Samstag, 28. März 2020
Navigation öffnen

Medizin

09. Mai 2017 Erste kausale Therapie der Opioid-induzierten Obstipation

Die Opioid-induzierte Obstipation (OIC) ist die häufigste Komplikation einer Opiod-Therapie, belastet die Patienten stark und kann meist nur auf Kosten einer schlechteren Schmerztherapie gelindert werden. Mit Naloxegol, dem ersten oral verfügbaren Vertreter der Stoffklasse der µ-Opioid-Rezeptor-Antagonisten (PAMORA) steht nun eine ursächliche Therapie zur Verfügung.
Anzeige:
Opioide hemmen den peristaltischen Reflex und die gastrointestinale Sekretion, erklärte Prof. Dr. Martin Storr, Starnberg. Bei der Einleitung einer Opioid-Therapie sei deshalb schon in niedrigen Dosen und unabhängig vom Wirkstoff eine Opioid-induzierte Obstipation (opioid induced constipation, OIC) unvermeidlich. Typische Symptome sind laut Storr harter Stuhlgang und mühevolle, oft inkomplette Stuhlentleerung und plötzliche Durchfälle, begleitet von Völlegefühl, Bauchdruck und –schmerzen, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen. Dass eine OIC die Lebensqualität der Schmerzpatienten zusätzlich zur Grundkrankheit verringert und sie im Arbeitsalltag einschränkt, ist nachgewiesen (1,2), wird aber immer noch unterschätzt, so Dr. Ulf Schutter, Marl. Etwa 70% der Patienten mit OIC berichten, eine Therapie mit Laxanzien bessere die Beschwerden, wenn überhaupt nur geringfügig (3). Aktuelle Daten belegen, dass Patienten mit OIC nicht selten die Dosis ihres Opioids reduzieren oder sogar ganz darauf verzichten und lieber auch starke Schmerzen ertragen (4).

Bisherige Maßnahmen, z.B. der Einsatz von Laxanzien, sind bei OIC kaum wirksam, da sie nicht gegen die o.g. pathogenetischen Mechanismen gerichtet sind. Anders Naloxegol (Moventig®). Der erste Vertreter aus der neuen Stoffklasse der PAMORA (peripher wirkender µ-Opioid-Rezeptor-Antagonist) zielt auf die Ursache der OIC ab, d.h. die Opioid-vermittelte, periphere µ-Opioid-Rezeptor-Aktivierung und Hemmung der Darmmotorik und –sekretion. Da Naloxegol aufgrund der Pegylierung die Blut-Hirn-Schranke nicht klinisch bedeutsam überwindet, bleibt die gewünschte analgetische Wirkung der Opioid-Therapie aber erhalten, erläuterte Prof. Storr. Zugelassen ist der PAMORA zur Behandlung der OIC bei erwachsenen Patienten, die unzureichend auf Laxanzien angesprochen haben, auf Basis der Ergebnisse der Phase-III-Studien KODIAC 4 und 5 bei Patienten mit OIC und nicht krebsbedingten Schmerzen. Darin hatte sich die unter der empfohlenen Dosierung von 25 mg Naloxegol einmal täglich die mediane Zeit bis zum ersten Stuhlgang von 41,1 Stunden (Placebo) auf 7,6 Stunden verkürzt (5,6).

Ute Ayzpoor

Quelle: Symposium „Gestalten statt verwalten – Moderne Therapieoptionen bei Schmerzpatienten“, Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2017, 23.3.2017, Frankfurt am Main, Veranstalter: Kyowa Kirin GmbH.

Literatur:

(1) Siemens W et al. Expert Opin Pharmacoth 2014; 16:515-532
(2) Coyne KS et al. CEOR 2014;6:269-281
(3) Palmer CS et al. Abstract 790 Poster präsentiert auf dem 20th Annual Scientific Meeting oft he American Pain Society, Phoenix/Arizona, USA, 19.-22.April 2001
(4) Lawson R et al. Adv Ther 2016;33(8):1331-46
(5) Chey WD et al. New Engl j Med 2014;370:2387-2396
(6) Tack J et al. United European Gastroenterol J 2015;3:471-480


Das könnte Sie auch interessieren

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst
© chalabala - stock.adobe.com

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) startet die Online-Kampagne „Danke für 24/7“. Die Fachgesellschaft bedankt sich damit bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Krankenhaus und Rettungsdienst. Hier tragen Ärzte und Pflegekräfte 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche Sorge für Patientinnen und Patienten. Das verdient aus Sicht der DGIIN eine besondere und öffentliche Wertschätzung.

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?

Plötzlicher Blutdruck-Anstieg: Wann den Notarzt (112) rufen?
© JPC-PROD / Fotolia.com

Regelmäßiges Blutdruckmessen ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um die schwerwiegenden Folgen eines unbehandelten Bluthochdrucks wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Vorhofflimmern oder Nierenschädigung zu verhindern. Besonders problematisch ist es, wenn der Blutdruck plötzlich ansteigt und Werte in Ruhe z. B. von 190-200 mmHg (oberer Wert) oder mehr erreicht. Für Patienten entscheidend für das weitere Vorgehen in dieser beunruhigenden Situation ist, ob der hohe Blutdruck nur mit geringfügigen Missempfindungen wie Gesichtsröte,...

Mit achtsamer Lebensweise Burn-out vorbeugen

Mit achtsamer Lebensweise Burn-out vorbeugen
© natalialeb - stock.adobe.com

Nach einer Studie des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life lag der Personalausfall im Jahr 2018 zu 37 Prozent an Krankheiten bedingt durch psychische Belastung am Arbeitsplatz. Zu den häufigsten Gründen der Krankmeldungen zählten Burn-out und Depressionen. „Menschen leben heute in einer Welt von stetiger Erreichbarkeit. Auch am späten Abend nach der eigentlichen Arbeitszeit, am Wochenende oder sogar im Urlaub erreichen sie E-Mails oder Anrufe, sodass sie nicht zur Ruhe kommen. Deshalb fühlen sich immer mehr Menschen körperlich sowie emotional...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Erste kausale Therapie der Opioid-induzierten Obstipation"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden