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Medizin

09. April 2020 Expertenempfehlung der Leopoldina zur „Exit-Strategie“

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldin hält eine Lockerung der Maßnahmen im Kampf gegen die SARS-CoV-2-Pandemie nach den Osterferien für möglich. Nächste Woche wollen sich die Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über eine mögliche Lockerung der massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens beraten. Bis dahin soll die Akademie weitere Vorschläge erarbeitet haben, wie „nachhaltiges Wiederhochfahren des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft“ möglich sei. Dabei würden auch ethische, gesellschaftliche und wirtschaftliche
Aspekte berücksichtigt, bestätigte eine Sprecherin der Leopoldina der Deutschen Presse-Agentur.
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Fachinformation
Bereits jetzt appellierten die Experten der Leopoldina, dass neben den bestehenden Abstands- und Hygieneempfehlungen 7 Punkte berücksichtigt werden sollen, damit Regeln gelockert werden können:

1. Mund-Nasen-Schutz

Eine schrittweise Lockerung der Maßnahmen soll damit einhergehen, dass flächendeckend Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Dieser reduziere
die Übertragung von Viren. Eingeschränkt diene er auch dem Eigenschutz. „Der Mangel sollte bereits jetzt durch selbst hergestellten Mund-Nasen-Schutz, Schals und Tücher überbrückt werden“, heißt es. Diese sollten Mund, Nase, Kinn und die Seitenränder möglichst vollständig abdecken.

2. Technische Lösungen

Die Experten sprechen sich dafür aus, digitale Werkzeuge zu nutzen, in denen Personen „freiwillig und unter Einhaltung von Datenschutz sowie Persönlichkeitsrechten“ Daten über mögliche Infektionswege zur Verfügung stellen. Dies sei unentbehrlich, damit potenziell gefährdete Personen informiert und „zielgenaue“ Maßnahmen getroffen werden könnten.

3. Testkapazitäten

Darüber hinaus sollten die Kapazitäten für Corona-Tests weiter erhöht werden und während einer Übergangszeit auch Einrichtungen der Tiermedizin genutzt werden. „Damit können Ausbreitungsherde besser eingegrenzt und Quarantänemaßnahmen passgenau verhängt werden“, heißt es.

4. Repräsentative Tests

Es sei zudem wichtig, die Bevölkerung repräsentativ zu testen. So könne ein Überblick hinsichtlich akuter Infektionen gewonnen werden. Zudem solle auf Immunität getestet werden. Dies seien Voraussetzungen für eine realistische Einschätzung der Situation.

5. Risikofaktoren

Bei Neuerkrankten müsse umfassend erfasst werden, welche Risikofaktoren wie Alter, Rauchen oder Vorerkrankungen vorliegen. Dafür brauche es ein einheitliches elektronisches Verfahren. „Da die Risikofaktoren die Schwere des Krankheitsverlaufs maßgeblich beeinflussen, ist diese Information im Hinblick auf die Abschätzung einer möglichen Überlastung des öffentlichen Gesundheitssystems wichtig“, teilten die Experten mit.

6. Struktur in Kliniken schaffen

Zwar sei es zwischenzeitlich notwendig gewesen, die Kliniken in Deutschland deutlich umzustrukturieren, das müsse aber regelmäßig überprüft und angepasst werden. Andere akut oder dauerhaft Erkrankte dürften nicht aus der Versorgung fallen. Wichtige Diagnosen müssten frühzeitig erfolgen, langfristig angelegte Therapien nicht unterbrochen werden. Videosprechstunden und andere digitale Angebote könnten eine zunehmende Rolle spielen.

7. Kommunikation

Die Bevölkerung zeigt laut den Wissenschaftlern eine hohe Bereitschaft, die Maßnahmen umzusetzen. Das könne aber noch gestärkt werden, indem regelmäßig und transparent kommuniziert werde. Dabei gehe es beispielsweise darum, nachvollziehbare Zielgrößen wie die Zahl von schwer Erkrankten im Verhältnis zur Versorgungskapazität mitzuteilen. Auch die Info, dass Infizierte zweieinhalb Tage vor den ersten Symptomen andere Menschen anstecken könnten, sei sehr wichtig.

Quelle: dpa


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