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Medizin

09. April 2018 3 von 4 HIV-Patienten leiden unter seelischen Störungen

HIV/AIDS als schwere Infektionserkrankung, die heute gut mit einer antiretroviralen Therapie (ART) oder HAART im Griff zu halten ist, bringt nicht nur alle Auswirkungen der Erkrankung und Nebenwirkungen der Therapie mit sich, sondern in hohem Maße auch psychische Störungen. Unter ihnen leiden fast alle Betroffenen. Hierdurch entstehen je nach Umfeld der Patienten sehr unterschiedliche Fragen, auf die mancher Arzt, sofern er überhaupt Antworten dafür parat hat, aus zeitlichen Gründen nicht ausreichend einzugehen vermag. Auf Fragen der psychischen Störungen bei HIV, unter denen 3 von 4 Betroffenen leiden, wurde am Rande des Janssen-Symposiums zum Thema „ART-Guidelines in der Praxis – Fallvorstellungen“ aus Anlass der 17. Münchner Aids- und Hepatitis-Tage in Berlin verwiesen.
Mehr als 86% der HIV-Infizierten werden in Deutschland mit antiretroviraler Therapie behandelt, erklärte Prof. Dr. Matthias Stoll (Hannover). Für die Ärzte stehen hier Fragen der Resistenzbildung, der Präparate-Umstellung (Switch) und der Komorbiditäten bei HIV im Vordergrund der Entscheidungen. Patienten aber stellen zunehmend Fragen, ob die Langzeittherapie sinnvoll und nicht zu belastend sei oder ob man bei einer nur noch sehr geringen Viruslast besser die Behandlung abbrechen sollte, welche Backbone-Therapie und Umstellungstherapie angemessen sei oder wie man sozialen Ausgrenzungen in Beruf und Freizeit begegnen kann. Diese Fragen übersteigen häufig die ärztliche Kompetenz. Sie gehören in das Arbeitsfeld von Sozialarbeitern, Psychologen, Psychiatern oder Juristen. Daher hat sich Janssen-Cilag in einer Patientenbroschüre zu HIV um komprimierte Information unter dem Titel „Patienten Pathway“ gewidmet. Diese Flyer-ähnliche Broschüre in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung Nürnberg wurde in Zusammenarbeit mit HIV-Patienten, HIV-Behandlern und 3 Selbsthilfegruppen erstellt. Zeichnungen, Grafiken und Comics machen das Lesen kurzweilig und hoch informativ. Die Texte sind kurz, klar gegliedert und zugleich einfühlsam. Die Klage vieler Patienten, sie fühlten sich in einer ausweglosen Situation mit ihrer Krankheit orientierungslos und alleingelassen, wird von den Autoren ernst genommen, ohne zu dramatisieren. Sie greift Stationen des Patientenlebens auf von PrEP über Diagnostik, Verlaufskontrolle, HIV in Schwangerschaft, Alter, Gefängnisaufenthalt, Zusammenleben mit Heterosexuellen etc. Via Internet vermittelt man unter https://www.my-micromacro.net HIV-Beratungsstellen, spezialisierte Ärzte und gibt Gelegenheit zu anonymisierten Fragen.

Dr. Barbara Nickolaus

Quelle: Symposium Janssen-Cilag „ART-Guidelines in der Praxis – Fallvorstellungen“, im Rahmen der 17. Münchner Aids- und Hepatitis-Tage 2018, 23. 3. 18, Berlin


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