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Medizin

11. Juni 2012 Hoher Vitamin D-Spiegel reduziert das Risiko einer Multiplen Sklerose

Vitamin D in ausreichenden Mengen im Blut senkt das Risiko, an Multipler Sklerose (MS) zu erkranken. Besonders gilt das für Patienten/-innen mit einem Vorläufer der MS, dem klinisch isolierten Syndrom, berichteten Forscher/-innen auf dem Europäischen Neurologenkongress in Prag. Eine orale Verabreichung von Vitamin D empfiehlt sich bei entsprechendem Mangel genauso wie bei bereits eingetretener MS-Erkrankung: Selbst bei einer Dosierung weit über den Grenzwerten besteht für diese Gruppe keine gesundheitliche Gefahr.

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Menschen mit erhöhtem Risiko für Multiple Sklerose (MS) sind gut beraten, ihren Vitamin-D-Spiegel im Auge zu behalten: Zu geringe Blutwerte des „Sonnenvitamins” erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dieses neurologische Leiden zu entwickeln, berichteten Mailänder Neurologen/-innen auf dem 22. Meeting der Europäischen Neurologengesellschaft (ENS) in Prag. Vitamin D bildet sich in der Haut bei Sonneneinstrahlung oder wird über die Nahrung aufgenommen. Da die meisten Menschen in gemäßigten Zonen an einer Unterversorgung leiden, gilt für bestimmte Bevölkerungsgruppen die Empfehlung, zusätzlich Vitamin D etwa als Tropfen einzunehmen. MS-Patienten/-innen profitieren besonders von einer Supplementierung. Iranische Forscher/-innen zeigen, dass für sie die Einnahme auch in Mengen weit über den bisherigen Empfehlungen unbedenklich ist.

Verlauf des MS-Vorläufers beobachtet

Die Forscher/-innen um Dr. Vittorio Martinelli, Neurologe im San Raffaele Krankenhaus Mailand, überprüften die Krankengeschichten von 107 Menschen, bei denen ein klinisch isoliertes Syndrom diagnostiziert worden war. Dieses neurologische Leiden ist ein häufiger Vorläufer der MS. Es zeigt sich durch eine schubweise Störung des Sehens oder der Gefühlsempfindung, die auf eine Schädigung bestimmter Teile des Zentralnervensystems zurückgeht. Neben Magnetresonanz-Bildern überprüften die Forscher/-innen Testwerte zur Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, die im EEG angezeigten Reaktionen auf Sinnesreize (das sogenannte „multimodal evozierte Potenzial”) sowie die Serumkonzentration von Vitamin D3, das nach seiner Umwandlung durch die Leber Calcidiol (25-Hydroxy-Vitamin D) heißt.

21 Prozent der beobachteten Patienten/-innen entwickelten innerhalb eines Jahres eine klinisch eindeutige MS, binnen zwei Jahren 36 Prozent und binnen fünf Jahren 44 Prozent. Eine niedrige Vitamin-D-Konzentration begünstigte die MS-Entstehung, wobei besonders die im Sommer gemessenen Werte aussagekräftig waren. „Vitamin D eignet sich sogar für die Prognose des MS-Risikos für Patienten/-innen mit klinisch isoliertem Syndrom, sofern sie nur wenige Läsionen und noch keine Entzündungen im Nervenwasser aufweisen“, so Dr. Martinelli.

Je weniger Vitamin D, desto früher der zweite Schub

Ein niedriger Wert für Vitamin D ist verbunden mit einem kürzeren Intervall zwischen dem klinisch isolierten Syndrom und dem Auftreten eines zweiten Schubes, sowie auch mit einer höheren jährlichen Rückfallrate. „Falls im Nervenwasser eine Entzündung (oligoklobale Banden) auftritt, sind die wichtigsten Prognosefaktoren für die kurzfristige Entwicklung einer MS der klinische Verlauf, ungewöhnliche EEG-Ergebnisse bei Sinnesreizen sowie im MRI sichtbare Läsionen“, so die Mailänder Forscher/-innen.

Risiko der Vitamin-D-Supplementierung untersucht

Die Liste der Studien, die den Vitamin-D-Mangel als einen möglichen MS-Risikofaktor ausmalen, wird somit immer länger, während es andererseits auch immer mehr Hinweise auf eine positive Wirkung von Vitamin-D3-Supplementierung bei Patienten/-innen mit MS oder anderen Autoimmunerkrankungen gibt. Entsprechende Empfehlungen erfordern allerdings, dass auch die Sicherheitsfrage hinreichend geklärt ist. Eine weitere auf dem ENS-Kongress präsentierte Studie hat sich dieser Aufgabe gewidmet. Das Forscherteam um Dr. Seyed Massood Nabavi von der iranischen Shahed-Universität in Teheran hat untersucht, wie es um das Risiko einer pharmakologischen Vitamin-D3-Dosis bei MS-Patienten/-innen steht.

Das Forscherteam verabreichte 44 Patienten/-innen, bei denen im Zeitraum von maximal einem Jahr zuvor MS diagnostiziert worden war, eine Vitamin-D3-Einnahme in einer Überdosis von 50.000 IE (Internationale Einheiten, 1 IE = 0,025 µg) pro Woche. Das ist fast das Vierfache der täglichen Maximaldosis von 2.000 IE, die die Europäische Kommission für Jugendliche und Erwachsene bei Supplementierung über einen längeren Zeitraum empfiehlt. Alle getesteten Patienten/-innen zeigten zu Beginn der Maßnahme geringfügige funktionelle Störungen, jedoch noch keine Behinderungen.

Die Konzentration von Calcidiol im Blut stieg in dieser Gruppe von 7,3 ±15 ng/dl, was einem teilweise schweren Vitamin-D-Mangel entspricht, bis auf den günstigen Wert von 45,6 ± 34,9ng/dl im sechsten Monat. Klinische Zeichen einer Vitamin-D-Vergiftung blieben bei allen untersuchten Patienten/-innen aus. Daneben wurden jedoch auch andere sicherheitsrelevanten Marker im Blut beobachtet. Auch beim Kalzium im Blut, beim für die Nierenfunktion aussagekräftigen Kreatinin sowie bei der Kalziumausscheidung im 24-Stunden-Urin blieben alle Teilnehmer/-innen im normalen Bereich der Referenzwerte, und es kam zu keinem Hinweis auf Toxizität.

„Die Daten unterstützen die Tolerierbarkeit einer pharmakologischen Dosis von Vitamin D3, zumindest von 50.000 Einheiten pro Woche”, berichteten die iranischen Forscher/-innen. „Vitamin D-Einnahme ist also auch über die physiologisch empfohlene Dosierung hinaus für MS-Patienten/-innen sicher.“

Literaturhinweis:
ENS Abstract O 291: Vitamin D levels and risk of developing multiple sclerosis; ENS Abstract P 702: Vitamin D supplementation in multiple sclerosis patients: considering the safety issues.

Quelle: ENS 2012


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