Montag, 10. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

30. Juli 2020 Geriatrische Schmerztherapie: Opioide bei chronischen tumor- und nicht-tumorbedingten Schmerzen

„Eine Opioid-Therapie im Alter ist nicht nur möglich, sondern sehr oft nötig“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), Dr. Johannes Horlemann. Die schmerzmedizinische Versorgung älterer Menschen war in diesem Jahr Schwerpunkt des Deutschen Schmerz- und Palliativtages, der erstmals komplett online stattgefunden hat. Die DGS macht sich seit langem für einen adäquaten Umgang mit Opioiden bei chronisch Schmerzkranken stark, nicht nur, wenn Patienten unter Tumorschmerzen leiden, sondern auch bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen. Bei richtiger Anwendung im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie lassen sich mit Opioiden effektiver und zugleich schonender Therapieerfolge erzielen als mit anderen Analgetika.
Anzeige:
Basistext
Die Behandlung älterer Menschen mit chronischen Schmerzen bedarf spezifischer Kenntnisse. Das gilt besonders für die Anwendung von Opioiden. Diese sind nicht nur für Patienten mit Tumorschmerzen geeignet, sondern auch bei chronischen Schmerzen aufgrund degenerativer Erkrankungen, die im Alter häufig vorkommen. „Wir möchten unsere Kollegen ermutigen, diese Substanzgruppe auch in dieser Indikation einzusetzen“, sagt Dr. Johannes Horlemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) und Kongresspräsident des Deutschen Schmerz- und Palliativtages 2020. „Und zwar nicht nur kurzfristig, sondern gerade in der Langzeittherapie.“

Grundregeln im Umgang mit Opioiden beachten

Begründen lässt sich dies mit der guten Organverträglichkeit von Opioiden im Vergleich zu nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). „Lieber ein starkes Opioid in niedriger Dosis, das keine Organtoxizität aufweist, als ein schwaches Analgetikum, das man hoch dosieren und damit vermehrt Nebenwirkungen in Kauf nehmen muss“, erklärt Dr. Horlemann.
Wichtig ist es, beim Umgang mit Opioiden auf einige Grundregeln zu achten, die Teilnehmern des virtuellen Deutschen Schmerz- und Palliativtages 2020 in Symposien und Workshops vermittelt wurden. Dazu gehören unter anderem die vorsichtige Eindosierung des Analgetikums („Start low, go slow!“), die Wahl einer individuell geeigneten Galenik mit möglichst stabilen 24-Stunden-Wirkspiegeln und die Beachtung des Interaktionspotenzials mit weiteren Medikamenten. Im Curriculum „Schmerz und Alter“ beim Schmerztag wurden dazu Detailkenntnisse vermittelt, unter anderem auch zum Einsatz von alternativen Schmerztherapien wie Physiotherapie und TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation).

Geringe Datentenbasis

Das Umsetzen einer Opioid-Therapie im Alter bedarf Entscheidungen, für die nur wenige wissenschaftliche Daten vorliegen. Denn es werden kaum Studien bei älteren Menschen durchgeführt. Umso wichtiger ist die Weitergabe von praktischem Wissen durch erfahrene Schmerztherapeuten. Die DGS hat in einem Thesenpapier zehn Punkte zusammengestellt, die für eine verbesserte Versorgung älterer Schmerzpatienten maßgeblich sind.

Besonderheiten der Opioid-induzierten Obstipation

Hierbei geht es vor allem um das Therapieziel einer verbesserten Lebensqualität. Dazu gehört auch der richtige Umgang mit Opioid-induzierter Obstipation (OIC). Horlemann: „Es ist ein großer Unterschied, ob bei einem Patienten eine habituelle Obstipation besteht oder ob es sich um eine Opioid-induzierte Obstipation handelt.“ In der Praxis werde der Unterschied oft nicht beachtet. Doch resultieren daraus erhebliche Konsequenzen für die Behandlung. Denn klassische Laxantien wirken aufgrund ihres Wirkmechanismus bei OIC, wenn überhaupt, nur unzureichend. Angezeigt sind vielmehr Substanzen aus der Substanzgruppe der PAMORA (peripher wirkende µ-Opioidrezeptor-Antagonisten). Diese bieten einen kausalen Wirkansatz, ohne die analgetische Wirkung des Opioids zu beeinträchtigen. Die DGS hat zum Thema OIC eine eigene PraxisLeitlinie veröffentlicht.

Quelle: DGS


Anzeige:
Fachinformation

Das könnte Sie auch interessieren

Riech- und Schmeckstörungen: Bedeutung der chemischen Sinne wird oft unterschätzt

Riech- und Schmeckstörungen: Bedeutung der chemischen Sinne wird oft unterschätzt
© beats_ - stock.adobe.com

Der Geruchssinn spielt in unserem Leben eine wichtige Rolle: Er lässt Essen und Trinken zum Genuss werden, warnt vor Schadstoffen oder verdorbenen Speisen und beeinflusst sogar die Partnerwahl. Dennoch wird die Leistung der chemischen Sinne, zu denen neben dem Riech- auch der Schmecksinn zählt, oft erst dann bewusst wahrgenommen, wenn sie beeinträchtigt sind oder ganz ausfallen. Das ist jedes Jahr bei rund 50.000 Menschen in Deutschland der Fall. Welche Ursachen eine Riech- oder Schmeckstörung haben kann, welche Therapien es gibt und wie der Alltag trotz der...

Aufruf der Orthopäden und Unfallchirurgen zur Entlastung der Kliniken angesichts der aktuellen Corona-Krise

Aufruf der Orthopäden und Unfallchirurgen zur Entlastung der Kliniken angesichts der aktuellen Corona-Krise
© Prostock-studio - stock.adobe.com

Bitte gehen Sie in der aktuellen Situation mit nicht lebensbedrohlichen orthopädisch-unfallchirurgischen Verletzungen und akuten Schmerzen während der regulären Öffnungszeiten nicht zuerst in die Notfallambulanz einer Klinik, sondern in eine ambulante Facharztpraxis für Orthopädie und Unfallchirurgie in Ihrer Nähe. Auch eine ambulante fachärztliche Versorgung am Wochenende ist, sofern in einem Bundesland nicht bereits flächendeckend Portalpraxen oder Notfallstrukturen außerhalb von Kliniken arbeiten, möglich.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Geriatrische Schmerztherapie: Opioide bei chronischen tumor- und nicht-tumorbedingten Schmerzen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden