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Medizin

03. März 2016 Gicht: Mit Febuxostat Organschäden vorbeugen und Mortalität senken

Gicht ist eine komplexe entzündliche Systemerkrankung, die Hochdruck, Diabetes, Atherosklerose und Niereninsuffizienz induziert. Entscheidend für die Prognose ist die dauerhafte Senkung der Harnsäure unter einen Zielwert von 6 mg/dl. Die auch symptomatische Hyperurikämie genannte Gicht nimmt mit dem Alter zu. Sie verläuft bei betagteren Patienten oft polyartikulär und befällt z.B. die Fingergelenke.

Typisch sind chronische Beschwerden, oft bilden sich frühzeitig Gichtknoten (Tophi) aus, während Gichtanfälle (Podagra) noch ausbleiben, berichtete Prof. Dr. Monika Reuss-Borst, Bad Kissingen. Auslöser akuter Symptome ist vielfach eine Dehydratation oder die Neuverordnung von Diuretika bzw. Low-dose-ASS.

Die symptomatische Hyperurikämie beschränkt ihre chronisch-entzündliche Aktivität keineswegs auf die Gelenke: Studien zufolge besteht auch eine ausgeprägte Assoziation mit dem kardiovaskulären Risiko: Betroffene Patienten zeigen eine um rund 25 % erhöhte Gesamtmortalität und kardiovaskuläre Sterblichkeit. Die Neuerkrankungsrate für einen Typ-2-Diabetes steigen um 19%, für Nierenerkrankungen sogar um mehr als 40%, berichtete Dr. Dieter Burchert, Mainz.

Schon bei beschwerdefreien Patienten mit erhöhten Harnsäure-Werten muss man mit einer gesteigerten Mortaliätsrate rechnen. Es gibt also im strengen Sinn keine "asymptomatische" Hyperurikämie, erklärte der Diabetologe. Umso wichtiger ist es, Patienten mit erhöhten Harnsäurewerten auch nach versteckten Symptomen zu fragen, beispielsweise manifestiert sich die Gicht häufig in arthrotisch veränderten Gelenken.     
  
Die Therapie erfolgt nach dem Prinzip Treat to Target, d.h. die Harnsäure wird unter 6 mg/dl gesenkt, in schweren Fällen strebt Dr. Reuss-Borst einen Zielwert unter 5 mg/dl an. Als Mittel der ersten Wahl empfehlen die ACR*-Leitlinien Xanthinoxidase-Inhibitoren wie Febuxostat. In Phase-3-Studien zeigte dieser selektive Nicht-Purin-Xanthinoxidase-Hemmer eine stärkere harnsäuresenkende Wirkung als Allopurinol. Febuxostat (Adenuric®) bietet neben geringeren Medikamenten-Interaktionen auch den Vorteil, dass die Dosis weder bei Älteren noch bei leichter bis moderater Niereninsuffizienz (GFR ≥ 30ml/min) angepasst werden muss. Der Xanthinoxidase-Inhibitor hat zudem pleiotrope Effekte: So verringerte es in neuen Studien die atherogene Aktivität, wirkte antihypertensiv und renoprotektiv, wie Prof. Reuss-Borst erläuterte. Seit 2015 ist Febuxostat auch zur Prophylaxe und Therapie des Tumorlyse-Syndroms zugelassen.

*American College of Rheumatology

dr


 

Quelle: Berlin-Chemie, "Harnsäure Update – Was APIs und Diabetologen für die Praxis wissen sollten", 19. Februar 2016


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