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Medizin

05. September 2019 Helicobacter-Therapie: Resistenzbildung wird zur Herausforderung

Nach dem Karies-Erreger ist der „Helicobacter pylori“ der häufigste pathogene Keim der Menschheit. Fast 90% der Patienten mit einem Magenkarzinom hatten zuvor eine Infektion mit diesem Bakterium. Auch in der komplexen Darmwelt des Menschen, der Mikrobiota, wird die Ursache für Krebserkrankungen vermutet.
Als der Helicobacter-Keim in den 1980iger Jahren per Zufall entdeckt wurde, ging die Fachwelt noch davon aus, dass im sauren Milieu der Magenschleimhaut keine Bakterien wachsen können. Der Pathologe Robin Warren und der medizinische Registrator Barry Marshall, beide forschten in Australien, erhielten 2005 den Nobelpreis für ihre überraschende Entdeckung von „Helicobacter pylori“. Pioniere auf diesem Gebiet gründeten 1987 in Europa eine renommierte Studiengruppe zur Erforschung des Erregers, die bis heute besteht. Seit 2018 ist Herbert Tilg, Direktor der Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Vorsitzender der „Europäischen Helicobacter und Mikrobiota Studiengruppe“ (EHMSG). Tilg ist derzeit der einzige Experte aus Österreich im Vorstand der EHMSG. Auf Grund der rasanten Forschungsergebnisse zur Keimwelt des Darms, hat sich das Forschungsziel der renommierten Vereinigung mittlerweile um das Themengebiet Mikrobiota erweitert. Jährlich findet ein Treffen statt, bei dem sich internationale Top-Experten über neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten austauschen.
 
Helicobacter-Therapie: Massiver Rückgang von Magengeschwüren

Für die meisten Menschen ist eine Helicobacter-Infektion harmlos. Nur bei 1 aus 6 Betroffenen kommt es in der Folge zu einer Magenerkrankung wie einer Entzündung, einem Geschwür oder Krebs. Die Übertragung folgt von Mensch zu Mensch. „Der gesteigerte Hygienestandard hat hierbei in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der Infektionsrate geführt. Auch die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr gut, es gibt daher wesentlich weniger Magengeschwüre, die noch durch diesen Erreger verursacht sind“, erklärt Herbert Tilg. Die Behandlung der Infektion erfolgt mit mehreren Antibiotika. „Dabei stellt die Bildung von Resistenzen derzeit eine der größten Herausforderung dar“, sagt Tilg. Mehrere Vorträge beim EHMSG-Meeting in Innsbruck beschäftigen sich daher mit diesem Thema. Auch der Forschungsbedarf ist noch sehr groß. „Wir können noch nicht vorhersagen, wer nach einer Helicobacter-Infektion erkrankt und wer nicht.“ Dabei ist diese Erkenntnis sehr wichtig, denn fast 90 % der Patienten mit einem Magen-Karzinom hatten zuvor eine Helicobacter-Infektion.
 
Mikrobiota: Welche Rolle spielt die Keimwelt bei Krebserkrankungen?

Jeder Mensch hat rund 1 Kilogramm an Keimen in seinem Darm. „Die Erforschung der Mikrobiota ist weltweit eines der wichtigsten Forschungsthemen. Es gibt zunehmend Hinweise, dass die gastrointestinale Mikrobiota auch bei verschiedenen Krebsformen im Verdauungstrakt eine Rolle spielt“, sagt Herbert Tilg. Weitere Forschungsergebnisse dazu tragen dazu bei, dass Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Magens oder Dickdarms zukünftig besser therapiebar werden könnten.
 
Stuhltransplantationen bei Diabetes, Lebererkrankung und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Bei der Stuhltransplantation wird möglichst frischer Stuhl eines gesunden Menschen mit Kochsalzlösung erst verdünnt und dann gefiltert, um grobe Anteile zu entfernen und dann im Rahmen einer Darmspiegelung in den Verdauungstrakt eingebracht. „Wir haben hier die Hoffnung, dass wir zukünftig mit dieser Methode vielen Betroffenen helfen können. Nach neuesten Erkenntnissen könnten Patienten mit Diabetes, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und mit Lebererkrankungen profitieren. Das ist ein aktuell sehr stark diskutiertes Thema in der Fachwelt, daher beschäftigen sich sehr viele der Vorträge bei unserem Meeting in Innsbruck mit Stuhltransplantationen.“ Derzeit wird diese Behandlungsmethode bereits bei einigen wenigen Darmerkrankungen erfolgreich angewendet. „Allerdings müssen wir noch besser verstehen, warum die Behandlung erfolgreich ist, bevor sie bei weiteren Erkrankungen eingesetzt werden kann“, sagt der Experte.

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck


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