Mittwoch, 19. Februar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

08. Juni 2012 FIFA-Chefarzt: Schmerzmittelmissbrauch im Fußball üblich

Der Schmerzmittel-Konsum entgleist im Profifußball zusehends. Hohe Sorgfalt der Teamärzte ist notwendig, um Missbrauch und gesundheitliche Schäden vorzubeugen, warnt Jiri Dvorak, medizinischer Leiter des Weltfußballverbandes FIFA. "Bei den FIFA-Turnieren und in höheren Spielligen hat die Einnahme von Schmerzmitteln extrem zugenommen. Um die Nebenwirkungen bei Langzeiteinnahme zu verhindern, müsste stärker auf die Indikation geachtet werden", so der Experte.

Anzeige:

Dass die Zustände geradezu "desaströs" sind, zeigt Dvorak im "British Journal of Sports Medicine": 60 Prozent der Fußballer der WM 2010 in Südafrika nahmen Schmerzmittel, 39 Prozent vor jedem Spiel. Ausgewertet hat Dvorak dafür Auflistungen der an die Sportler verabreichten Medikamente, die die Teamärzte damals im Auftrag der FIFA erstellt haben. Die Länderunterschiede waren groß: In manchen Teams - vor allem jene aus Nord- und Südamerika - schluckten die Spieler bis zu drei Schmerzmittel gleichzeitig. "Temperament und Einstellung zu Schmerzmitteln dürften hier mitspielen", vermutet der FIFA-Experte.

Unter den Schmerzmitteln werden im Fußball besonders nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAID bzw. NSAR) verwendet, die langfristig Kopfschmerzen, Geschwüre und Nierenleiden auslösen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Organe der Athleten in Intensivsportarten ständig auf Hochtouren arbeiten und dadurch sensibler auf Schädigungen durch Medikamente reagieren. Fälle wie jene des kroatischen Fußballprofis Ivan Klasnic, der gegen die Werder Bremen-Teamärzte klagt, weil 2007 durch Schmerzmittel bei ihm ein Nierenversagen ausgelöst worden sei, will Dvorak aber nicht kommentieren.

Der Druck auf Teamärzte ist enorm, verletzte Spieler möglichst rasch wieder auf das Feld zu bringen. Den Spielern ergeht es ähnlich: Verletzt zu sein bedeutet, ersetzt zu werden und vielleicht die Chance auf Rückkehr zu verlieren, weshalb es viele in Anbetracht des drohenden Verdienstentgangs als "Teil des Jobs" bezeichnen, die Gesundheitsrisiken auf sich zu nehmen. Immer öfter nehmen Spitzensportler Schmerzmedikamente präventiv ein, um bei Verletzungen unsensibel zu sein und nicht auszufallen. Vieles spricht laut Dvorak dafür, dass jüngere Spieler diese gängige Praxis der älteren Generation unkritisch übernehmen.

Der FIFA-Mediziner hält angesichts der jüngsten Trends die Bezeichnung "Missbrauch" für angebracht. "Ob Schmerzmittel künftig als Doping gilt, ist Entscheidung der World Anti-Doping Agency. Wahrscheinlich ist ein derartiges Vorgehen nicht, da bei Schmerzmitteln nur ein Teil der Liste der nötigen Kriterien erfüllt ist. Dringend brauchen wir jedoch mehr Aufklärung, damit Schmerzmittel künftig gezielter - nur für die entsprechenden Indikationen - eingesetzt werden", so Dvorak.
Link zum Artikel

Quelle: pte


Das könnte Sie auch interessieren

Ängste und Zurückweisung beim Thema AIDS abbauen

Ängste und Zurückweisung beim Thema AIDS abbauen
© psdesign1 / Fotolia.com

Dank moderner Medikamente können die rund 87.000 Menschen in Deutschland mit HIV beziehungsweise AIDS heute fast normal leben. Stattdessen belasten mitunter Ausgrenzung, Zurückweisung und Angst Betroffene heute schwerer als die eigentliche Erkrankung. „Vorurteile und mangelndes Wissen sind oft die Hauptursachen für Ausgrenzung und Zurückweisung von HIV-Positiven. Dem wollen wir unter anderem mit einer Telefon-Hotline entgegenwirken“, so Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der BARMER.

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage
© Oleg / fotolia.com

Wer darüber nachdenkt, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte sich von einer möglichen Gewichtszunahme nicht abhalten lassen. Denn obwohl auch Übergewicht mit Gesundheitsrisiken verbunden ist, überwiegt der gesundheitliche Nutzen durch einen Nikotinverzicht noch immer deutlich. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen US-Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) nimmt den Forschungsbericht zum Anlass, einmal mehr auf die...

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs
© karepa / Fotolia.com

Das Trinken von Alkohol ist gesellschaftlich breit akzeptiert, trotz der Risiken, die mit seinem Konsum einhergehen. Alkohol ist an der Entstehung von mehr als 200 Erkrankungen beteiligt, so die Autoren des Alkoholatlas Deutschland 2017. Leberschäden gehören dabei zu den weitgehend bekannten Folgen. Doch auch das Risiko für Darmkrebs steigt. Anlässlich des Darmkrebsmonats März macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) darauf aufmerksam, dass auch der vergleichsweise moderate Konsum von Alkohol das...

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse

Tagebuch hilft Pflegenden beim Erkennen eigener Bedürfnisse
© Sandor Kacso / Fotolia.com

Viele pflegende Angehörige nehmen ihre eigenen Bedürfnisse kaum mehr wahr. Die Sorge um den Angehörigen oder die Angst, der Aufgabe nicht gerecht zu werden, können den Blick auf sich und eigene Wünsche verstellen, erklärt Daniela Sulmann vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). "Als erstes gilt es dann zu versuchen, sich selbst wieder stärker in den Fokus zu nehmen und zu formulieren, was man braucht." Das jedoch sei leichter gesagt als getan. Sulmann empfiehlt Pflegenden daher, ein Tagebuch zu führen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"FIFA-Chefarzt: Schmerzmittelmissbrauch im Fußball üblich"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.