Montag, 22. April 2019
Navigation öffnen

Medizin

29. März 2018 Hepatitis B: Heilung ist das Ziel

Rund 260 Millionen Menschen leiden weltweit unter einer chronischen Hepatitis B, die derzeit nicht heilbar ist. Für sie gibt es nun einen Hoffnungsschimmer, denn Wissenschaftler haben im DZIF einen therapeutischen Impfstoff entwickelt, den sie so bald wie möglich in die klinische Prüfung bringen wollen.
Anzeige:
Fachinformation
Obwohl es einen wirksamen Impfstoff gegen Hepatitis B gibt, sterben jedes Jahr 880.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus. Insbesondere eine Ansteckung im frühen Kindesalter führt zu einer chronischen Erkrankung. Die verfügbaren antiviralen Wirkstoffe können zwar die Vermehrung der Viren eindämmen, die Krankheit jedoch nicht heilen. Wird die Behandlung abgesetzt, bilden sich erneut Hepatitis-B-Viren. Der Grund ist eine kleine, zirkuläre Form von Virus-DNA, die im Kern infizierter Leberzellen deponiert wird und dem Virus erlaubt zu überleben. Auch bei geringer Viruslast der Patienten birgt die chronische Hepatitis B die Gefahr, an Leberzirrhose oder Leberkrebs zu erkranken. Neue, kurative Behandlungsansätze sind daher dringend notwendig.

„Wir haben einen therapeutischen Impfstoff entwickelt, der über zwei nacheinander geschaltete Impfungen erstmals eine Chance auf Heilung bieten könnte“, erklärt Prof. Ulrike Protzer von der Technischen Universität München (TUM) und dem Helmholtz-Zentrum München. Im DZIF hat die Wissenschaftlerin bereits präklinische Tests mit Erfolg durchgeführt. Nun soll gemeinsam mit Forschern des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig sowie den Universitätsklinika München rechts der Isar und Hamburg-Eppendorf eine erste klinische Studie am Menschen vorbereitet werden. Das Vorhaben ist beispielhaft für eine translationale Projektentwicklung im DZIF.

Projekt aus 83 Bewerbungen ausgewählt

Der „Proof of Concept“, der klinische Wirkungsnachweis ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Zulassung von Medikamenten und Impfstoffen. Um diesen Schritt zu erleichtern, der oftmals eine unüberwindliche Hürde für Forscher darstellt, haben die Fraunhofer-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft gemeinsam mit der Deutschen Hochschulmedizin die PoC-Initiative gegründet. Aus 83 Bewerbungen wurde das Hepatitis-B-Vorhaben als eines von vier Projekten für eine Förderung ausgewählt. Ein großer Erfolg für die Wissenschaftler und auch für das DZIF, das das Projekt mit auf den Weg gebracht hat.

Doppelte Wirkung gegen Hepatitis B

Für die innovative therapeutische Impfung werden zwei unterschiedliche Komponenten miteinander kombiniert: In einem ersten Schritt (Prime) werden spezifische Hepatitis-B-Proteine als Antigene eingesetzt, um die Bildung von neutralisierenden Antikörpern auszulösen und T-Zellen auf ihren Einsatz vorzubereiten. Anschließend wird die Abwehrreaktion verstärkt (Boost) durch den Einsatz eines Pockenvirus-Vektors, in den Gensequenzen des Hepatitis-B-Virus eingebaut sind. Dieser virale Vektor soll die Bildung von spezifischen T-Zellen gegen das Virus verstärken. Die T-Zellen sind wichtige Abwehrzellen unseres Körpers, die von Viren befallene Zellen vernichten können.

In präklinischen Modellen war diese „Prime-Boost-Impfung“ außerordentlich erfolgreich: „Es wurden sowohl neutralisierende Antikörper gebildet, die die Viruslast und -ausbreitung im Blut verringerten, als auch zytotoxische T-Zellen gebildet, die die befallenen Leberzellen töteten“, erklärt Protzer. Der Ansatz sei geeignet, um das Problem der Virus-Persistenz zu lösen und damit die Krankheit zu heilen.

Erste klinische Studie in Vorbereitung

Mit den erfolgreich eingeworbenen Mitteln bereiten die Wissenschaftler nun die erste klinische Studie am Menschen vor. Dazu gehören sowohl die fachgerechte Produktion der Impfstoffkomponenten als auch toxikologische und pharmakodynamische Untersuchungen im Vorfeld. Die klinische Studie wird von Prof. Marylyn Addo am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt werden. Addo bringt das notwendige Know-how mit; Impfstoffe für Ebola-Viren und das MERS-Coronavirus konnten ebenfalls in Hamburg erstmals am Menschen getestet werden.  

Der Nutzen einer erfolgreichen therapeutischen Impfung gegen Hepatitis B wäre ein doppelter, denn die Mediziner hätten gleichzeitig ein wirksames Mittel gegen Hepatitis D in der Hand – Hepatitis D führt zu den schwersten Entzündungen der Leber und tritt nur gemeinsam mit Hepatitis B auf.

Quelle: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung


Das könnte Sie auch interessieren

10 Fakten über Psychotherapie

10 Fakten über Psychotherapie
© hollandog / fotolia.com

Psychotherapie ist ein effektiver und sinnvoller Weg aus Krisen und Problemen. Wäre da nicht das Imageproblem. Um dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken, wurde mit dem 5. Februar der Tag des Psychotherapeuten ausgerufen. Ein wichtiger Jahrestag, der zur Aufklärung von Missverständnissen beiträgt und das Bewusstsein für die lebenswichtige Arbeit schärft, die von Therapeuten täglich geleistet wird. Dr. Anabel Ternès ist Gründerin der digitalen Service-Plattform Psychologio, die Betroffenen einen vereinfachten Zugang zu einer...

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart

17. Patientenforum Lunge in Stuttgart
© adimas / Fotolia.com

Am 25. März veranstaltet der Lungeninformationsdienst zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung in Stuttgart sein 17. Patientenforum Lunge. Das Thema: „Aktuelles zu klinischen Studien in der Lungenforschung – Wie nützen sie den Patienten?“ Erstmals findet die Veranstaltung im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin statt. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Deutsche Lungentag.

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist

Rauchen ist Hauptursache für chronische Lungenkrankheit, die nicht heilbar ist
© Eric Limon / Fotolia.com

COPD – diese vier Buchstaben stehen für eine chronische Lungenkrankheit (chronic obstructive pulmonary disease). Sie stehen gleichzeitig auch für die weltweite Nummer Drei unter den Todesursachen. Bei 90 Prozent aller Fälle hierzulande ist die Hauptursache ziemlich klar bestimmt: das Rauchen. Zum Welt-COPD-Tag am 15. November weist Prof. Hubert Wirtz, Leiter der Abteilung für Pneumologie am UKL, auf unangenehme Wahrheiten rund um diese Krankheit hin: "COPD verkürzt die Lebenserwartung. Es ist nicht heilbar."

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hepatitis B: Heilung ist das Ziel"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.