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Medizin

26. Juni 2019 Hepatitis B: Heilung durch T-Zelltherapie im Tiermodell

Forschern ist es im Tiermodell erstmals gelungen, eine chronische Hepatitis-B-Virusinfektion zu besiegen. Es konnte gezeigt werden, dass eine T-Zelltherapie zu einer echten Heilung führen kann. Bislang war es nicht möglich, das Virus komplett zu kontrollieren. Die Veröffentlichung ist jetzt in der Zeitschrift Journal of Clinical Investigation erschienen.
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Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) sind ein weltweites Gesundheitsproblem, WHO-Angaben zufolge leiden über 260 Millionen Menschen an einer chronischen Infektion mit dem Virus. Impfungen verhindern zwar HBV-Neuinfektionen, aber für Personen, die sich z.B. bei ihrer Geburt angesteckt haben und chronische Virusträger sind, ist eine Heilung bisher nicht möglich. Arzneistoffe bewirken nur, dass sich die Viren in Leberzellen nicht weiter vermehren. Sie können das Virus aber nicht eliminieren. Langfristig kann es dann zu Komplikationen wie Leberkrebs oder Leberzirrhose kommen.

Bislang nicht heilbar

„Eine chronische Hepatitis B ist bislang nicht heilbar. Jetzt konnten wir zeigen, dass die neue Technologie der T-Zelltherapie eine ermutigende Lösung für die Behandlung der chronischen Infektion und den durch das Hepatitis B Virus ausgelösten Leberkrebs darstellt“, erklärt Prof. Dr. Ulrike Protzer, München, „denn diese "living drugs" sind das Wirksamste, was uns aktuell zur Verfügung steht“.

Herstellung neuer aktiver T-Zellen

Laut Dr. Karin Wisskirchen, Erstautorin der Studie und Wissenschaftlerin am Institut für Virologie, wurde die Verwendung von T-Zellen gezielt als Ansatz zur Bekämpfung der HBV-Infektion und des durch das HBV ausgelösten Leberkrebses entwickelt. Es ist bekannt, dass Virus-spezifische T-Zellen in chronisch-infizierten Patienten entweder gar nicht zu finden sind oder eine niedrige Aktivität aufweisen. Kann ein Patient das Virus hingegen selbst unter Kontrolle bekommen, ist eine starke T-Zellantwort messbar. „Damit liegt nahe, dieses Defizit durch spezifische T-Zellen auszugleichen“, so Wisskirchen. Die genetische Information für HBV-spezifische T-Zellrezeptoren wurde von Patienten gewonnen, bei denen die Infektion ausgeheilt war. Sie kann dann im Labor in T-Zellen aus dem Blut von Patienten mit chronischer Hepatitis B eingebracht werden. Dadurch entstehen neue, aktive T-Zellen, die das Virus oder virus-induzierte Krebszellen bekämpfen. So hergestellte, umprogrammierte T-Zellen waren in der Lage, HBV-infizierte Zellen in Zellkultur komplett zu eliminieren.

In Zusammenarbeit mit der Gruppe von Prof. Maura Dandri vom UKE Hamburg wurden die Immunzellen dann im humanisierten Mausmodell getestet. Bereits eine einmalige Gabe der künstlich modifizierten T-Zellen kontrollierte das Virus in der Leber. Die T-Zellen griffen nur infizierte Leberzellen an, schonten aber das gesunde Gewebe. Myrcludex B, ein experimenteller Arzneistoff, verhinderte dann, dass das HBV sich in den gesunden Leberzellen wieder ausbreiten konnte, sobald die T-Zellen nicht mehr zirkulierten. Dadurch konnte die Infektion ausheilen.

Vorbereitung einer klinischen Studie

„Die vielversprechenden Ergebnisse dieser Studie helfen uns, das Potenzial der T-Zell-Therapie weiter zu untersuchen und die klinische Entwicklung mit unseren Partnern voran zu treiben. Damit schaffen wir einen entscheidenden Schritt, diese Form der personalisierten Medizin zu etablieren“, sagt Protzer. Folglich wird das Institut weiter daran arbeiten, wie die Therapie bei einem möglichst breiten Patientenkreis angewendet werden kann. Das Helmholtz Zentrum München hat Teile seiner T-Zelltherapie an SCG Cell therapy Pte. Ltd. auslizensiert. „Gemeinsam mit dem Partner planen wir eine klinische Studie zur Behandlung von Patienten mit HBV-assoziiertem Leberzellkarzinom“, sagt Wisskirchen. Die T-Zelltherapie ist ein hochinnovatives Gebiet, das durch große klinische Erfolge in der Lymphombehandlung an Dynamik gewonnen hat. Dandri betont: „Eine solche Entwicklung wäre ohne die enge Zusammenarbeit im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung nicht möglich“.

Quelle: Helmholtz Zentrum München


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