Sonntag, 12. Juli 2020
Navigation öffnen

Medizin

16. Januar 2017 Plaque-Psoriasis: Erste Erfahrungen mit Interleukin-17A-Inhibitor Ixekizumab in der klinischen Routine

Bei der Jahrestagung der ÖGDV in Wien diskutierte eine Expertenrunde den Stellenwert der neuen Therapieoption Ixekizumab (Handelsname Taltz®) vor dem Hintergrund heutiger Patientenerwartungen und -bedürfnisse. Ixekizumab ist ein neuer Interleukin(IL)-17A-Inhibitor zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie in Frage kommen. Der humanisierte monoklonale Antikörper, der speziell für eine hohe Bindungsaffinität und Spezifität für das Zytokin IL-17A, entwickelt wurde, führte in den Zulassungsstudien zu einem hohen Maß an Erscheinungsfreiheit*. Während in Deutschland die Einführung erst für das Frühjahr 2017 geplant ist, ist der IL-17A-Inhibitor in Österreich bereits seit einigen Monaten erhältlich. Neben einem Überblick über die aktuelle Studienlage diskutierten die Experten anhand erster praktischer Erfahrungen die Übertragbarkeit der klinischen Daten in die Versorgungsrealität.
Anzeige:
Durch die zahlreichen therapeutischen Entwicklungen der letzten Jahre, die Eingang in die Versorgung von Menschen mit Psoriasis gefunden haben, haben sich auch die Behandlungsziele verändert. Experten aus Österreich und Deutschland diskutierten diesbezüglich im Rahmen der ÖGDV-Jahrestagung unter anderem auch die Frage, ob es noch einen Bedarf an weiteren Biologika, wie den IL-17A-Inhibitoren, als Ergänzung zum bisherigen Behandlungsspektrum gibt. Diese Frage konnte Doz. Dr. Wolfgang Weger von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Graz eindeutig bejahen.

„Die Psoriasis ist eine heterogene, komplexe Systemerkrankung mit bedeutenden Einschränkungen der Lebensqualität, die alle Lebensbereiche betreffen kann. Zudem können Körperregionen, wie beispielsweise Kopfhaut, Hand- und Fußflächen oder Nägel betroffen sein, die mit bisherigen Therapien nicht immer ausreichend behandelt werden können. Je höher die Vielfalt an Therapiemöglichkeiten ist, desto besser kann jeder Patient seinen Bedürfnissen entsprechend behandelt werden.“

„Nicht zuletzt durch die neue Biologika-Generation rücken patientenrelevante Endpunkte sowie individuelle Therapieziele immer stärker in den Fokus“, betonte auch PD Dr. Marc Alexander Radtke vom Institut für Versorgungsfor-schung in der Dermatologie am Universitätsklinikum Hamburg. An erster Stelle stehe für die Patienten die Heilung der Haut. ,  Allerdings gebe es ne-ben dem Abheilen von Plaques eine Reihe individueller Bedürfnisse, wie beispielsweise weniger Juckreiz, einen „normalen“ Alltag zu erleben, weniger Aufwand mit der Therapie im Alltag und vieles mehr.

Versorgungsdaten aus Registern liefern wertvolle Erkenntnisse

Das österreichische Psoriasis Register PsoRA, das von der Medizinischen Universität Graz in Zusammenarbeit mit der ÖGDV entwickelt und von der pharmazeutischen Industrie unterstützt wurde, umfasst mittlerweile Daten von rund 3.000 Patienten, die auf eine konventionelle System- oder Biologikatherapie eingestellt wurden. „PsoRA wurde etabliert, um die Therapie von PatientInnen mit Psoriasis in Österreich unter Alltagsbedingungen zu erfassen und zu verbessern. So erhoffen wir uns stetig neue Erkenntnisse auf dem Weg zur personalisierten Medizin und dem Erreichen individueller Therapieziele“, so Doz. Weger.

Laut Leitlinien ist das grundsätzliche Ziel jeder Therapie die Erscheinungs-freiheit, das heißt die Abwesenheit von sichtbaren psoriatischen Plaques. Bisher war dies jedoch nicht für viele Psoriasis-Patienten ein realistisches, erreichbares Therapieziel. ,  Nach wie vor gibt es Patienten, die nicht mit ihrer bisherigen Therapie zufrieden sind und unter deutlichen Einbußen ihrer Lebensqualität im Alltag leiden. So betonte Univ.-Prof. Dr. Elisabeth Riedl von der Universitätsklinik für Dermatologie im Wiener Allgemeinen Krankenhaus: „Die Belastung durch die Erkrankung ist individuell natürlich verschieden, gemeinsam ist aber den meisten Patienten der Wunsch nach Erscheinungsfreiheit und einem möglichst normalen, unbeschwerten Le-ben.“

Hohes Maß an Erscheinungsfreiheit* dank IL-17A-Inhibition

Ixekizumab ist ein Vertreter der neuen spezifischeren Antikörper, die auf eines der Schlüsselzytokine der Psoriasis, IL-17A, zielen. Mehr Patienten können künftig mit diesen Wirkstoffen eine nahezu erscheinungsfreie Haut (PASI 90-Reduktion) oder sogar völlig erscheinungsfreie Haut (PASI 100-Reduktion) erreichen. In Wien wurden Daten aus dem klinischen Studien-programm UNCOVER präsentiert, das die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ixekizumab bei mehr als 3.800 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis in über 18 Ländern untersuchte. In den Zulassungsstudien erzielten bis zu sieben von zehn Patienten innerhalb von 12 Wochen eine PASI 90-Reduktion. Auch nach 60 Wochen, am Ende der Erhaltungsphase, lag die PASI 90-Response bei 70 Prozent. In den Studien UNCOVER-1 und -2 erreichten 58% der Patienten, die an Woche 12 einen sPGA von 0 oder 1 hatten, eine völlige Erscheinungsfreiheit (PASI 100-Antwort) in Woche 60.  Der monoklonale Antikörper Ixekizumab wirkt außerdem schnell, schon nach einer Woche erreichten Patienten signifikante Verbesserungen.  Bereits nach zwei Wochen erzielten über 50% der Patienten einen PASI 50.

Die Verträglichkeit von Ixekizumab war in den Studien vergleichbar mit Eta-nercept. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Reaktionen an der Injekti-onsstelle und Infektionen der oberen Atemwege (am häufigsten Nasopha-ryngitis). Sie führten in der Regel nicht zu einem Absetzen der Behandlung.

Erste Erfahrungen mit Ixekizumab im Versorgungsalltag

Prof. Riedl kann nach ersten Erfahrungen mit Patienten, die sie auf Taltz® eingestellt hat, die guten Ansprechraten aus den klinischen Studien auch im Versorgungsalltag beobachten. „Die Erfahrungen sind natürlich noch limitiert. In der bisher kurzen Zeit der Behandlung mit Ixekizumab haben wir aber ein gutes Ansprechen bei unseren Patienten gesehen, auch bei schwer zu behandelnden Körperregionen wie Kopfhaut, Hände und Nägel, deren Befall oft mit einem besonders hohen Leidensdruck einhergeht.“ Auch die Ergebnisse der UNCOVER-2-Studie zeigten, dass etwa 82% der Patienten eine Nagelbeteiligung hatten, mit einem mittleren Nail Psoriasis Severity Index (NAPSI) von 27. Nach 12 Wochen erzielten bereits bis zu 15% einen NAPSI von 0. Nach 60 Wochen konnte das Ergebnis von mehr als 50% dieser Patienten mit einem NAPSI von 0 gesteigert werden.  

Frau Prof. Riedl schilderte den Fall eines jungen Mannes, der unter einer Psoriasis mit ausgeprägtem Befall der Kopfhaut leidet und dies als starke Beeinträchtigung im Berufsleben vor allem, im Kontakt mit Kunden, erlebte. Nach sechs Wochen Therapie mit Taltz® waren die Läsionen an der Kopfhaut komplett abgeheilt. Eine weitere Patientin litt unter einer langjährigen, schweren Plaque-Psoriasis mit Beteiligung der Hände. „Sie war bereits mit zwei TNF-Blockern vorbehandelt, auf die sie langfristig nicht mehr angesprochen hatte“, berichtete Prof. Riedl. Die deutliche Sichtbarkeit durch den Befall der Hände und die stark schuppenden Plaques, welche die Patientin selbst als „panzerartig“ beschrieb, waren für sie sowohl kosmetisch als auch funktionell extrem belastend, so dass die Patientin das Haus nicht ohne Handschuhe verließ. „Nach sechs Wochen Behandlung kam es zu einer deutlichen Besserung der Psoriasis und, damit verbunden, auch der Lebensqualität.“

Die Zulassungsstudien UNCOVER-112, -24 und -34 sind drei multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studien mit mehr als 3.800 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis in über 18 Ländern, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ixekizumab untersuchten. In allen drei Studien erhielten Patienten wärend der Induktionsphase randomisiert Placebo oder 80 mg Ixekizumab alle zwei oder alle vier  Wochen nach einer Initialdosis von 160 mg. In der Erhaltungsphase erhielten die Studienteilnehmer 80 mg Ixekizumab alle vier Wochen. In den Studien UNCOVER-2 und -3 gab es zusätzlich eine Vergleichsgrup-pe, in der die Patienten für zwölf Wochen Etanercept (50 mg zweimal wöchentlich) erhielten. Untersucht wurden außerdem die Ansprechraten von Ixekizumab in der Erhaltungsphase über einen Zeitraum von 60 Wochen.

* PASI 75: 90%; PASI 90: 71%; PASI 100: 41% (UNCOVER-2)

Quelle: Lilly


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

Ältere Menschen und Corona - BZgA gibt Tipps für den Alltag daheim

Ältere Menschen und Corona - BZgA gibt Tipps für den Alltag daheim
© Photographee.eu / Fotolia.com

Ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe, wenn sie sich mit dem Coronavirus infizieren. Wie Seniorinnen und Senioren sich vor einer Ansteckung bestmöglich schützen können und was sie in der aktuellen Situation für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun können, darüber informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrem Online-Portal. Das Angebot zeigt geeignete Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen und unterstützt Ältere mit praktischen Empfehlungen für...

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung

Diabetes in Deutschland: Lücken in Versorgung, Prävention und Aufklärung
© pikselstock - stock.adobe.com

Was ist bloß mit der Politik los?! Das fragen sich kopfschüttelnd immer mehr Patienten mit Diabetes, Angehörige und Risikopatienten. Laut einer aktuellen Umfrage von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe mit mehr als 1500 Menschen fühlen sich 86 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes nicht angemessen in der Politik vertreten. Das will die neue „Digitale Allianz Diabetes Typ 2“, ein Bündnis aus 16 Diabetesorganisationen und Fachverlagen, ändern! 

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart
© adimas / Fotolia.com

Am 25. März veranstaltet der Lungeninformationsdienst zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung in Stuttgart sein 17. Patientenforum Lunge. Das Thema: „Aktuelles zu klinischen Studien in der Lungenforschung – Wie nützen sie den Patienten?“ Erstmals findet die Veranstaltung im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin statt. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Deutsche Lungentag.

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Plaque-Psoriasis: Erste Erfahrungen mit Interleukin-17A-Inhibitor Ixekizumab in der klinischen Routine"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • USA offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetreten – Der Austritt wird in einem Jahr gültig (dpa, 08.07.2020).
  • USA offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgetreten – Der Austritt wird in einem Jahr gültig (dpa, 08.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden