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Medizin

28. Juni 2017
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Epilepsie: Mit innovativen Substanzen gegen Therapieresistenz

Durch zahlreiche neue Medikamente kann vielen Epilepsiepatienten heute effizient geholfen werden. Bis zu einem Drittel der Patienten sprechen allerdings nicht oder nicht ausreichend auf die verfügbaren Therapien an. Auf dem Kongress der European Academy of Neurology (EAN) in Amsterdam wurden neue Wirkstoffe, darunter Cannabinoide und Neurosteroide, als mögliche künftige Optionen bei schweren, therapieresistenten Epilepsie-Formen diskutiert. Auch schonendere neurochirurgische Verfahren und der Einsatz von Radiotherapien bringen neue Therapieansätze.
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Epilepsie wird zu Unrecht für eine seltene Erkrankung gehalten: Etwa 10% aller Menschen erleiden in ihrem Leben einen einzelnen, isoliert auftretenden epileptischen Anfall. Bei 3 bis 5% kommt es zu Phasen, in denen diese Funktionsstörungen des Gehirns wiederholt auftreten. Akut erkrankt sind 0,6 bis 0,8% der Bevölkerung. Dazu kommt eine vermutlich beachtliche Dunkelziffer.

Die gute Nachricht: Mittlerweile steht eine breite Palette sehr guter Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. In den letzten 20 Jahren wurden etwa 20 Medikamente eingeführt, die für  viele Betroffene deutliche Fortschritte gebracht haben. Heute kann mit den zur Verfügung stehenden Antikonvulsiva bei mehr als zwei Drittel der Betroffenen das Therapieziel einer anhaltenden Anfallsfreiheit erzielt werden, bei einem Teil kann die Medikation nach einiger Zeit sogar wieder abgesetzt werden.

Neurochirugie immer schonender möglich

„Bisher hat die enorme Entwicklung neuer Antiepileptika aber keinen Durchbruch gebracht“, so Prof. Christian E. Elger, Bonn, auf dem Kongress der European Academy of Neurology in Amsterdam. „Zwar leben die Patienten, die darauf ansprechen, heute nebenwirkungsfreier und sicherer. Die Wirksamkeit wie auch die Rate an Pharmakoresistenzen hat sich dadurch aber leider nicht verbessert“.

Tatsächlich heilbar sind Epilepsien nur durch chirurgische Eingriffe. Dank der Fortschritte in der bildgebenden Diagnostik und den neurochirurgischen Techniken, können immer mehr Patienten mit immer besseren Langzeiteffekten operiert werden. „Heute können wir 10 bis 20% der Patienten, die nicht auf Medikamente ansprechen, mit der Entfernung der anfallverursachenden Gehirnläsionen vollständig heilen“, so Prof. Elger. „Leider wird von dieser Maßnahme noch viel zu wenig Gebrauch gemacht. Bei Patienten, die 5 Jahre erfolglose Therapieversuche hinter sich haben, sollte ein solcher Eingriff immer erwogen werden. Bei Kindern sogar früher“. Möglich ist das aber nur unter 2 Voraussetzungen: Zum einen darf die sogenannte Anfallsursprungszone in keinem der sensiblen Gehirnteile liegen – zum anderen müssen diese winzigen Läsionen mithilfe einer Kernspintomographie erst entdeckt werden. „Diese Diagnostik sollte unbedingt in einem spezialisierten Zentrum erfolgen“, rät Prof. Elger. „Wir entdecken bei der Nachuntersuchung von angeblich unauffälligen MRTs in zwei Drittel der Fälle doch eine Läsion“.

Erweitert könnte der Einsatzbereich durch die stereotaktische Laser-Thermokoagulation werden, bei der durch hochfrequente elektrische Ströme ein lokal eng begrenzter Hitzebereich erzeugt wird. „Dadurch kann pathologisches Gewebe auf sanfte Weise zerstört werden”, fasst Prof. Elger die bisherigen Erfahrungen zusammen. „Anders als bei den Standardverfahren ist dafür keine große Schädelöffnung nötig und auch bei tiefsitzenden Läsionen können Schäden am Kortex vermieden werden. Dadurch wird ein Einsatz auch in der Nähe von eloquenten Hirnarealen möglich.“
Eine andere Möglichkeit, gravierende Verletzungen in sensiblen Bereichen des Gehirns zu vermeiden, stellt die Neuromodulation mit niedrigdosierter Hochpräzisionsbestrahlung dar, die in ähnlicher Form auch zur Behandlung von Tumoren angewandt wird. In einer sehr kleinen Studie, in der nur 6 Patienten mit 2 unterschiedlichen Bestrahlungsverfahren (hypofractionated stereotactic radiotherapy; hfSRT und low-dose radiosurgery; SRS) behandelt wurden, brachte die völlig nebenwirkungsfreie Therapie bei 2 Patienten die Anfälle völlig zum Verschwinden, bei 1 weiteren konnten sie zumindest deutlich reduziert werden. Bei den 3 verbleibenden zeigten sich dagegen keine nachhaltigen Effekte. „Noch gibt es über den Einsatz von stereotaktischer Radiotherapie zur Epilepsiebehandlung erst wenige Studien“, weiß Prof. Elger. „Die ersten Erfahrungen zeigen aber, dass sie in Fällen, wo klassische Verfahren neurologische Defizite verursachen könnten, eine schonende Alternative sein können. Der einzige Nachteil ist, dass sich der volle Effekt eventuell erst nach 1 Jahr oder später einstellen kann.“

 
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