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Medizin

06. Dezember 2018 Forschung: Narbenlose Wundheilung soll möglich werden

Können sich Wunden schließen, ohne dass Narben auf der Haut zurückbleiben? Dieser Frage geht Dr. Yuval Rinkevich in seinem Projekt ScarLessWorld nach. Dabei wird der Nachwuchsgruppenleiter am Helmholtz Zentrum München nun vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) mit einem Consolidator Grant unterstützt. Rund 2 Millionen Euro Fördermittel fließen in den kommenden 5 Jahren in die Forschung.
Die Regeneration von Geweben und Organen fasziniert die Menschen seit Jahrtausenden. „Umso bemerkenswerter ist es, dass die Prozesse nach wie vor relativ schlecht verstanden sind“, erklärt Yuval Rinkevich. Er leitet die Nachwuchsgruppe ‚Cellular Therapeutics in Chronic Lung Disease‘ am Institut für Lungenbiologie des Helmholtz Zentrums München.

Gemeinsam mit seinem Team konnte er aber kürzlich wesentliche Aspekte zu diesem Feld beitragen. „Wir konnten zeigen, dass die Bindegewebszellen der Haut, die für die Wundheilung zuständig sind, keine einheitliche Population darstellen“, erklärt Rinkevich. „Nach unseren Erkenntnissen gibt es 4 verschiedene Arten von Fibroblasten, deren Zusammensetzung dafür verantwortlich ist, wie stark oder schwach eine Wunde vernarbt.“

Ein Beispiel liefert der Wissenschaftler gleich mit: „Wird die Haut eines sich entwickelnden Embryos verletzt, bildet sie sich einfach nach. In späteren Stadien des Lebens hingegen vernarben die Wunden.“ Die Forscherinnen und Forscher konnten vor kurzem zeigen, dass dieses Phänomen auf der unterschiedlichen Zusammensetzung der Fibroblasten in der Haut beruht: Die Anzahl der regenerativen Zellen nimmt im Laufe der Entwicklung ab, während umgekehrt mehr narbenbildende Zellen hinzukommen. Aber: Transplantierten die Forscher Fibroblasten aus Mäuseembryonen in entsprechende Wundregionen von erwachsenen Tieren, reduzierte sich die Narbenbildung signifikant.

Daraus ergibt sich für Yuval Rinkevich auch die Aufgabenstellung der kommenden Jahre: „Wir wollen mit neuen experimentellen Ansätzen verstehen, wie diese narbenlose Wundheilung funktioniert und diesen Prozess langfristig klinisch nachbauen. Im Rahmen von ScarLessWorld planen er und sein Team daher die folgenden Teilaspekte:

• die verschiedenen Fibroblasten-Typen vollständig katalogisieren,
• deren Dynamik während der Wundheilung mit bildgebenden Methoden erfassen,
• die für Regeneration oder Vernarbung verantwortlichen Gene identifizieren und
• diese Erkenntnisse letzten Endes in menschliches Hautgewebe überführen.

„Mit den von uns entwickelten Technologien kann uns dieser Durchbruch gelingen. Das wäre ein großer Fortschritt für die regenerative Medizin“, so Rinkevich. Denn aktuell gäbe es in der klinischen Praxis kaum Strategien zur Verhinderung der Narbenbildung etwa bei größeren Wunden oder Verbrennungen. Sollte sich der Ansatz bewähren, könnte er möglicherweise auf weitere Krankheitsbilder angepasst werden, etwa auf Lungenfibrose, bei der das Lungengewebe vernarbt.

Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt


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