Mittwoch, 22. Mai 2019
Navigation öffnen

Medizin

30. Januar 2019 Hämophilie A: Rekombinanter Faktor VIII mit verlängerter Halbwertszeit

Ein rekombinanter Faktor VIII mit verlängerter Halbwertszeit eröffnet neue Perspektiven für eine individualisierte Therapie der Hämophilie A. Er lässt mit 3 studiengeprüften Prophylaxeregimen eine hohe Dosierungsflexibilität mit gutem Schutz vor Blutungen zu (1). Er ist der erste rFVIII mit verlängerter Halbwertszeit, der eine einmal wöchentliche Dosierung zur Prophylaxetherapie ermöglicht.
Anzeige:
Fachinformation
Der rFVIII (Jivi®) ist ein neuer rekombinanter PEGylierter FVIII mit verlängerter Halbwertszeit, der zur Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei vorbehandelten Jugendlichen und Erwachsenen ab 12 Jahren mit Hämophilie A indiziert ist (2). Das Produkt bietet mit 3 studiengeprüften, zugelassenen Prophylaxeregimen eine hohe Dosierungsflexibilität und kann individuell abgestimmt auf die klinische Situation des jeweiligen Patienten und dem Ansprechen auf die Behandlung einmal wöchentlich, alle 5 Tage oder 2 Mal wöchentlich eingesetzt werden. „Die Dosierung und Frequenz sollten entsprechend dem Therapieziel und den klinischen Merkmalen der Patienten, wie Blutungsneigung, Gelenkzustand und Aktivitätsgrad, festgelegt werden“, sagt Professor Dr. Johannes Oldenburg, Bonn. Der in den Zulassungsstudien als BAY94-9027 bezeichnete EHL rFVIII konnte so modifiziert werden, dass das Molekül länger vor einem enzymatischen Abbau geschützt ist. Dies wird durch eine spezifische PEGylierung an der A3-Domäne erreicht. Die verbesserten pharmakokinetischen Eigenschaften dokumentiert die Phase I-Studie mit einer um 40% verlängerten Halbwertszeit im Vergleich zu Kogenate® Bayer sowie eine höhere Wirkstoffkonzentration im Zeitverlauf (3). Die in der Phase II/III-Studie erfolgreich geprüften Prophylaxedosierungen waren 60 I.E./kg einmal wöchentlich, 45-60 I.E./kg alle 5 Tage oder 30-40 I.E./kg 2 Mal wöchentlich (1).

Studienergebnisse

Die Zulassung des rFVIII erfolgte auf Basis der Phase II/III-Studie PROTECT VIII (1). „Die Studie zeigt die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der Prophylaxe- und Bedarfstherapie mit dem neuen EHL rFVIII und belegt dies in der Extensionstudie über einen Beobachtungszeitraum von insgesamt 5 Jahren“, erklärt Oldenburg (1,4). 90% der Studienteilnehmer konnten im Vergleich zur vorherigen Prophylaxe ihre Injektionsfrequenz mit rFVIII reduzieren (5). In der Gruppe der Patienten, die im gesamten Verlauf der Hauptstudie die Dosierung einmal pro Woche erhalten hatten, lag die jährliche Blutungsrate (ABR) bei 0,96; die Hälfte dieser Patienten hatte keine Blutungen. Die ABR bei Patienten mit einer Dosierung alle 5 Tage oder 2 Mal wöchentlich lag bei jeweils 1,9 (6). Auch in der Verlängerungsstudie (PROTECT VIII Extensionstudie) erwies sich der rFVIII über einen Zeitraum von bis zu 5,2 Jahren als effektiv in Bezug auf die Blutungsprophylaxe (4). Im Management von Blutungen überzeugte er ebenfalls: 91% aller Blutungen wurden mit einer oder 2 Injektionen kontrolliert (1).

Sicherheitsprofil

Darüber hinaus dokumentiert die PROTECT VIII-Studie ein gutes Sicherheitsprofil: Es gab keine schweren unerwünschten Ereignisse durch den rFVIII, und kein Patient bildete Faktor-VIII-Inhibitoren oder neutralisierende Anti-PEG Antikörper (1). „Aufgrund seiner verbesserten Pharmakokinetik eignet sich Jivi® insbesondere für Patienten, die einen stärkeren Blutungsschutz benötigen, zum Beispiel weil sie eine höhere Blutungsneigung haben oder bei gesteigerter körperlicher Aktivität. Bei Patienten mit normaler Blutungsneigung und mit geringer körperlicher Aktivität oder schlechtem Venenzustand kann Jivi® eine Verringerung der Injektionsfrequenz erlauben“, resümiert Oldenburg.

Längerer und höherer Schutz

Die Faktor VIII-Substitution ist in Deutschland aktueller Therapiestandard, um Patienten vor Blutungen sowie deren möglichen Langzeitfolgen zu schützen (7) und Gelenkgesundheit und Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten. Die FVIII-Substitution ist eine der Natur nachempfundene Therapieform, denn sie greift nicht in das Gerinnungssystem ein, sondern ersetzt den vom Körper nicht ausreichend oder fehlerhaft gebildeten Gerinnungsfaktor VIII. Zum Einsatz kommen plasmatisch oder rekombinant hergestellte FVIII-Produkte, deren hohe Therapiesicherheit dank klinischer Langzeiterfahrungen (8) gut dokumentiert ist. FVIII-Produkte haben die heute in Deutschland etablierte Prophylaxetherapie erst möglich gemacht, die seit 2015 vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) als wirksamer Therapiestandard in allen Altersgruppen anerkannt ist (9). Die neue Generation Halbwertszeit verlängerter FVIII-Produkte ermöglicht Patienten höhere Protektionsspiegel über längere Zeiträume und damit die Perspektive auf eine vollständige Blutungsvermeidung und bessere Lebensqualität (10).

Quelle: Bayer

Literatur:

(1) Reding MT, et al.; J Thromb Haemost 2017; 15: 411-9.
(2) Fachinformation Jivi®, Stand November 2018.
(3) Coyle TE, et al.; J Thromb Haemost 2014; 12: 488-96.
(4) Thomson et al.; Haemophilia 2018; 24(S1): 114.
(5) Kerlin BA et al.; Am J Hematol 2018; 93: E32. doi: 10.1002/ajh.25268.
(6) Reding MT et al.; Blood 2010; 116: 270-279.
(7) Srivastava A. et al; Haemophilia (2013), 19, e1–e47.
(8) Bericht Paul-Ehrlich-Institut, Stand Dez. 2018: https://www.pei.de/DE/infos/meldepflichtige/meldung-blutprodukte-21-transfusionsgesetz/berichte/berichte-21tfg-node.html.
(9) IQWIG Rapid Report 2015, Bericht Nr. 305, Auftrag A13-07, Version 1.
(10) Poon MC et al. Thromb J 2016; 14 (Suppl. 1): 32.


Das könnte Sie auch interessieren

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes

5 Tipps für ein Leben mit Diabetes
© pikselstock / fotolia.com

Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe erkranken jeden Tag rund 1.000 Menschen in Deutschland neu an Diabetes. Mediziner unterscheiden dabei je nach Ursache zwischen zwei Typen. Sowohl der Typ 1 als auch der Typ 2 äußern sich in einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel aufgrund von Insulinresistenz oder -mangel. Dadurch staut sich Zucker in den Blutgefäßen an. Bleibt eine Diabeteserkrankung unentdeckt, führt dies zur Schädigung der Blutgefäße und anderer Organe. Damit Betroffene trotz Erkrankung ihr Leben genießen können, gilt es...

Die wichtigsten Tipps zur Grippe-Impfung

Die wichtigsten Tipps zur Grippe-Impfung
© Konstantin Yuganov / fotolia.com

Es geht wieder los: Die Grippe-Zeit beginnt! Insbesondere ältere Patienten sind durch Influenza-Viren gefährdet. Aber auch Schwangere, Kinder und Pflegepersonal sind besonders betroffen. Deswegen raten Experten jetzt zur gezielten Grippeschutzimpfung. „Für ältere Menschen eignen sich insbesondere die sogenannten tetravalenten Impfstoffe, die nun auch von den Krankenkassen bezahlt werden“, sagt Dr. Andreas Leischker (Foto), Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Alexianer-Krankenhauses...

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD

Rolle der Selbstmotivation bei schweren Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Neben den oft schweren körperlichen Einschränkungen leiden Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung häufig auch an starken seelischen und psychischen Belastungen. Die Angst vor Atemnot, vor dem Fortschreiten der Krankheit oder vor sozialer Ausgrenzung kann auf Dauer Mutlosigkeit und Depressionen nach sich ziehen. Ein Teil der Therapie kann daher auch die Behandlung psychischer Belastungen sein sowie das Erlernen von Ansätzen, sich in schwierigen Zeiten selbst zu motivieren.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hämophilie A: Rekombinanter Faktor VIII mit verlängerter Halbwertszeit "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.