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Medizin

13. Februar 2017 Gicht: Neue S2-Leitlinie zur besseren Patientenversorgung

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat die neue S2-Leitlinie „Gichtarthritis“ veröffentlicht (1). Sie soll dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit Gicht zu verbessern, die derzeit häufig weder systematisch noch konsequent erfolgt, obwohl wirksame Therapieoptionen zur Verfügung stehen. Die Leitlinie empfiehlt zur langfristigen Behandlung bei gesicherter Gicht-Diagnose eine harnsäuresenkende Therapie. Da diese jedoch zu Beginn Gichtanfälle auslösen kann, ist eine Anfallsprophylaxe in den ersten Therapiemonaten wichtig. Als Mittel der ersten Wahl zur Senkung der Harnsäure sind die Xanthinoxidasehemmer Allopurinol und Febuxostat (Adenuric®) indiziert, mit denen ein Harnsäurezielwert von < 6 mg/dl angestrebt werden sollte. Die in Studien gezeigte überlegene Wirksamkeit von Febuxostat hinsichtlich der Zielwerterreichung, das günstigere Arzneimittelinteraktionspotential im Vergleich zu Allopurinol sowie der Einsatz von Febuxostat ohne Dosisanpassung auch bei leichter bis moderater Niereninsuffizienz werden dabei von der Leitlinie positiv hervorgehoben (1).
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Fachinformation
Gicht ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen, deren Prävalenz zudem in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen ist (1). Unbehandelt kann sie in eine chronisch-tophöse Form übergehen, was oft mit erheblichen Einschränkungen der körperlichen Funktionsfähigkeit und der Lebensqualität verbunden ist. Zwar ist die systemische Erkrankung in der Regel gut therapiebar, doch werden viele Patienten nicht evidenzbasiert und damit oft inadäquat behandelt. Zudem begünstigt die mangelnde Therapieadhärenz vieler Patienten behandlungsrefraktäre Verläufe mit rezidivierenden Gichtanfällen, wodurch das Gesundheitssystem belastet wird (1).

Ziel der neuen S2-Leitlinie ist es, die Versorgung der Patienten durch evidenzbasierte Empfehlungen zu Diagnose und Therapie der Gicht zu verbessern. Danach sollte bei gesicherter Erkrankung mit einer raschen kausalen harnsäuresenkenden Therapie begonnen werden, um erneute akute Anfälle und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Die Therapie ist indiziert, wenn mindestens ein sicherer Gichtanfall oder bereits eine chronische Gichtarthritis vorliegt. Gleiches gilt beim Nachweis von Harnsäuretophi, der Anamnese von Nierensteinen oder eingeschränkter renaler Funktion (eGFR < 90 ml/min/1,73 m2). Dauerhaft angestrebt werden sollte hierbei ein Zielwert von < 6mg/dl (360 μmol/l), wobei in schweren Fällen mit häufigen Gichtanfällen und Tophi auch ein Zielwert von < 5mg/dl (300 μmol/l) vorteilhaft sein kann. Um die Medikation gegebenenfalls anpassen zu können, sollte das Erreichen des Zielwerts zunächst häufiger, und später mindestens vierteljährlich kontrolliert werden (1).

Leitlinie betont überlegene Wirksamkeit von Febuxostat

Als Mittel der ersten Wahl zur Harnsäuresenkung empfiehlt die S2-Leitlinie die beiden Xanthinoxidasehemmer Febuxostat (Adenuric®) und Allopurinol (1). In diesem Kontext weist sie darauf hin, dass Febuxostat in randomisierten, kontrollierten Studien im Vergleich zu Allopurinol bei einem signifikant größeren Anteil der Patienten zum Erreichen des Harnsäure-Zielwerts von < 6mg/dl führte oder ein Therapieansprechen bewirkte. Als Beleg für die überlegene Wirksamkeit hinsichtlich der Zielwerterreichung sowie der guten Verträglichkeit wird auf mehrere Metaanalysen verwiesen (1). Des Weiteren sind der Leitlinie zufolge unter Febuxostat weniger Arzneimittelinteraktionen als unter Allopurinol zu erwarten, was insbesondere bei älteren Patienten mit Komorbiditäten von Vorteil sein dürfte. Zudem ist es auch bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Nierenfunktionseinschränkung ohne Dosisanpassung einsetzbar. Febuxostat bewirkt zudem eine stärkere Reduktion von oxidativem Stress und Entzündungen als Allopurinol, wodurch sich potenziell Vorteile hinsichtlich der kardiovaskulären und der renalen Funktion ergeben könnten (2).

Der Leitlinie zufolge sollte die harnsäuresenkende Therapie bei Patienten ohne Tophi über mindestens fünf Jahre fortgesetzt werden. Bei Patienten mit Tophi sollte die Therapie nach dem Auflösen aller Tophi über mindestens fünf weitere Jahre fortgesetzt werden, um die Harnsäurespeicher möglichst vollständig zu entleeren (1).

Quelle: Berlin Chemie

Literatur:

(1) Kiltz U, Alten R, Fleck M et al.
Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).
Langfassung zur S2e-Leitlinie Gichtarthritis (fachärztlich). AWMF-Leitlinien-Registernummer 060/005,
Rheumatol 2016; 75 (Suppl2): S22-S60
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/060-005.html
(2) Tausche AK, Christoph M, Forkmann M et al.
As compared to allopurinol, urate-lowering therapy with febuxostat has superior effects on oxidative stress and pulse wave velocity in patients with severe chronic tophaceous gout.
Rheumatol Int. 2014 Jan;34(1):101-9. doi: 10.1007/s00296-013-2857-2.
http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00296-013-2857-2


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