Freitag, 18. Januar 2019
Navigation öffnen

Aktuelle Infos für Ärzte

22. November 2018 Hoffnung auf schonendere Therapie bei Hirntumoren

Das Medulloblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Kindern. Forscher der Universität Bonn haben nun zusammen mit Kollegen aus England, Frankreich und Schweden eine Form der Erkrankung identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Rund 20% der Betroffenen könnten nach Schätzungen unter dieser Variante leiden. Unter Umständen kann man ihnen zukünftig mit einer deutlich schonenderen Behandlung helfen als bisher. Das Medulloblastom ist heute in vielen Fällen heilbar. Die dazu nötige Therapie ist aber so aggressiv, dass viele Patienten lebenslang unter den Spätfolgen leiden. Die Studie erscheint im renommierten medizinischen Fachjournal „Lancet Oncology“.
Medulloblastome sind Tumorerkrankungen des Kleinhirns, die vor allem Kinder und Jugendliche betreffen. Zwei Drittel aller Patienten lassen sich heute durch eine Kombination aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie heilen. Allerdings verursacht die Behandlung häufig erhebliche Spätfolgen. „Durch die intensive Therapie wird das sich noch in der Entwicklung befindliche Gehirn oft irreparabel geschädigt“, erklärt Prof. Dr. Torsten Pietsch, Bonn. „Als Spätfolge leiden die überlebenden Patienten oft lebenslang unter der Beeinträchtigung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit.“

Bestrahlung und Chemotherapie bei Mehrzahl zukünftig vielleicht vermeidbar 

Heute weiß man, dass es sich bei dem Medulloblastom um eine Gruppe unterschiedlicher Krebsarten handelt. Schon vor fast 20 Jahren wurde eine seltene knotenförmige Variante entdeckt, die insbesondere Kleinkinder betrifft. Diese Tumoren sprechen meist so gut auf eine medikamentöse Behandlung an, dass keine zusätzliche Strahlentherapie nötig ist. Inzwischen hat man noch eine Gruppe älterer Kinder identifiziert, die auch eine sehr gute Prognose hat. Auch bei ihr kann die Intensität der Therapie möglicherweise verringert werden. Sie macht etwa 10% aller Erkrankten aus. „Beim großen Rest – immerhin mehr als 80% – war es bisher dagegen nicht möglich, das Ansprechen auf die Therapie vorherzusagen“, sagt Pietsch. „Daher sind in diesen Fällen eine intensive Bestrahlung und Chemotherapie nach dem aktuellen Forschungsstand unverzichtbar.“
Möglicherweise ändert sich das aber in Zukunft: Die an der Studie beteiligten Forscher haben eine neue Erkrankungs-Variante identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Dazu hatten sie die Tumoren von Teilnehmern in einer europaweiten Medulloblastom-Behandlungsstudie untersucht.
„Wir haben in einem Teil der Tumoren charakteristische Veränderungen in der Anzahl der Chromosomen gefunden“, erklärt Dr. Tobias Goschzik. In den Tumorzellen lag eines von ihnen – das Chromosom 7 – häufig gleich dreifach vor. Von zwei anderen – den Chromosomen 8 und 11 – gab es dagegen oft nur eine Version.

Fast 100% Heilungschance

Erkrankte mit diesen chromosomalen Auffälligkeiten ließen sich mit Hilfe der Standardtherapie zu fast 100% heilen. Bei den restlichen Betroffenen lag die Heilungschance dagegen nur bei 64%. „Möglicherweise bedeutet das, dass man Patienten mit diesem Typus eines Medulloblastoms weniger aggressiv therapieren kann“, hofft Pietsch. „Ob das stimmt, muss sich allerdings zunächst noch in Behandlungsstudien zeigen.“

In der Studie konnten die Tumoren von insgesamt 136 Kindern und Jugendlichen untersucht werden. Ausgeschlossen waren Betroffene, die an einer besonders aggressiven Form der Erkrankung litten. „Wenn wir unsere Zahlen auf alle Patienten hochrechnen, gehen wir davon aus, dass rund 20% unter der von uns identifizierten Variante leiden“, sagt Pietsch. Die Ergebnisse wurden inzwischen mit einer zweiten Patientengruppe aus dem englischen Newcastle verifiziert.

Geplante Studie zur Ursachenforschung

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, warum Tumoren mit einer veränderten Chromosomenzahl so viel besser auf die Therapie ansprechen. Langfristig könnten daraus auch neue zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten erwachsen: Es gibt auch andere Krebserkrankungen bei Kindern, die mit Änderungen der Chromosomenzahl einhergehen. Dazu zählt beispielsweise eine bestimmte Form der Leukämie. Und auch diese lässt sich besonders erfolgversprechend therapieren.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie


Das könnte Sie auch interessieren

Neue Version der Patientenleitlinie "Unipolare Depression" veröffentlicht

Depressionen sind weltweit häufige Erkrankungen. Allein in Deutschland sind innerhalb eines Jahres rund 6,2 Millionen Menschen betroffen. Gleichzeitig ist die Dunkelziffer hoch: Oft werden depressive Erkrankungen nicht festgestellt, weil Betroffene keine fachliche Hilfe suchen oder die Krankheit nicht erkannt wird. Dabei stehen heute evidenzbasierte Therapieverfahren zur Verfügung, mit denen sich Depressionen in den meisten Fällen gut behandeln lassen.

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege

Die stetig steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen mit Diabetes stellt eine wachsende Herausforderung dar. Mit dem Kompaktkurs „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“ bietet die DDG praktische Hilfe und vermittelt Sicherheit bei der Pflege von Patienten mit Diabetes. Von der DDG qualifizierte Trainer bieten diese Kurse überregional an. Eine Liste der Trainer ist auf der Website abrufbar. Die Trainerteams verfügen sowohl über diabetologisch-ärztliche als auch über Diabetes beratende und pflegerische Qualifikationen. Die Fortbildung für Pflegende umfasst 16 Stunden und kostet 275 Euro. Vermittelt werden vor allem Kompetenzen, um die Pflegeanamnese und die Pflege- bzw. Maßnahmenplanung diabetesbezogen zu erheben bzw. zu gestalten. Zudem geht es darum, Notfälle, Komplikationen und Folgeerkrankungen im Zusammenhang mit einer Diabeteserkrankung zu vermeiden bzw. zu minimieren.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Hoffnung auf schonendere Therapie bei Hirntumoren"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.