Montag, 23. September 2019
Navigation öffnen

Medizin

25. Juli 2019 Hämophilie A und B: Umstellung auf Efmoroctocog / Eftrenonacog alfa senkt ABRs

Die Umstellung von einer Bedarfsbehandlung auf die Prophylaxe mit Elocta® (Efmoroctocog alfa, rFVIIIFc) oder Alprolix® (Eftrenonacog alfa, rFIXFc) kann das Behandlungsergebnis für Patienten mit Hämophilie A bzw. B anhaltend verbessern, einschließlich der Lebensqualität und der jährlichen Blutungsraten (ABRs) (1,2). Dies zeigen Studienergebnisse, die vor Kurzem auf dem 27. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Thrombose und Hämostase (ISTH) in Melbourne vorgestellt wurden. Auch bei einem Wechsel des Faktorpräparats innerhalb des prophylaktischen Behandlungsregimes berichteten Ärzte von positiven Effekten: Nach der Umstellung von einem herkömmlichen Faktorpräparat auf Elocta® oder Alprolix® wurden unter anderem eine gesteigerte Lebensqualität, Therapieadhärenz und Krankheitskontrolle sowie eine verringerte Krankheitslast beobachtet (3,4).
Anzeige:
Fachinformation
Verbesserte Gelenkgesundheit

In einer Subgruppenanalyse wurden Langzeitdaten von Patienten mit schwerer Hämophilie A bzw. B ausgewertet, die innerhalb der Zulassungs- und Folgestudien A-LONG und ASPIRE (Elocta®) bzw. B-LONG und B-YOND (Alprolix®) von einer On-Demand-Therapie auf eine Prophylaxe mit Elocta® oder Alprolix® umgestellt worden waren (1,2). Von den in der Analyse berücksichtigten Studienteilnehmern aus A-LONG/ASPIRE (n=70) setzten 96% (n=67) die Prophylaxe mit Elocta® für ≥ 6 Monate fort, bei einer medianen Behandlungsdauer von 4,8 Jahren. Von Beginn bis Ende des Follow-ups war die mediane wöchentliche Dosis stabil, während sich das mediane Injektionsintervall von 3,5 Tagen auf 5,0 Tage verlängerte. Die mediane Gesamt-ABR betrug unter Bedarfsbehandlung 30,0; unter Prophylaxe lag sie über die Zeit stabil bei 1,5. Darüber hinaus wirkte sich die Umstellung auf Elocta® positiv auf die Gelenkgesundheit aus: Bei 29% der Patienten ging die Anzahl schmerzender Gelenke zurück (1). Der Gelenkstatus, gemessen als mHJHS (modified Haemophilia Joint Health Score), verbesserte sich bis zum Zeitpunkt der letzten Erhebung um -4,0 Punkte (1).

Verbesserte Lebensqualität

Auch 96% (n=50) der Studienteilnehmer, die in B-LONG/B-YOND von einer Bedarfsbehandlung auf eine prophylaktische Therapie mit Alprolix® wechselten (n=52), setzten diese für ≥ 6 Monate fort. Die mediane Behandlungsdauer betrug bei ihnen 3,6 Jahre. Die mediane wöchentliche Dosis und das Dosisintervall waren von Beginn der Prophylaxe bis zum Ende des Follow-ups stabil. Die mediane Gesamt-ABR lag unter der Prophylaxe mit Alprolix® kontinuierlich bei 2,0 gegenüber 24,2 unter Bedarfsbehandlung (2). Ebenso reduzierte sich die mediane spontane Gelenk-ABR auf 0,4 (versus 10,5 unter On-Demand-Therapie). Sowohl bei den Patienten aus A-LONG und ASPIRE als auch B-LONG und B-YOND wurde eine Verbesserung der Lebensqualität beobachtet. Am stärksten ausgeprägt war diese in den Bereichen Sport, Freizeit und körperliche Gesundheit (1,2).

Reduktion der Injektionsfrequenz

Durch die Fc-Domäne erreichen die Fusionsproteine Elocta® und Alprolix® eine 1,5-fach bzw. 4,8-fach verlängerte Plasmahalbwertszeit (EHL) als herkömmlicher Faktor VIII bzw. IX (5,6). Welche Vorteile die Umstellung von der Prophylaxe mit einem herkömmlichen auf ein EHL-Faktorpräparat haben kann, wurde ebenfalls auf dem diesjährigen ISTH präsentiert: Ärzte aus 5 europäischen Ländern wurden mittels eines Online-Fragebogens zu Behandlungsmethoden, der Verordnung von Faktorpräparaten und der Umstellung auf EHL-Präparate in ihren Zentren befragt. Die teilnehmenden Ärzte aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien (n=37) gaben dabei Auskunft zu Patienten, die von einer Prophylaxe mit einem herkömmlichen FVIII- bzw. FIX-Präparat zu Elocta® (n=113) bzw. Alprolix® (n=36) wechselten (3,4). Die Auswertung zeigt, dass sich die wöchentliche Dosis, die Injektionsfrequenz und die geschätzte ABR nach der Therapieumstellung reduzierten (3,4). Darüber hinaus berichtete ein Großteil der befragten Ärzte bei Hämophilie A von einer verbesserten Lebensqualität, Adhärenz und Krankheitskontrolle sowie einer reduzierten Therapielast nach der Umstellung auf Elocta® (3). Bei ihren Patienten mit Hämophilie B beobachteten die meisten Ärzte nach dem Wechsel auf Alprolix® eine reduzierte Therapie- und Krankheitsbelastung, weniger Schmerzen sowie eine verbesserte Lebensqualität und Adhärenz (4).

Quelle: Sobi

Literatur:

(1) Álvarez Román MT, Shapiro AD, Barnowski C, et al. Long-term outcomes after switch from on-demand treatment to prophylaxis with rFVIIIFc: longitudinal subgroup analysis of the A-LONG and ASPIRE study population. ISTH 2019, Poster PB1410.
(2) Chambost H, Ragni MV, Barnowski C, et al. Long-term outcomes after switch from on-demand treatment to prophylaxis with rFIXFc: longitudinal subgroup analysis of the B-LONG and B-YOND study population. ISTH 2019, Poster PB0693.
(3) van der Sluijs M, Tawil S, Castelnuovo E. A survey of physicians’ treatment switching practice in long-term prophylaxis for people with haemophilia A in five European countries. ISTH 2019, Poster PB0692.
(4) Tawil S, van der Sluijs M, Castelnuovo E. A survey of physicians’ treatment switching practice in long-term prophylaxis for people with haemophilia B in five European countries. ISTH 2019, Poster PB0208.


Das könnte Sie auch interessieren

Verbraucherschutz: Blei und Cadmium in Modeschmuck, Pestizide in Kräutern

Verbraucherschutz: Blei und Cadmium in Modeschmuck, Pestizide in Kräutern
© Alexander Raths / Fotolia.com

Erneut gerieten preiswerte Modeschmuckartikel ins Visier der Überwachungsbehörden. Nachdem das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im vergangenen Jahr auf die erhöhten Nickelgehalte in den untersuchten Proben hingewiesen hatte, kritisierte das Bundesamt die Funde von Blei und Cadmium oberhalb der geltenden Grenzwerte. BVL-Präsident Helmut Tschiersky stellte dazu fest: „Die Hersteller und Importeure von Modeschmuck müssen eindeutig mehr tun, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.“ Nach mehreren Einzelfunden von preiswertem...

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind
© magicmine / Fotolia.com

„In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen“, sagt der CED-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, PD Dr. Bernd Bokemeyer. „Die Diagnose wird bei etwa einem Viertel der Patienten schon vor dem 18. Lebensjahr gestellt. Ein Viertel dieser erkrankten Jugendlichen hat seine Diagnose sogar schon vor dem zehnten Lebensjahr erhalten.“  

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden
© lev dolgachov / Fotolia.com

Die Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen in Deutschland einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. Auch Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. Folgeerkrankungen sind mit erheblichen...

Depression – verstecken ist kein Ausweg

Depression – verstecken ist kein Ausweg
© www.deinwegraus.de

Unter dem Titel „Depression – verstecken ist kein Ausweg“ macht das Freiburger Bündnis gegen Depression mit einer Kampagne auf sein Anliegen aufmerksam. Prof. Berger, Vorsitzender des Freiburger Bündnisses e.V. gegen Depression betont, dass depressive Störungen, obwohl sie zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland gehören, hinsichtlich ihrer Bedeutung noch immer stark unterschätzt werden. Dabei hat gerade erst eine weltweit durchgeführte Studie der WHO („Global burden of disease“) gezeigt: Depressionen sind eine der...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hämophilie A und B: Umstellung auf Efmoroctocog / Eftrenonacog alfa senkt ABRs"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.