Donnerstag, 27. Februar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

12. Februar 2020 HPV: Starker Anstieg der geimpften Jungen nach STIKO-Empfehlung

Erste Ergebnisse einer Datenbank-Analyse zeigten, dass die Anzahl der Jungen, die die erste HPV-Impfdosis erhalten haben, seit der Empfehlung durch die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut deutlich angestiegen ist: Mit etwas mehr als 51.000 ersten Impfdosen bis April 2019 lag die Anzahl auf vergleichbarem Niveau wie bei Mädchen (1). Seit Juni 2018 empfiehlt die STIKO die HPV-Impfung für Jungen analog zu Mädchen im Alter von 9-14 Jahren (Nachholimpfung bis zum Alter von 17 Jahren) (2, 3). Die Empfehlung zur HPV-Impfung für Mädchen besteht bereits seit 2007 (4).
Anzeige:
Ziel der retrospektiven Analyse war es, die Anzahl der bei Jungen verabreichten ersten HPV-Impfdosen im Zeitraum von Januar 2018 bis April 2019 in Deutschland zu erfassen. Ebenfalls analysiert wurde die Anzahl der ersten HPV-Impfdosen für Mädchen im gleichen Zeitraum. Die Ergebnisse zeigten, dass in den Monaten vor Erweiterung der STIKO-Empfehlung nur sehr wenige Jungen die Möglichkeit zur HPV-Impfung wahrnahmen: Im Zeitraum von Januar bis Mai 2018 erhielten pro Monat 98 bis 950 Jungen die erste HPV-Impfdosis. Zum Zeitpunkt der STIKO-Empfehlung im Juni 2018 betrug die Anzahl der ersten Impfdosen für Jungen 832. In der Folge war bis Dezember 2018 ein deutlicher Anstieg auf 9.670 Dosen zu verzeichnen (1).

Starker Anstieg nach Kostenübernahme

Mit der Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkassen ab Januar 2019 stieg die Inanspruchnahme der HPV-Impfung durch Jungen sprunghaft um etwa 200% auf 28.691 Impfdosen im selben Monat. Bis April 2019 steigerte sich die Anzahl stetig weiter bis auf 51.934. Zum Vergleich: Die Inanspruchnahme der ersten HPV-Impfdosis bei Mädchen schwankte im selben Zeitraum zwischen 27.287 und 50.788. Die meisten Jungen waren zum Zeitpunkt der Impfung zwischen 13 und 14 Jahre alt und wurden von ihrem Pädiater bzw. ihrer Pädiaterin geimpft. Da keine Angaben zur Populationsgröße vorlagen, sind für eine Aussage zur HPV-Impfquote bei Jungen in Deutschland weitere Analysen notwendig (1).

Über die Analyse

Grundlage der Analyse waren Daten der IMS® Vaccine Analyser Database. In dieser werden anonymisierte digitale Impfdatensätze von rund 350 niedergelassenen Ärzten (Pädiater, APIs und Gynäkologen) gesammelt. Mit Hilfe der Datenbank IMS Pharmascope Vaccines, die alle in Deutschland vertriebenen Impfungen erfasst, wurde die Anzahl der ersten Impfdosen auf die nationale Ebene projiziert. Die Daten wurden stratifiziert nach dem Fachgebiet des Arztes (Pädiater, API und Gynäkologe) und dem Alter der Patienten (1).

Quelle: MSD

Literatur:

(1) Reuschenbach M et al. HPV VACCINATION UPTAKE IN BOYS AFTER INTRODUCTION OF GENDER-NEUTRAL HPV VACCINATION IN GERMANY – A RETROSPECTIVE DATABASE ANALYSIS (IMS VACCINE ANALYZER). EUROGIN, Dec 4-7, 2019, Monte Carlo, Monaco.
(2) Robert Koch-Institut. Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der HPV-Impfung für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Epid Bull 2018; 26: 233-54.
(3) Ständige Impfkommission. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut – 2019/2020. Epid Bull 2019; 34: 313-64.
(4) Robert Koch-Institut. Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen von 12 bis 17 Jahren – Empfehlung und Begründung. Epid Bull 2007; 12: 98-106.


Das könnte Sie auch interessieren

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf
© nmann77 / fotolia.com

In einer gemeinsamen Kampagne fordern derzeit Arzneimittelbehörden weltweit Patientinnen und Patienten dazu auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Appell, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen bei Kindern zu melden. Weitere Zielgruppen sind Schwangere sowie stillende Frauen, die eine sichere Anwendung von Arzneimitteln sowie die Meldung möglicher Nebenwirkungen sensibilisiert werden sollen. In Deutschland werden diese Meldungen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte...

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Bettruhe, Bewegung oder Medikamente – welche Behandlung ist bei Beschwerden im Kreuz die richtige? Was Fachleute derzeit empfehlen, lesen Patientinnen und Patienten in der neuen ÄZQ-Patientenleitlinie "Kreuzschmerz". Jeder kennt Kreuzschmerzen. Oft sind sie harmlos und gehen von alleine weg. Die Schmerzen können aber auch länger andauern oder wiederkehren. Das kann belasten und im Alltag einschränken. Gegen die Schmerzen werden viele Behandlungen angeboten: einige helfen, andere nicht.

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet
@ deagreez / Fotolia.com

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"HPV: Starker Anstieg der geimpften Jungen nach STIKO-Empfehlung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.