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Medizin

27. März 2019 Gefäßverschlüsse bei Diabetes: 80% der Fußamputationen sind vermeidbar

Jedes Jahr verlieren Diabetes-Patienten mehr als 40.000 Füße und Beine. Durch die konsequente Prävention von Fußgeschwüren und die rechtzeitige Therapie von Gefäßverschlüssen ließen sich bis zu 80% dieser Amputationen vermeiden, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG). Wohin sich betroffene Patienten wenden sollen, werden Experten auf einer Pressekonferenz zum 136. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) erläutern.
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Fachinformation
In Deutschland sind mehr als 6 Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt. „Eine gefürchtete Folgeerkrankung der Stoffwechselstörung sind Fußgeschwüre, aus denen sich häufig chronische Wunden entwickeln“, sagt Professor Dr. med. Matthias Anthuber, Präsident der DGCH. Jeder vierte Zuckerkranke entwickelt im Laufe seines Lebens ein solches diabetisches Fußsyndrom, dessen Behandlung die Hälfte aller Krankenhaustage bei Diabetes-Patienten beansprucht.

Diabetisches Fußsyndrom häufigste Amputationsursache 

Zugleich ist das diabetische Fußsyndrom die mit Abstand häufigste Amputationsursache. „Mit über 40.000 Amputationen pro Jahr liegt Deutschland hier seit vielen Jahren leider europaweit im oberen Bereich“, kritisiert Professor Dr. med. Dittmar Böckler, Präsident der DGG. „Doch mit den richtigen Maßnahmen könnte die Amputationsrate um bis zu 80% gesenkt werden“, betont der Ärztliche Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg.
 
Um Amputationen zu vermeiden, sei entscheidend, rechtzeitig die arterielle Durchblutung des betroffenen Beines zu verbessern. „Dafür stehen Bypassoperationen und katheterbasierte minimalinvasive Verfahren zur Verfügung, die beide in Hybrideingriffen überaus effektiv kombiniert werden können“, erläutert Böckler.

Interdisziplinärer Behandlungsplan 

Welches Verfahren am Ende in Frage kommt, muss individuell für jeden Patienten anhand dessen Risikoprofils von einem interdisziplinären Behandlungsteam entschieden werden. In einem solchen Team sollten Gefäßchirurgen vertreten sein, aber auch Angiologen, Radiologen, Hausarzt oder Diabetologe, Orthopäden sowie nichtärztliche Assistenzberufe wie Podologen, Fachpflege für Wundbehandlung, orthopädische Schuhmachermeister bis hin zu Schmerztherapeuten und Psychologen.
 
„Wir empfehlen jedem Diabetes-Patienten mit Fußproblemen, frühzeitig ein solches Zentrum aufzusuchen“, rät Böckler. Gleiches gilt für Patienten, die an der sogenannten Schaufenster-Krankheit leiden, einer schweren Durchblutungsstörung in den Beinen – davon ist jeder fünfte über 65-Jährige betroffen. „Auch die periphere arterielle Verschlusskrankheit, die auf der Arteriosklerose basiert, ist mit einem erhöhten Amputationsrisiko verbunden“, erläutert Böckler.

Amputation senkt Lebenserwartung

Jeder Verlust einer Extremität hat negative Auswirkungen nicht nur auf die Lebensqualität, sondern auch auf die Lebenserwartung. So überlebt nach einer sogenannten Major-Amputation, das heißt einer Entfernung des ganzen Ober- und Unterschenkels, nur ein Viertel der Diabetespatienten 5 Jahre; bei der Minor-Amputation unterhalb des Knöchels sind es 80%. „Die Vermeidung von Amputationen ist daher oberstes Gebot in der Therapie“, so Böckler. „Unverzichtbarer Ansprechpartner sind dabei die Gefäßchirurgen, die heutzutage vielerorts alle Behandlungsoptionen anbieten können.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)


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