Dienstag, 12. November 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

01. September 2019
Seite 1/4
Eisenmangelanämie: Aktuelle Behandlungsstandards und Empfehlungen für Diagnostik und Therapie

Dr. med. Catarina Stosiek

Eisenmangel stellt die weltweit häufigste Mangelerkrankung dar. Prinzipiell können alle Altersgruppen betroffen sein. Eisen ist für viele Stoffwechselvorgänge des Körpers unentbehrlich, ein Mangel kann sich daher auf verschiedene Weise bemerkbar machen. Laborchemisch fällt in erster Linie die hypochrome mikrozytäre Anämie auf. Ursache des Eisenmangels ist i.d.R. entweder ein Missverhältnis zwischen Eisenaufnahme und Eisenbedarf oder auch ein gesteigerter Eisenverlust. Letzterer ist meist durch einen (okkulten) Blutverlust bedingt. Bei der Diagnostik sollte u.a. den Parametern Hb, Retikulozyten, MVC, MCH, CRP, Ferritin und Transferrinsättigung erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Eine Eisensubstitution kann entweder oral oder intravenös erfolgen, zuvor sollte jedoch immer eine Ursachenabklärung im Fokus stehen. 
Anzeige:
Fachinformation
Eisenmangel ist die weltweit häufigste Mangelerkrankung des Menschen und die häufigste Ursache einer Anämie. Die Prävalenz in Europa beträgt 5-10%, besonders betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter. Weitere Risikogruppen sind Säuglinge und Kleinkinder sowie in geringem Maße auch Adoleszente (1, 2).

Klinik

Die Symptome eines Eisenmangels können vielseitig sein. Trophische Störungen wie brüchige Fingernägel, Haarausfall und Mundwinkelrhagaden können auf einen Eisenmangel hinweisen. Außerdem können Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Infektanfälligkeit und Nervosität bis hin zu depressiver Verstimmung auftreten. Besteht ein Eisenmangel über einen längeren Zeitraum fort, entwickelt sich infolge einer eisendefizitären Erythropoese die typische hypochrome mikrozytäre Anämie mit ihren Folgeerscheinungen wie Blässe, Belastungsdyspnoe, Tachykardie und Leistungsknick.

Eisenstoffwechsel

In der Nahrung befindliches Eisen wird überwiegend im Duodenum und zum geringeren Teil im oberen Jejunum aufgenommen. Die Resorption bedarf hierbei eines komplexen Transportsystems. Nahrungseisen in Form von Fe3+ wird durch eine Reduktase noch im Darmlumen zu Fe2+ überführt, an einen speziellen Eisentransporter (DMT1) gebunden und nach intrazellulär überführt. Ein weiterer Eisentransporter (Ferroportin) schleust das Eisen durch die basale Membran des Enterozyten weiter in das Portalblut, wo ein erneuter Valenzwechsel für den Abtransport erforderlich wird.

Eine weitere Resorptionsmöglichkeit besteht für an Häm gebundenes Eisen, welches an der luminalen Oberfläche des Enterozyten nach Bindung an einen Hämrezeptor (HCP1) nach intrazellulär aufgenommen wird. Nach Abspaltung des Eisens aus dem Porphyrinring wird dieses intrazellulär an Mobilferrin gebunden und kann so entweder für die Produktion eisenhaltiger Enzyme zur Verfügung gestellt oder bei Bedarf nach intravasal ausgeschleust werden (1). Im Blut gelangt das Eisen gebunden an das Transportprotein Transferrin zur weiteren Verwertung in die eisenspeichernden Zellen wie Hepatozyten und Makrophagen. Unter physiologischen Bedingungen sind 16-45% der Transferrinmoleküle im Plasma mit Eisen gesättigt. Bei einer Eisenüberladung ist die Transferrinsättigung erhöht, bei einem Eisenmangel erniedrigt (1). Die Speicherung des Eisens erfolgt ebenfalls mit Hilfe eines spezifischen Proteins, des Ferritins.
Das Peptidhormon Hepcidin, welches in der Leber synthetisiert wird, greift regulatorisch in den Eisenstoffwechsel ein, indem es die Eisenaufnahme in die Enterozyten bzw. die Eisenfreisetzung aus den Enterozyten hemmt. Inflammatorische Prozesse fördern die Bildung von Hepcidin und können so die Eisenresorption bzw. Eisenfreisetzung behindern. Bei einem Eisenmangel, einer Anämie oder Hypoxie wird die Hepcidin-Produktion in der Leber vermindert, um die Eisenaufnahme über den Gastrointestinaltrakt zu steigern (1). Im Gegenzug hierzu existiert für den menschlichen Organismus kein physiologischer Mechanismus, Eisen aktiv auszuscheiden (9).
 
Abb. 1: Eisenstoffwechsel, Anämien, Diagnostik und Therapie (mod. nach (11)).
Eisenstoffwechsel, Anämien, Diagnostik und Therapie


Ursachen eines Eisenmangels

Die Ursachen eines Eisenmangels können grob in 3 Kategorien eingeteilt werden (1):
 
  • Eisenverlust (durch akute bzw. chronische Blutungen, z.B. Ulcera, Polypen, Karzinome, Angiodysplasien, Blutspenden, Menstruation, Dialyse etc.)
  • erhöhter Bedarf (z.B. Schwangerschaft, Wachstum, Hochleistungssport, Hämolyse etc.)
  • verminderte Aufnahme (z.B. vegane/vegetarische Ernährungsweise, atrophische Gastritis, Malabsorption, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen etc.)
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus

Bisher kaum bekannt: Myrrhe spielte eine wichtige Doppelrolle bei Geburt und Tod Jesus Christus
© Sebastian Kaulitzki - stock.adobe.com

Jetzt in der (Vor-)Weihnachtszeit erhält eine Arzneipflanze wieder besondere Aufmerksamkeit, die nicht nur seit Jahrtausenden bei Gesundheitsbeschwerden eingesetzt wird: Die „mystische Myrrhe“ spielte auch in der religiösen Praxis sehr früh eine wichtige Rolle. Was jeder kennt: Die „Heiligen Drei Könige“ und deren Gaben Myrrhe, Weihrauch und Gold sind der – für Christen entscheidende – allgemein bekannte neutestamentliche Bezug. Aber es gibt noch mehr „Geheimnisse“ rund um die Myrrhe. „Im religiösen Kontext...

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem

Oft unerkannt: Frauenkrankheit Lipödem
© vanillya / fotolia.com

Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter einem Lipödem, auch als Reiterhosenphänomen bekannt. Hierbei treten symmetrische schwammige Schwellungen an den Beinen und in 30 Prozent der Krankheitsfälle auch an den Armen auf. Die Ursache: eine Fettverteilungsstörung, die mit Wassereinlagerungen einhergeht. Lipödempatienten stehen aus mehreren Gründen unter einem sehr hohen Leidensdruck. Sie haben nicht nur sehr starke Berührungs- und Druckschmerzen, sondern auch Spannungsgefühle, sodass bereits einfache Tätigkeiten wie Haare föhnen oder...

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten

Was Eltern über Zöliakie wissen sollten
© J.Mühlbauer exclus. / fotolia.com

„Zöliakie?? Keine Angst!“, heißt es auf einem Informations-Portal, das seit Kurzem online kostenlos zur Verfügung steht. Der von der Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erarbeitete Online-Kurs www.zoeliakie-verstehen.de bildet den maßgeblichen Teil des EU-Projekts Focus IN CD (Fokus auf Zöliakie). Das Lernprogramm soll Betroffenen aktuelles und umfassendes Wissen zu Zöliakie bieten und medizinisches „Fachchinesich“ anschaulich erklären. Ein weiterer Kurs für...

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt

Über 6 Millionen an Osteoporose erkrankt
© decade3d / Fotolia.com

6,3 Millionen Menschen leiden heute in Deutschland an Osteoporose.(1) Jede vierte Frau über 50 Jahren ist betroffen, jeder 17. Mann.1 Jedes Jahr erkranken rund 885.000 Menschen neu an der Volkskrankheit.(1) Häufig bleibt jedoch die Krankheit unerkannt und unbehandelt. Nur 25 Prozent der Erkrankten werden in Deutschland medikamentös behandelt.(2) Im Vergleich: In Frankreich erhalten fast 60 Prozent der Erkrankten, in Spanien über 80 Prozent eine Osteoporose-Therapie.(2) Diagnose- sowie Behandlungsmöglichkeiten werden in Deutschland nicht ausreichend genutzt, warnen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Eisenmangelanämie: Aktuelle Behandlungsstandards und Empfehlungen für Diagnostik und Therapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.