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Medizin

22. November 2018 Hoffnung auf schonendere Therapie bei Hirntumoren

Das Medulloblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor bei Kindern. Forscher der Universität Bonn haben nun zusammen mit Kollegen aus England, Frankreich und Schweden eine Form der Erkrankung identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Rund 20% der Betroffenen könnten nach Schätzungen unter dieser Variante leiden. Unter Umständen kann man ihnen zukünftig mit einer deutlich schonenderen Behandlung helfen als bisher. Das Medulloblastom ist heute in vielen Fällen heilbar. Die dazu nötige Therapie ist aber so aggressiv, dass viele Patienten lebenslang unter den Spätfolgen leiden. Die Studie erscheint im renommierten medizinischen Fachjournal „Lancet Oncology“.
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Medulloblastome sind Tumorerkrankungen des Kleinhirns, die vor allem Kinder und Jugendliche betreffen. Zwei Drittel aller Patienten lassen sich heute durch eine Kombination aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie heilen. Allerdings verursacht die Behandlung häufig erhebliche Spätfolgen. „Durch die intensive Therapie wird das sich noch in der Entwicklung befindliche Gehirn oft irreparabel geschädigt“, erklärt Prof. Dr. Torsten Pietsch, Bonn. „Als Spätfolge leiden die überlebenden Patienten oft lebenslang unter der Beeinträchtigung ihrer kognitiven Leistungsfähigkeit.“

Bestrahlung und Chemotherapie bei Mehrzahl zukünftig vielleicht vermeidbar 

Heute weiß man, dass es sich bei dem Medulloblastom um eine Gruppe unterschiedlicher Krebsarten handelt. Schon vor fast 20 Jahren wurde eine seltene knotenförmige Variante entdeckt, die insbesondere Kleinkinder betrifft. Diese Tumoren sprechen meist so gut auf eine medikamentöse Behandlung an, dass keine zusätzliche Strahlentherapie nötig ist. Inzwischen hat man noch eine Gruppe älterer Kinder identifiziert, die auch eine sehr gute Prognose hat. Auch bei ihr kann die Intensität der Therapie möglicherweise verringert werden. Sie macht etwa 10% aller Erkrankten aus. „Beim großen Rest – immerhin mehr als 80% – war es bisher dagegen nicht möglich, das Ansprechen auf die Therapie vorherzusagen“, sagt Pietsch. „Daher sind in diesen Fällen eine intensive Bestrahlung und Chemotherapie nach dem aktuellen Forschungsstand unverzichtbar.“
Möglicherweise ändert sich das aber in Zukunft: Die an der Studie beteiligten Forscher haben eine neue Erkrankungs-Variante identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Dazu hatten sie die Tumoren von Teilnehmern in einer europaweiten Medulloblastom-Behandlungsstudie untersucht.
„Wir haben in einem Teil der Tumoren charakteristische Veränderungen in der Anzahl der Chromosomen gefunden“, erklärt Dr. Tobias Goschzik. In den Tumorzellen lag eines von ihnen – das Chromosom 7 – häufig gleich dreifach vor. Von zwei anderen – den Chromosomen 8 und 11 – gab es dagegen oft nur eine Version.

Fast 100% Heilungschance

Erkrankte mit diesen chromosomalen Auffälligkeiten ließen sich mit Hilfe der Standardtherapie zu fast 100% heilen. Bei den restlichen Betroffenen lag die Heilungschance dagegen nur bei 64%. „Möglicherweise bedeutet das, dass man Patienten mit diesem Typus eines Medulloblastoms weniger aggressiv therapieren kann“, hofft Pietsch. „Ob das stimmt, muss sich allerdings zunächst noch in Behandlungsstudien zeigen.“

In der Studie konnten die Tumoren von insgesamt 136 Kindern und Jugendlichen untersucht werden. Ausgeschlossen waren Betroffene, die an einer besonders aggressiven Form der Erkrankung litten. „Wenn wir unsere Zahlen auf alle Patienten hochrechnen, gehen wir davon aus, dass rund 20% unter der von uns identifizierten Variante leiden“, sagt Pietsch. Die Ergebnisse wurden inzwischen mit einer zweiten Patientengruppe aus dem englischen Newcastle verifiziert.

Geplante Studie zur Ursachenforschung

In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, warum Tumoren mit einer veränderten Chromosomenzahl so viel besser auf die Therapie ansprechen. Langfristig könnten daraus auch neue zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten erwachsen: Es gibt auch andere Krebserkrankungen bei Kindern, die mit Änderungen der Chromosomenzahl einhergehen. Dazu zählt beispielsweise eine bestimmte Form der Leukämie. Und auch diese lässt sich besonders erfolgversprechend therapieren.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie


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