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Medizin

18. Juni 2020 Hepatitis C: Fortsetzung der DAA-Therapie dringend empfohlen

Seit Wochen bestimmt das Thema SARS-CoV-2 weltweit die Agenda – und stellt Ärzte und Patienten vor erhebliche Herausforderungen. Welche Folgen die aktuellen Entwicklungen für die Versorgung von Menschen mit einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) haben können, diskutierten Experten während 2 virtuellen Veranstaltungen (1). Die derzeitige Situation berge die Gefahr, dass die Therapie verzögert werde, befürchteten die Referenten. „Doch auch in Zeiten von COVID-19 hat weiterhin jeder Patient mit Hepatitis C eine Indikation zur Therapie – das Ziel einer Elimination der Erkrankung dürfen wir nicht aus den Augen verlieren“, so der Konsens in beiden Veranstaltungen, die unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Jörg Petersen und Dr. Peter Buggisch (ifi Hamburg, St. Georg) sowie Prof. Dr. Markus Cornberg und PD Dr. Benjamin Maasoumy (Medizinische Hochschule Hannover) stattfanden (1).
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Es drohen Rückschläge beim Ziel der Elimination von Hepatitis C

Die allgemeine Verunsicherung der Menschen sei spürbar: Viele Patienten haben Bedenken, in die Arztpraxis zu gehen. Stattdessen werden Termine und Untersuchungen auf eine Zeit „nach Corona“ verschoben. „Wenn hierdurch Therapien verzögert werden, kann dies negative Konsequenzen für die Patientenversorgung haben, insbesondere für Patienten mit bereits fortgeschrittener Lebererkrankung“, warnte PD Dr. Maasoumy. „Es könnte beispielsweise sein, dass die Zahl der Fälle mit hepatozellulärem Karzinom ansteigt“, so Maasoumy weiter. Da Ressourcen für COVID-19 freigehalten werden, habe sich auch der Zugang zu Risikopopulationen deutlich verschlechtert. In den letzten Wochen wurden viele Screening- und soziale Projekte gestoppt. „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, bremsen wir das Ziel der Weltgesundheitsorganisation und der Bundesregierung aus, Hepatitis C bis 2030 zu eliminieren“ (2, 3), so Dr. Buggisch.

Hepatitiden kein Risiko für schweren COVID-19-Verlauf

„Hepatitis C ist heute bei nahezu allen Patienten, einschließlich Hochrisikogruppen wie Drogenkonsumenten, schnell und gut verträglich heilbar. Jeder Betroffene sollte daher eine Therapie erhalten – dies gilt auch in Zeiten von Corona“, so der einstimmige Konsens. Die Experten appellierten, die Behandlung von HCV-Patienten nicht aufzuschieben und auch angefangene HCV-Therapien unbedingt fortzuführen.
„Das Wissen zu COVID-19 ist derzeit zwar noch im Fluss. Nach aktueller Datenlage sind chronische virale Hepatitiden aber kein Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf“, fasste Prof. Cornberg den wissenschaftlichen Kenntnisstand zusammen, der sich auch im EASL-ESCMID-Positionspapier (4) widerspiegelt.

Patienten könnten von Telemedizin profitieren

In den Diskussionsrunden tauschten sich die Teilnehmer über die aktuellen Abläufe in den Praxen aus. Viele Behandler hätten in den vergangenen Wochen gute Erfahrungen mit Videosprechstunden gemacht. Gerade bei jüngeren Patienten sei die Akzeptanz meist hoch. Diese Einschätzung wird auch durch die Studie SMART-C bestätigt, die PD Dr. Maasoumy vorstellte (5). An der Untersuchung nahmen HCV-Patienten teil, darunter auch Substitutionspatienten, die auf eine direkt antiviral wirksame (DAA) Therapie eingestellt wurden. Eine Probanden-Gruppe erhielt ein Standard-Monitoring der Behandlung, die andere ein vereinfachtes Monitoring mittels Telemedizin. Die Ergebnisse 12 Wochen nach Therapieende zeigten, dass sich die SVR (sustained virologic response)-Raten zwischen den beiden Patientengruppen nicht signifikant unterschieden (5) „Die Studie bestätigt, dass telemedizinische Möglichkeiten für die Versorgung von HCV-Patienten ein spannendes Potenzial bieten“, so das Fazit von Maasoumy.

Diagnostik und Behandlung sollten wieder vorangetrieben werden

„SARS-CoV-2 wird die Gesellschaft vermutlich noch sehr lange beschäftigen. Es geht jetzt darum, sich möglichst gut zu organisieren, um Menschen mit HCV auch weiterhin zu diagnostizieren und einer Behandlung zuzuführen“, so Prof. Petersen. Tatsächlich gebe es gute Argumente, gerade auch in der aktuellen Phase zu therapieren, denn viele Patienten hätten derzeit mehr Zeit für die Behandlung, meinten die Experten. Dafür stehen einfache Therapien mit kurzer Behandlungsdauer und gutem Sicherheitsprofil zur Verfügung. Das könne die Compliance und den Behandlungserfolg bei Hepatitis C unterstützen, so die allgemeine Einschätzung. „Die Elimination von Hepatitis C muss weiterhin unser Ziel bleiben. Wir waren bereits auf einem guten Weg – und daran müssen wir weiter arbeiten“, so das Fazit der Diskussionsrunden zu Hepatitis C in Zeiten von COVID-19.

Quelle: AbbVie

Literatur:

(1) „Hep2Date – HCV-Therapie in Zeiten von Corona: Was müssen wir beachten?“ Virtuelles Expertentreffen am 29. April 2020. Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Jörg Petersen und Dr. Peter Buggisch, ifi Hamburg, St. Georg. / „COVID-19: Was bedeutet die Erkrankung für die Hepatologie / Infektiologie? Was ist wichtig für die klinische Praxis?“ Virtuelles Expertentreffen am 06. Mai 2020. Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Markus Cornberg und PD Dr. Benjamin Maasoumy, Medizinische Hochschule Hannover.
(2) World Health Organization (2017). Global Hepatitis Report.
(3) Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2016). Bis 2030 – Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.
(4) Boettler T et al. JHEP Rep 2020;2:100113.
(5) Dore GJ et al. J Hepatol 2020;72:431-40.


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EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
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