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Medizin

15. Februar 2016 Hochdosis-Vitamin D bei Stressfrakturen?

J.R. Miller et al. untersuchten retrospektiv die Vitamin D-Konzentrationen im Blut von 53 Patienten in einem Zeitfenster bis zu 3 Monaten nach erlittener Stressfraktur und fanden bei 44 von ihnen (83%) Werte unter 40 ng/ml. Sie empfehlen, Patienten mit Stressfrakturen und einem Vitamin D-Spiegel <35 ng/ml während der 1 bis 2-monatigen Knochenheilungsphase wöchentlich 50 000 IE Vitamin D zu geben (1). Miller, Gelenk- und Fußchirurg am Orthopädischen Zentrum von Pennsylvanien, USA, rät darüber hinaus, zur Vorbeugung von Ermüdungsbrüchen speziell bei körperlich aktiven Menschen, etwa (Ausdauer)-Sportlern, oder auch Älteren mit lediglich Alltagsbelastungen eine Vitamin-D-Konzentration im Blut von >40 ng/ml, gegebenenfalls durch Supplemente, anzustreben. Andreas Kurth, Orthopäde und Vorsitzender der Dachverbandes Osteologie (DVO), kritisiert diesen Grenzwert von 40 ng/ml und bezeichnet ihn als völlig willkürlich.

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Dieser Grenzwert stellt die Richtgröße des "Vitamin D Council" dar, einer gemeinnützigen Initiative in Amerika, welche Spiegel zwischen 40 und 80 ng/ml als normal ansieht, im Unterschied zu den tieferen Grenzwerten etwa der Endocrine Society oder des Institute of Medicine (IOM): Werte von 30 ng/ml werden zumeist als untere Grenze des Referenzbereichs eingestuft und zwischen 20 und 30 ng/nl als ausreichend angesehen, wenn keine besonderen Risikofaktoren vorliegen. 70% der Patienten von Prof. Kurth wiesen in einer eigenen Untersuchung Spiegel unter 30 ng/ml auf. Er rät von routinemäßigen Vitamin-D-Spiegelmessungen ab, da diese teuer seien im Vergleich zu den Vitamin D-Präparaten. Er empfiehlt stattdessen seinen Patienten, insbesondere in der Winterzeit, täglich 1000 IE Vitamin D einzunehmen (2).

Ein Ende der oft heißen Diskussionen über einen Nutzen und die Dosierungen von Vitamin D bei den verschiedenen Krankheitsbildern und Lebenssituationen wird wohl noch länger weitergehen. Gespannt warten alle auf die Ergebnisse der noch laufenden großen Outcome-Studien. Die Referenzbereiche von Vitamin D für die verschiedenen Regionen der Erde und unterschiedlichen Ethnien bedürfen - auch nach Meinung des Referenten - dringend einer evidenzbasierten Erarbeitung, mit Berücksichtigung der Parathormonspiegel.

Literaturhinweise:
(1) J.R. Miller et al.: J. Foot Ankle Surg. 2016. 55:117-120
(2) J Rommelfanger: Weniger Vitamin D - mehr Stressfrakturen? US-Forscher empfehlen vor allem Sportlern die Supplementierung.

Quelle: Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, Prof. Helmut Schatz, Bochum


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