Samstag, 15. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

05. September 2019 HIV: Umstellung auf Doravirin/3TC/TDF bei supprimierten HIV-1-Patienten vergleichbar mit Fortführung der bisherigen HIV-Therapie

Doravirin ist ein NNRTI, der seit Mitte Januar 2019 in Kombination mit den beiden NRTIs 3TC und TDF als Fixdosiskombination – Delstrigo® – und als Einzeltablette – Pifeltro® – verfügbar ist. Delstrigo® enthält 100 mg Doravirin DOR, 300 mg 3TC und 300 mg TDF. Beide Formulierungen sind zugelassen für die Behandlung HIV-1-infizierter Erwachsener, deren HI-Viren keine Mutationen aufweisen, die bekanntermaßen mit einer Resistenz gegen die Substanzklasse der NNRTI assoziiert sind (1, 2).
Anzeige:
Fachinformation
Nicht-Unterlegenheit bei Umstellung

An der randomisierten, offenen, aktiv kontrollierten Nicht-Unterlegenheitsstudie Studie DRIVE-SHIFT nahmen 670 HIV-1-infizierte Erwachsene teil ohne virologisches Versagen, die seit mindestens 6 Monaten unter einer stabilen HIV-Therapie eine virologische Supression aufwiesen (3). Die vorherige Therapie wurde randomisiert im Verhältnis 2:1 entweder sofort auf DOR/3TC/TDF umgestellt (immediate switch group, ISG, n=477) oder für 24 Wochen fortgeführt und danach auf DOR/3TC/TDF umgestellt (delayed switch group, DSG, n=223). Die vorherige Therapie bestand aus 2 NRTIs plus jeweils einem geboosterten Proteaseinhibitor (PI), dem geboosterten Integraseinhibitor (INI) Elvitegravir oder einem anderen NNRTI.
Nach 24 Wochen war der Anteil der Patienten mit einer Viruslast von < 50 Kopien/ml in beiden Gruppen vergleichbar (ISG 93,7% und DSG 94,6%). Der primäre Endpunkt* wurde erreicht. Dies zeigt, dass die Umstellung der Basistherapie auf DOR/3TC/TDF der Fortsetzung der Basistherapie zu Woche 24 nicht unterlegen war. Nach 48 Wochen hatten 90,8% der Patienten unter DOR/3TC/TDF eine Viruslast < 50 Kopien/ml im Vergleich zur Basistherapie zu Woche 24 (Differenz -3,8%, 95% KI -7,9, 0,3; FDA Snapshot Analyse). Von den 209 Patienten mit verzögerter Umstellung auf DOR/3TC/TDF lag die Viruslast nach 48 Wochen bei 94,7% unter der Nachweisgrenze von HIV-RNA < 50 Kopien/ml.
Die antivirale Wirksamkeit von DOR/3TC/TDF war nach 24 Wochen in allen untersuchten Subgruppen definiert nach demographischen oder klinischen Baselinecharakteristika vergleichbar mit der fortgeführten Therapie und unabhängig z. B. von Alter, Geschlecht, CD4-Zellzahl und Hepatitis-Koinfektionen. Die virologischen Ansprechraten bei den Patienten, die unmittelbar auf DOR/3TC/TDG umgestellt wurden, waren unabhängig vom vorherigen Therapieregime hoch: 93,0% bei vorheriger Therapie mit einem geboosterten PI, 100% geboosterten Elvitegravir und 94,3% mit einem NNRTI. In beiden Gruppen konnte zu Woche 24 bei 1,8% der Patienten eine Viruslast von HIV-1 RNA ≥50 Kopien/ml nachgewiesen werden, zu Woche 48 lag der Anteil in der direkt umgestellten Gruppe bei 1,6%.

Gute Verträglichkeit

Bei ISG-Patienten, die vor Studienbeginn eine mit Ritonavir geboosterte PI-basierte Therapie erhielten, war die durchschnittliche Veränderung des Nüchtern-LDL-Cholesterins und des Nicht-HDL-Cholesterins zu Woche 24 in den Behandlungsgruppen, bezogen auf die Baselinewerte, signifikant unterschiedlich (jeweils p < 0,0001). Ein deutlicher Abfall beim Nüchtern-Gesamtcholesterin und den Nüchtern-Triglyzeriden zeigte sich auch bei den direkt auf DOR/3TC/TDF umgestellten Patienten.

Unerwünschte Ereignisse

Die häufigsten (> 5% Inzidenz in jeder Gruppe) unerwünschten Ereignisse (UE) in der ISG bis Woche 24 und von Woche 24-48, der DSG bis Woche 24 und der DSG nach der Umstellung Woche 24-48 waren Nasopharyngitis (7,4%; 4,4%; 5,4%; 4,3%) und Kopfschmerzen (6,5%; 2,8%; 2,2%; 6,7%). Das häufigste medikationsbedingte UE mit einer Inzidenz von > 2% war Kopfschmerzen (1,6%; 0,0%; 0,4%; 2,4%). Bis Woche 24 brachen insgesamt 2,5% der Patienten mit sofortiger Umstellung die Studie aufgrund eines unerwünschten Ereignisses im Vergleich zu den 0,4% Patienten mit verzögerter Umstellung vorzeitig ab.

*** Primärer Endpunkt: Anteil der Patienten mit HIV-1 RNA < 50 Kopien/ml (FDA Snapshot-Approach) in der DOR/3TC/TDF zu Woche 48 ISG im Vergleich zu Woche 24 der Basistherapie DSG

Quelle: MSD

Literatur:

(1) Fachinformation Pifeltro®, Stand Mai 2019.
(2) Fachinformation Delstrigo®, Stand Mai 2019.
(3) Johnson M et al. Switching to Doravirine/Lamivudine/Tenofovir Disoproxil Fumarate (DOR/3TC/TDF) maintains HIV-1 virologic suppression through 48 weeks: results of the DRIVE-SHIFT trial. JAIDS Journal of Acquired Immune Deficiency Syndromes 2019; 81 (4): 463.472.


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt

6 von 10 Menschen in Deutschland nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt
© den-belitsky - stock.adobe.com

Sind Patienten müde, kraftlos und infektanfällig, kann gerade in der sonnenarmen Winterzeit ein Vitamin D-Defizit der Grund sein. Wie akut diese Gefahr ist, deutet eine vom Robert Koch-Institut durchgeführte Studie an. Hier wurde die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25(OH)D) bei 6.995 Teilnehmern im Blutserum gemessen: Insgesamt wiesen 30,2 % der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren 25(OH)D-Serumkonzentrationen < 30 nmol/l und damit eine mangelhafte Versorgung auf. Eine ausreichende Versorgung mit 25(OH)D-Serumkonzentrationen von ≥ 50 nmol/l erreichten...

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden
© lev dolgachov / Fotolia.com

Die Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen in Deutschland einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. Auch Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. Folgeerkrankungen sind mit erheblichen...

Balance halten – Rücken stärken!

Balance halten – Rücken stärken!
© Aktion Gesunder Rücken e. V.

Am 15. März 2017 findet der 16. Tag der Rückengesundheit statt. Unter dem Motto „Balance halten – Rücken stärken!“ werden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen, Aktionen und Workshops angeboten. Organisiert wird der Aktionstag traditionell von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und dem Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. Eine ausgewogene Balance – sowohl körperlich als auch psychisch - ist von zentraler Bedeutung für die Rückengesundheit. Damit stellt der diesjährige Aktionstag ein wichtiges Thema...

Rückenfit an der frischen Luft

Rückenfit an der frischen Luft
© AGR/BdR

Zum 17. Mal findet am 15. März 2018 der Tag der Rückengesundheit statt. Das diesjährige Motto „Rückenfit an der frischen Luft“ möchte dazu motivieren, sich mehr in der Natur zu bewegen und sportliche Aktivitäten im Freien zu genießen. Frische Luft belebt Körper und Geist und Tageslicht sorgt zusätzlich für gute Laune. Initiiert und organisiert wird der Aktionstag von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. und dem Bundesverband deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. Rund um den 15. März finden bundesweit zahlreiche...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"HIV: Umstellung auf Doravirin/3TC/TDF bei supprimierten HIV-1-Patienten vergleichbar mit Fortführung der bisherigen HIV-Therapie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).