). Die jährlichen Gesundheitsausgaben belaufen sich allein in der Europäischen Union auf über zehn Milliarden Euro (6). Nicht zuletzt auch wegen der klinischen Auswirkungen auf die Patienten ist ein strukturiertes Vorgehen im Management der COPD notwendig.

Einen wichtiges langfristiges Therapieziel ist die Vermeidung von Exazerbationen, denn das häufige Auftreten erhöht das Risiko für eine Krankheitsprogression (7,8). Zudem bedeuten sie eine starke Belastung für Patienten, denn die Wiederherstellung der Lebensqualität kann viele Monate in Anspruch nehmen (9). Auch das Mortalitätsrisiko ist nach krankenhauspflichtigen Exazerbationen sogar noch höher als bei Patienten nach einem Myokardinfarkt (10). 

Durch die gezielte Bekämpfung der COPD-spezifischen Entzündung mit Roflumilast kann die Zahl an Exazerbationen signifikant um 21% bei gleichzeitiger Gabe eines langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA) gesenkt werden (NNT=3,2) (11). Ergebnisse aus früheren Studien zeigten zudem bereits, dass die Entzündung der Lunge systemisch auch auf andere Organsysteme übergreifen und für Komorbiditäten verantwortlich sein kann (12, 13). Daher hat die antiinflammatorische Wirkung von Roflumilast einen potenziell hohen Stellenwert über die Lunge hinaus, wie beispielsweise erste Untersuchungen zu den extrapulmonalen Effekten des PDE4-Hemmers bei kardiovaskulären Erkrankungen und Typ-2-Diabetes gezeigt haben (14, 15).  Diese und weitere Effekte des Wirkstoffs werden derzeit durch weitere Untersuchungen verifiziert, unter anderem zwei nicht-interventionelle Beobachtungsstudien, zu denen in den kommenden Monaten erste Ergebnisse erwartet werden (16, 17, 18).

Literaturhinweise:
(1) „The Shifting Paradigm in COPD Management.“ Expert Report on COPD and its Management. Takeda, September 2012, available on www.copdforum.org.
(2) Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease. Global strategy for the diagnosis, management and prevention of COPD. Revised 2011. www.goldcopd.org. Zugriff: 31.08.2012.
(3) Dennis E et al. Journal of Family Practice, November, 2006.
(4) Fabbri LM et al. ERS 2012. Abstract P742.
(5) World Health Organization. World health statistics 2008.
(6) ELF and ERS. European White Lung book, 2003, URL: http://dev.ersnet.org/uploads/Document/45/WEB_CHEMIN_1263_1168339451.pdf. Zugriff: 31.08.2012.
(7) Vogelmeier C et al, Pneumologie 2007; 61; e1-e40.
(8) Wedzicha JD et al. Lancet 2007;370:786-796.
(9) Seemungal TA et al. Am J Respir Crit Care Med 2000;161:1608-1613.
(10) Halpin D et al. J COPD 2008; 5:187-200.
(11) Bateman ED et al. Eur Respir J 2011; 38:553-560.
(12) Agusti A et al. COPD 2008; 5: 133-138.
(13) Fabbri LM et al. The Lancet 2007; 370:797-799.
(14) Wouters EFM et al. Am J Respir Crit Care Med 2010 181: A4471.
(15) White W et al., Am J Respir Crit Care Med; 2011 183: A3092.
(16) Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP), 2012, #284.
(17) NCT01285167: „Quality of Life in Daxas-treated Patients Older Than 18 Years With Severe Chronic Obstructive Pulmonary Disease (COPD) (DACOTA)“.
(18) NCT01285180: „Quality of Life in Daxas-treated Patients Older Than 18 Years With Severe COPD“.

Quelle: Takeda


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