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Medizin

13. Februar 2017 HIV: Raltegravir zeigt hohe Ansprechrate im Praxisalltag

Der Integraseinhibitor Raltegravir (Isentress®) ist eine etablierte, gut wirksame und im Allgemeinen gut verträgliche Therapieoption für therapienaive und vorbehandelte HIV-Patienten. Das bestätigte nun auch die deutsche prospektive HIV-Kohorte WIP (Wirksamkeit von Isentress® unter Praxisbedingungen), in der 451 HIV-Patienten in 52 Zentren mit einer Raltegravir-basierten Therapie unter Praxisbedingungen behandelt wurden (1). Drei Viertel der Patienten hatten nach 48 Wochen eine Viruslast unter der Nachweisgrenze von 50 HIV-RNA-Kopien/ml Blut (primärer Endpunkt). Die Wirksamkeit war unabhängig vom Alter (< 50 Jahre bzw. ≥ 50 Jahre) und unabhängig von den bei höherem Alter häufigeren Begleiterkrankungen und Begleitmedikamenten.
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Basistext
In der HIV-Kohorte WIP wurde erstmals prospektiv die Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Raltegravir-basierten Therapieregimes im deutschen Praxisalltag mit besonderer Berücksichtigung der über 50jährigen HIV-Patienten untersucht (1). Denn auch in Deutschland nimmt der Anteil der älteren HIV-Patienten kontinuierlich zu: Seit Mitte der 1990er Jahre steigt hierzulande stetig der Anteil der HIV-Infizierten, die älter als 40 Jahre sind, im Jahr 2015 waren bereits ca. ein Drittel über 50 Jahre alt (2).

Insgesamt 451 Patienten sollten in der Studie mit 2x täglich 400 mg Isentress® in Kombination mit weiteren antiretroviralen Medikamenten behandelt werden. Der Grund für den Beginn einer Raltegravir-Therapie war hauptsächlich Unverträglichkeit der vorherigen HIV-Therapie (n=180, 40%), gefolgt von initialer HIV-Therapie (n=96, 21%) und virologisches Versagen der vorherigen Therapie (n=81, 18%). Zu Studienbeginn hatten die über 50jährigen mehr Begleiterkrankungen und nahmen häufiger Begleitmedikamente ein (n= 258, 94,2%) als die jüngeren Patienten (n= 134, 75,7%). Die häufigsten Begleiterkrankungen waren Depression, andere psychiatrischen Erkrankungen, Hypertension und Polyneuropathie.

Daten mit Zulassungsstudien vergleichbar

Nach 48 Wochen nahmen noch 384 Patienten (85,1%) die Raltegravir-basierte Therapie ein und insgesamt 74,7% der Patienten hatten eine Viruslast unter 50 HIV-RNA-Kopien/ml. Die vom Alter unabhängige Ansprechrate betrug 75,0% bei den therapienaiven Patienten, 81,5% bei den Patienten mit supprimierter Viruslast vor Umstellung auf Raltegravir, 47,1% bei Patienten, die mindestens drei Monate ihre vorherige Therapie unterbrochen hatten und 64,9% bei Patienten, bei denen vor Studienbeginn Viruslast (virologisches Versagen der Vortherapie) nachgewiesen werden konnte. Damit bestätigte die deutsche WIP-Kohorte im Praxisalltag die hohen Ansprechraten aus den Zulassungsstudien: Nach 48 Wochen hatten 86% der therapienaiven Patienten eine nicht nachweisbare Viruslast (STARTMRK) und 62,1% der vorbehandelten Patienten (BENCHMRK) (3-4).

In der WIP-Studie brachen insgesamt 14,9% der Patienten die Raltegravir-Therapie vor Woche 48 ab. Die Gründe für den Therapieabbruch standen meistens nicht im Zusammenhang mit Raltegravir (7,5%), für 5,8% der Patienten war es ein ungenügendes Ansprechen und bei 4,9% ein unerwünschtes Ereignis.

Raltegravir zeigt im deutschen Praxisalltag bei älteren und jüngeren Patienten eine annähernd vergleichbare Wirksamkeit und Verträglichkeit wie in den Zulassungsstudien. Zusätzlich hat dieser Integraseinhibitor ein geringes Potenzial für Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, da die Substanz hauptsächlich über den Stoffwechselweg der UGT1A1-vermittelten Glukuronidierung eliminiert wird (5). Raltegravir bietet sich deshalb als eine Therapieoption bei HIV-Patienten unabhängig von ihrem Alter oder der Begleitmedikation an.

Quelle: MSD

Literatur:

(1) Naumann U et al. Int J STD & AIDS 2016; DOI: 10.1177/0956462416679550
(2) Robert Koch-Institut; Epidemiologisches Bulletin 45/2016; verfügbar unter www.rki.de
(3) Lennox JL et al. Lancet 2009;374:796-806
(4) Steigbigel RT et al. N Engl J Med 2008;359;4
(5) Fachinformation Isentress®; November 214


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