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Medizin

19. Dezember 2017 Hormonersatztherapie bleibt erste Wahl in den Wechseljahren

Vor einigen Tagen veröffentlichte die US-amerikanische Task Force für Prävention eine Stellungnahme, nach der die Hormonersatztherapie nicht zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geeignet sei. Die Autorinnen – beide Ärztinnen für Innere Medizin und keine Frauenärztinnen – beziehen sich dabei auf Empfehlungen derselben Task Force aus den 90er Jahren, nach denen seinerzeit eine Hormonersatztherapie allen Frauen nach der Menopause nahegelegt werden sollte, um künftige Herzinfarkte zu vermeiden. „Die Aussage von ÄrztInnen der Task Force wird in manchen Medien falsch interpretiert", stellt Dr. med. Christian Albring fest, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.
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"Die Hormonersatztherapie wird im Allgemeinen nicht präventiv eingesetzt. Frauen- und Hausärzte verschreiben die Hormone bei Frauen mit Beschwerden durch den Hormonmangel der Wechseljahre. Die Aussagen der US PSTF sind auch nicht neu und gleichzeitig fragwürdig. In der vorliegenden Veröffentlichung beziehen sie sich erneut auf die 15 Jahre alte WHI Studie, deren Aussagefähigkeit von den Autoren selbst mittlerweile infrage gestellt wird."

Albring legt dar, dass die Autoren nicht darauf eingehen, dass die Hälfte der Frauen in der WHI-Studie rauchte, ein Drittel an Bluthochdruck litt und ein Drittel adipös war, dass ein Teil der Studienteilnehmerinnen schon Herzinfarkte hatte beziehungsweise Bypass-Operationen am Herzen und vieles mehr: Diese sind alle Risikofaktoren für Brustkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und Thrombosen.

Prof. Dr. Robert D. Langer MD, MPH, Jackson, WY/USA, ein Mitglied des Steering Committee der WHI-Studie erklärte noch auf dem Deutschen Menopause-Kongress im November 2017, dass der Bericht über die Studie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und die Sensationslust über die seriöse Wissenschaft gestellt habe. Langer betonte, dass die Hormonersatztherapie (Hormone Replacement Therapy = HRT) für alle Frauen mit Wechseljahresymptomen oder anderen manifesten gesundheitlichen Folgen eines Östrogenmangels geeignet sei, solange keine Kontraindikationen vorlägen. Langfristige Beobachtungs- und klinische Studien belegten, so Langer, dass der Nutzen die Risiken für die meisten Frauen deutlich überwiege, wenn sie innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause mit der Therapie beginnen. Und es gebe keine Gründe, die Dauer einer Östrogenmonotherapie zu begrenzen.

Die aktuelle Leitlinie des britischen nationalen Gesundheitsinstituts NICE (NICE = National Institute for Health and Care Ecxellence) beurteilt die Situation auch deutlich anders und sieht einen positiven Effekt der Hormonersatzbehandlung auf dünner werdende und schrumpfende Haut und Schleimhaut im Intim- und Blasenbereich (Urogenital-Atrophie), wie sie bei Frauen nach der Menopause häufig vorkommt, und auf die Osteoporose. NICE sieht keine Steigerung des kardiovaskulären Risikos, wenn die HRT unterhalb von 60 Jahren beginnt, sowie keine Erhöhung des Risikos für die Entwicklung eines Typ-II-Diabetes. Bezüglich des Brustkrebsrisikos sieht sie bei alleiniger Östrogentherapie keinen oder nur einen kleinen Risikoanstieg; eine zusätzliche Gestagen-Gabe kann das Risiko steigern. Jeglicher Risiko-Anstieg sei mit der Dauer der Behandlung verbunden und reduziere sich nach Einnahmestopp.

"Die US PSTF bleibt die Antwort auf die Frage schuldig, warum zwar bei frühem Verlust der Eierstöcke ein Hormonersatz vorgenommen wird, dieser aber mit 50 Jahren beendet werden soll", erläutert Albring. "Die Task Force gibt auch keine Antwort auf die Feststellung des WHI-Follow-up nach 18 Jahren. Hier wurde beschrieben, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz inklusive Alzheimer zu versterben, für Hormon-Anwenderinnen signifikant reduziert war, wobei vor allem Anwenderinnen profitieren, die nach Entfernung der Gebärmutter nur Östrogen einnehmen. Ebenfalls fehlen die Aussagen zur parenteralen Hormonersatzbehandlung zum Beispiel mit Pflaster, Gel oder Spray, die sowohl mit Östrogen als auch kombiniert mit Progesteron möglich ist."

Im Übrigen stellen trotz aller Bedenken auch die Autorinnen der neuen Publikation fest, dass für Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie eine sinnvolle Option ist.

Quelle: Berufsverband der Frauenärzte

Literatur:

Cora E. Lewis, Melissa F. Wellons.
Menopausal Hormone Therapy for Primary Prevention of Chronic Disease.
JAMA. 2017;318(22):2187–2189. doi:10.1001/jama.2017.16974 
https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2665758 Entnommen 18.12.2017
 


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