Samstag, 4. Juli 2020
Navigation öffnen

Medizin

18. Februar 2015 Frei verkäufliche Analgetika: Unbedingt Dosierangaben der Hersteller beachten - keine regelmäßigen Einnahmen

Die Einnahme von seit Jahren eingesetzten, frei verkäuflichen Schmerzmitteln wird von der Öffentlichkeit häufiger als gefährlich eingeschätzt. Breite Teile der Bevölkerung und auch die Ärzteschaft verunsichert das regelmäßig. Im Einzelnen wurde Paracetamol als einer der gefährlichsten Wirkstoffe im täglichen Gebrauch bezeichnet. "Hält man sich an die Dosierangaben der Hersteller und vermeidet die häufige Einnahme, kann man unbesorgt sein. Eine Schädigung der Niere, wie sie für die Vorläufersubstanz von Paracetamol - das nicht mehr erhältliche Phenacetin - bewiesen wurde, muss gemäß der Daten aus epidemiologischen Untersuchungen hier nicht befürchtet werden", sagt PD Dr. Stefanie Förderreuther, Pressesprecherin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Anzeige:
Fachinformation

Gefahr bestehe tatsächlich nur, wenn man es in weit höheren Dosierungen als empfohlen einnimmt: Zum Beispiel bei Einnahme von sechs Gramm, das sind 12 Tabletten zu 500 Milligramm an einem Tag - führt es beim Erwachsenen zu schweren Leberschäden. Das ist schon seit vielen Jahren bekannt. Weniger bekannt ist, dass Paracetamol bei Kindern eine längere Halbwertszeit besitzt und deshalb bei wiederholten Gaben schneller gefährlich werden kann. Daher ist bei der Gabe bei Kindern besondere Vorsicht gefordert.

Auch bei kritischer Bewertung der frei verkäuflichen Analgetika ergeben sich zum heutigen Zeitpunkte keine neuen Gesichtspunkte, die die Empfehlungen zu diesen Mitteln in der Selbstmedikation bei Kopfschmerzen ändern würden. Generell sind diese Medikamente sicher. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Medikamenten völlig ungefährlich sind: bei unsachgemäßem Gebrauch, zu hoher Dosierung und längerfristiger, regelmäßiger Einnahme muss auch hier mit unerwünschten Wirkungen gerechnet werden - eine davon ist z.B. die Chronifizierung von bestehenden Kopfschmerzen. Die in den Leitlinien der DMKG zur Selbstmedikation bei Kopfschmerzen gegebenen Empfehlungen verhindern diese Risiken.

In der letzten Zeit wurde auch der Gebrauch von Paracetamol in der Schwangerschaft hinterfragt. Epidemiologische Studien vermuteten ein mögliches Risiko der Entwicklung von Asthma bronchiale, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Hodenhochstand. Andere Studien ermittelten gerade für diese zum Teil häufigen Erkrankungen eine große Anzahl von anderen möglichen Risikofaktoren, so dass bei der Vielzahl von potentiellen Risikofaktoren derzeit keine Zuordnung möglich ist. Dieser Sachverhalt führte auch dazu, dass die europäischen Zulassungsbehörden keine Änderungen ihrer Empfehlungen vornahmen. Paracetamol kann weiterhin in allen Stadien einer Schwangerschaft als sichere Substanz betrachtet werden.

Eine andere häufig eingesetzte Substanzgruppe zur Schmerztherapie sind die Hemmstoffe der Cyclo-Oxygenase (wie z.B. ASS, Ibuprofen oder Diclofenac). Bekannte Risiken sind bei regelmäßiger und anhaltender Einnahme die Nebenwirkungen auf den oberen Gastro-Intestinal-Trakt (oberer Teil des Verdauungsapparates: Magen und Dünndarm), die Beeinflussung der Thrombozytenfunktion, was zu einem erhöhten Blutungsrisiko führt, und auch die Erhöhung des Blutdruckes. Diese Nebenwirkungen sind jedoch dosisabhängig und treten nur nach anhaltendem Gebrauch auf.

Die dritte Gruppe von frei verkäuflichen Schmerzmitteln, die wiederholt mit Nebenwirkungen in Verbindung gebracht wurde, sind die Mischpräparate, wobei meistens Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Koffein kombiniert werden. Als Gefahr wird ein erhöhtes Risiko, abhängig zu werden, genannt und der Umstand, dass mehrere Substanzen auch in der Summe mehr Nebenwirkungen erzeugen. Dabei ist gerade ein Vorteil der Kombinationspräparate, dass die Einzelsubstanzen deutlich niedriger dosiert werden können und so die dosis-abhängigen Risiken der Einzelsubstanzen niedriger anzusehen sind. Koffein selber ist eine in der Gesellschaft ubiquitär eingesetzte Substanz. Schon eine Tasse Kaffee enthält höhere Koffeinmengen als eine Tablette eines Kombinationspräparats. Darüber hinaus hat Koffein eine eigene schmerzlindernde Wirkung und möglicherweise sogar schützende Wirkungen vor der Entwicklung von Diabetes mellitus und Parkinson.
 

Quelle: Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft


Anzeige:
Basistext

Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Tipps vom Augenarzt für die kalte Jahreszeit

Tipps vom Augenarzt für die kalte Jahreszeit
© K.- P. Adler / Fotolia.com

Draußen wird es ungemütlich kalt, da bleibt man lieber in wohlig geheizten Räumen. Das ist verständlich, es kann aber dazu beitragen, dass man öfter das unangenehme Gefühl müder, trockener Augen hat. Prof. Dr. Gerd Geerling, Leiter des Ressorts „Trockenes Auge und Oberflächenerkrankungen“ im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands gibt einige Ratschläge, wie man gerade während der Heizperiode diese Beschwerden vermeiden kann.

Weltnierentag 2017: Übergewicht geht an die Nieren!

Weltnierentag 2017: Übergewicht geht an die Nieren!
© pixologic / Fotolia.com

Am 09. März ist Weltnierentag: Ziel des weltweiten Aktionstags ist es, die Prävention von Nierenerkrankungen in den Vordergrund zu stellen. Derzeit sind über 100.000 Menschen in Deutschland auf ein Nierenersatzverfahren - Dialyse oder Transplantation – angewiesen. Ein Nierenversagen kann grundsätzlich jeden treffen, besonders gefährdet sind allerdings Menschen mit Übergewicht. Die Zahl der durch Übergewicht verursachten Nierengewebsschäden hat sich in den vergangenen 30 Jahren bereits verzehnfacht!

Forsa-Umfrage belegt: Mediennutzung nimmt durch Schulschließungen zu

Forsa-Umfrage belegt: Mediennutzung nimmt durch Schulschließungen zu
© vege / Fotolia.com

Morgens länger schlafen und nicht zur Schule gehen, Hausaufgaben im Kinderzimmer oder am Küchentisch erledigen, Mama und Papa im Homeoffice, kein Besuch von Oma und Opa: Das Corona-Virus wirbelt in diesen Wochen den Familienalltag gehörig durcheinander. Hinzu kommt, dass Medien auf Kinder derzeit noch mehr als sonst magische Anziehungskräfte ausüben. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse berichten nahezu alle Eltern (95 %), dass ihr Kind zwischen 6 und 18 Jahren PC, Smartphone und Co. während der...

Schuppenflechte in Gelenken: Neue Therapien bei Psoriasis-Arthritis

Schuppenflechte in Gelenken: Neue Therapien bei Psoriasis-Arthritis
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Mit Rheuma werden gemeinhin Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat mit fließenden, reißenden und ziehenden Schmerzen bezeichnet, oft einhergehend mit einer Einschränkung der Funktionsfähigkeit. Etwa 200 bis 400 einzelne Erkrankungen werden mittlerweile unter Rheuma verzeichnet, die sich im Beschwerdebild, dem Verlauf und der Prognose sehr unterscheiden. Entgegen weit verbreiteter Meinung ist es keine Erkrankung nur älterer Menschen, betont Prof. Christoph Baerwald, 1. Sprecher des Rheumazentrums am Universitätsklinikum Leipzig anlässlich des...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Frei verkäufliche Analgetika: Unbedingt Dosierangaben der Hersteller beachten - keine regelmäßigen Einnahmen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Bayern beschließt Corona-Tests für jedermann – Hierfür sollen die Kapazitäten von 20.000 auf 30.000 Tests pro Tag erhöht werden (dpa, 30.06.2020).
  • Bayern beschließt Corona-Tests für jedermann – Hierfür sollen die Kapazitäten von 20.000 auf 30.000 Tests pro Tag erhöht werden (dpa, 30.06.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden