Samstag, 28. März 2020
Navigation öffnen

Medizin

31. August 2017 Hepatitis-B-Studie: Ca 20% der Patienten nach 2 Jahren ohne Therapie geheilt

Auf Grundlage von Einzelfallberichten haben Wissenschaftler der Leipziger Universitätsmedizin erstmalig einen neuen Therapieansatz im Kampf gegen Hepatitis B im Rahmen einer Studie geprüft. Hierzu setzten sie im Rahmen einer kontrollierten Studie die Hepatitis B-Medikamente von Patienten ab, die schon seit vielen Jahren eine Dauertherapie erhalten hatten.
Anzeige:
Das Ergebnis überraschte: Die Hälfte der Teilnehmer wies nach 2 Jahren ohne Therapie normale Leberwerte auf und circa 20% der Patienten waren sogar geheilt.

Hepatitis B zählt weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. So leiden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts etwa 240 Millionen Menschen an einer chronischen HBV-Infektion. In vielen Fällen ist eine medikamentöse Therapie inzwischen sehr erfolgreich: Die Virusvermehrung wird so meist komplett unterdrückt, das Risiko für eine Leberzirrhose und Leberkrebs wird deutlich gesenkt. „Allerdings begeben sich die Patienten in eine Dauertherapie und müssen lebenslang Medikamente einnehmen. Bislang traut sich niemand so recht, die Tabletten nach Jahren der Einnahme abzusetzen, weil man Reaktivierungen der Erkrankung fürchtet“, sagt Prof. Dr. Thomas Berg, Leipzig.

Ein Forscherteam unter Leitung von Prof. Berg hat dies nun getan: In einer Pilotstudie setzten sie die Hepatitis B-Medikamente bei Patienten ab, die mindestens 4 Jahre in Therapie waren und nicht an einer fortgeschrittenen Erkrankung litten. Sie wurden engmaschig über einen Zeitraum von 2 Jahren untersucht. „Die Fallzahl unserer Studie war zwar nur klein, dennoch konnten wir zeigen, dass die Hälfte der Patienten auch ohne Therapie so stabil war, dass sie keine erneute Behandlung benötigten. Rund 20% der Patienten hatten nach den 2 Jahren die chronische Krankheit sogar ausgeheilt“, fasst Berg die Hauptergebnisse der Studie zusammen. In der parallel laufenden Kontrollgruppe, die die Hepatitis B-Medikamente unverändert weiter eingenommen hatte, verlor niemand die Viren dauerhaft.

„Wir konnten zeigen, dass ein Absetzen der mehrjährigen Hepatitis B-Therapie bei vielen Patienten zu einer vorübergehenden Reaktivierung der Hepatitis führen kann. Das Immunsystem reagiert darauf und behandelt wahrscheinlich die Reaktivierung wie eine Neuinfektion“, erklärt Prof. Berg die Zusammenhänge. Das bietet die Chance, dass der menschliche Organismus den Erreger allein bekämpft und letztendlich auch kontrollieren kann. Weitere Studien müssen nun die Patientengruppen genauer definieren, welche für diese Form der Therapie in Frage kommen. Zugleich muss der Ertrag mit dem von neuen Therapeutika, die in Entwicklung sind, in Beziehung gesetzt werden. Der neue Ansatz würde in jedem Fall unangenehme Nebenwirkungen und nebenbei Therapiekosten sparen.

Quelle: Universität Leipzig

Literatur:

Berg T, Simon KG, Mauss S et al.
Long-term response after stopping tenofovir disoproxil fumarate in non-cirrhotic HBeAg-negative patients – FINITE study. J Hepatol. 2017 Jul 21. pii: S0168-8278(17)32155-4. doi: 10.1016/j.jhep.2017.07.012 .[Epub ahead of print]
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28736139


Das könnte Sie auch interessieren

Videosprechstunde ermöglicht schnelle dermatologische Verlaufskontrolle

Videosprechstunde ermöglicht schnelle dermatologische Verlaufskontrolle
© Africa Studio / Fotolia.com

Um die Entwicklung einer Hauterkrankung oder den Heilungsprozess einer Wunde zu überwachen, ist in der Regel kein Vor-Ort-Termin in der Arztpraxis mehr notwendig. Zeitgemäß können Dermatologen nach Diagnosestellung und Therapieempfehlung im Rahmen der Eingangsuntersuchung mit der Videosprechstunde therapeutische Erfolge mit dem Patienten vertraulich via PC, Laptop oder Tablet besprechen. Mit dem durch die gesetzlichen Krankenkassen geförderten Patientenservice entlasten Dermatologen zugleich Praxispersonal, etablieren komfortable Arbeitsabläufe und verhindern...

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden
© lev dolgachov / Fotolia.com

Die Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen in Deutschland einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. Auch Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. Folgeerkrankungen sind mit erheblichen...

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun
© science photo / fotolia.com

Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt
© Darren Baker / Fotolia.com

Naturheilmittel oder neuer Trend der Bio-Welle? 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen (1). Oftmals werden hinter dem Begriff Naturheilmittel vermutet. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die biotechnisch hergestellt oder aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden und mit dem Ziel der Bekämpfung einer Krankheit in die Vorgänge des Körpers eingreifen. Insulin ist ein bekanntes Beispiel. Wem das erklärt wird, der ist gerne zur Einnahme eines solchen Arzneimittels bereit. Das sind Ergebnisse einer...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hepatitis-B-Studie: Ca 20% der Patienten nach 2 Jahren ohne Therapie geheilt"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden