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Medizin

03. Juni 2020 HIV: Empfehlungen während der SARS-CoV-2-Pandemie

Angesichts der aktuellen Herausforderungen hat die British HIV Association (BHIVA) präliminäre Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit einer Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV) während der SARS-CoV-2-Pandemie veröffentlicht. Als zu bevorzugende First-Line-Therapie wird darin das Single-Tablet-Regime Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid (BIC/FTC/TAF) empfohlen (1).
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Basistext
Bisherige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Risiko schwerer COVID-19-Erkrankungen mit dem Alter, dem männlichen Geschlecht und bei spezifischen chronischen medizinischen Problemen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Lungenkrankheiten, Adipositas sowie Diabetes zunimmt. Andererseits sind Menschen mit einer gut behandelten HIV-Infektion – also bei einer funktionierenden medikamentösen Therapie mit normaler CD4-Zellzahl und unterdrückter Viruslast – nach aktuellem Stand keinem erhöhten Risiko für eine COVID-19-Erkrankung ausgesetzt (2, 3).
Essentiell ist natürlich die regelmäßige Einnahme der HIV-Medikation.

Empfehlungen für die SARS-CoV-2-Pandemie

Von Relevanz ist, dass viele Menschen, die mit HIV leben, noch weitere Erkrankungen aufweisen, die ihr Risiko erhöhen. Ein Großteil der HIV-Infizierten in Europa ist älter als 50 Jahre; chronische Erkrankungen, beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge, betreffen HIV-Infizierte häufiger. Zudem ist davon auszugehen, dass eine Immunsuppression (CD4- Zellzahl <200/μl) sowie eine nicht oder unzureichend erfolgende HIV- Therapie ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für einen schwereren Krankheitsverlauf verbunden ist (3). Daher ist eine zuverlässig angewandte antiretrovirale Therapie (ART) während der SARS-CoV-2-Pandemie für die entsprechenden Patienten von höchster Bedeutung. Deshalb hat die BHIVA angesichts der aktuellen Herausforderungen vorläufige Empfehlungen ausgesprochen, die sich auf die Zeit während der SARS-CoV-2-Pandemie beziehen (1). Sie sind einzusehen unter https://www.bhiva.org/file/5eac2b1e84f0f/BHIVA-interim-ART-guidelines-COVID-19-01052020.pdf
Diese präliminären Leitlinien setzen bestehende nationale Leitlinien (4) nicht außer Kraft.

Zahl der Klnikbesuche reduzieren

Wichtige Kriterien für die konkrete Empfehlung eines Behandlungsregimes durch die BHIVA während der SARS-CoV-2-Pandemie sind dessen gute Verträglichkeit (nicht TDF-haltig) und hohe Wirksamkeit, eine hohe Resistenzbarriere, ein geringes Potenzial für Arzneimittelinteraktionen sowie ein geringes Toxizitätsrisiko. Ziel sei es, die Monitoring-Anforderungen nach Initiierung der ART und somit die Notwendigkeit von Praxis- und Klinikbesuchen so niedrig wie möglich zu halten. Als First-Line-ART für die Initialtherapie empfiehlt die BHIVA während der Corona-Pandemie daher das Single-Tablet-Regime Bictegravir/Emtricitabin/Tenofovir-alafenamid (BIC/FTC/TAF; BIKTARVY®) vor anderen Regimen, sofern keine Kontraindikationen wie beispielsweise Arzneimittelinteraktionen oder Schwangerschaft bei Diagnosestellung vorliegen (1).

Das Single-Tablet-Regime BIC/FTC/TAF

Die Fixkombination BIC/FTC/TAF zeichnete sich in mehreren Phase-III-Studien durch eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit aus (5-8). Aktuelle 144-Wochen-Daten belegen ein anhaltendes virologisches Ansprechen sowie eine hohe Resistenzbarriere für BIC/FTC/TAF (9). Dass BIC/FTC/TAF aufgrund des guten Sicherheitsprofils und der Verträglichkeit sowie des geringen Potenzials für Arzneimittelinteraktionen auch für ältere therapienaive HIV-Patienten eine vorteilhafte Option darstellt, belegen die kürzlich auf der CROI vorgestellten gepoolten 144-Wochen-Daten der Studien 1489 und 1490 (10). Darüber hinaus zeigt die multinationale Kohortenstudie BICSTaR, dass BIC/FTC/TAF auch im Praxisalltag bei einem breiten Patientenkollektiv wirksam und gut verträglich ist (11).
Das Integrase-Strangtransfer-Inhibitor-basierte Single-Tablet-Regime BIC/FTC/TAF steht seit Sommer 2018 zur Behandlung von Erwachsenen zur Verfügung, die mit dem humanen Immundefizienzvirus 1 (HIV-1) infiziert sind (12). Voraussetzung ist, dass bei dem HI-Virus weder aktuell noch in der Vergangenheit Resistenzen gegen die Klasse der Integrase-Inhibitoren, Emtricitabin oder Tenofovir nachzuweisen waren.

Quelle: Gilead

Literatur:

(1) BHIVA COVID-19 ART guidelines 1st May 2020. BHIVA guidance for the management of adults with HIV on antiretroviral treatment (ART) during the coronavirus pandemic. https://www.bhiva.org/file/5eac2b1e84f0f/BHIVA-interim-ART-guidelines-COVID-19-01052020.pdf (Letzter Zugriff:
26.05.2020).
(2) International AIDS Society (IAS); COVID-19 and HIV: What you need to know. https://www.iasociety.org/covid-19-hiv (Letzter Zugriff: 26.05.2020).
(3) DAIG, EACS, BHIVA, GESIDA & Polish Scientific AIDS Society: Statement on risk of COVID-19 for people living with HIV (PLWH).
https://daignet.de/site-content/news/stellungnahmen/gemeinsames-statement-von-bhiva-daig-eacs-gesida-polish-scientificaids-
society-zum-risiko-von-covid-19-fuer-plwh (Letzter Zugriff: 26.05.2020).
(4) Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-1-Infektion, AWMF-Registernummer 055-001; Version 8 auf der Basis der Konsensuskonferenz vom 10. April 2019.
(5) Gallant J et al. Lancet 2017, 390: 2063-2072.
(6) Daar E et al. Lancet HIV 2018, 5: e347-e356.
(7) Molina JM et al. Lancet 2018, 5: e357-e365.
(8) Sax PE et al. Lancet 2017, 390: 2073-2082.
(9) Orkin C et al. EACS 2019; Poster PE3/14.
(10) Mills A et al. CROI 2020; Poster 2886.
(11) Esser S et al. EACS 2019; Poster PE2/16.
(12) Fachinformation BIKTARVY®, Stand: Februar 2020.


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