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Medizin

25. Juli 2019 Hypertonie: Unzureichende Behandlung in einkommensschwachen Ländern

Das Gesundheitswesen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen ist nur unzureichend auf die zunehmende Zahl von Hypertonie-Erkrankungen vorbereitet. Mehr als zwei Drittel aller betroffenen Menschen sind ohne Behandlung. Dies haben Forscher unter Leitung der Harvard T.H. Chan School of Public Health, der Universität Göttingen und der Medizinischen Fakultät Heidelberg herausgefunden. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienen.
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Fachinformation
Das Forscherteam analysierte die Gesundheitsversorgung von Bluthochdruck in 44 Ländern des Globalen Südens. Mit der Kaskadenmethodik ermittelten sie, wie gut die Gesundheitssysteme der verschiedenen Länder angepasst sind. Wie ein stufenartiger Wasserfall zeigt eine Kaskade Schritt für Schritt auf, wo Patienten in Gesundheitssystemen verloren gehen. Zunächst stellten die Forscher fest, wie viele Personen an Hypertonie leiden. Davon ausgehend ermittelten sie, wie viele Patienten davon jeweils untersucht, diagnostiziert und behandelt wurden. Schließlich analysierten sie, wie viele Patienten die Krankheit mit Medikamenten erfolgreich unter Kontrolle haben.

Unzureichende Versorgung

„Bluthochdruck ist schon jetzt am weitesten verbreitet in Regionen, die zum Globalen Süden gehören, besonders in Subsahara-Afrika und Zentral- sowie Südasien“, sagt Pascal Geldsetzer, Postdoktorand an der Harvard T.H. Chan School of Public Health und Erstautor der Studie. „Unsere Studie zeigt nicht nur, dass die Fürsorge für Bluthochdruck in diesen Ländern stark unzureichend ist, sondern auch, wo genau Patienten im Prozess der Bluthochdruckbehandlung verlorengehen.“

Volkskrankheit des Globalen Süden

Das Ergebnis: Bei weniger als der Hälfte der Betroffenen wird die Hypertonie diagnostiziert. Lediglich 30% dieser Patienten werden behandelt und nur ein Zehntel hat die Krankheit unter Kontrolle. „Bluthochdruck kann relativ gut und kostengünstig behandelt werden“, sagt Sebastian Vollmer, Professor für Entwicklungsökonomie an der Universität Göttingen. „Nicht diagnostizierter oder unbehandelter Bluthochdruck hingegen ist ein erhebliches Risiko für die betroffenen Menschen und kann zu erheblichen Komplikationen bis hin zum Tod führen.“ Till Bärnighausen, Professor für Globale Gesundheit an Universitätsklinikum und Medizinischer Fakultät Heidelberg und korrespondierender Autor der Studie, fügt hinzu: „Bluthochdruck ist schon jetzt eine der großen Volkskrankheiten im Globalen Süden und wird immer häufiger, da die Bevölkerung in diesen Ländern altert. Diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger dazu, an welcher Stelle der Kette des Behandlungsprozesses für Bluthochdruck momentan die größten Probleme herrschen.“

Um die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder zu verbessern, werfen die Autoren einen Blick auf die Erfolgsrezepte gut angepasster Gesundheitssysteme. Costa Rica, Bangladesch, Brasilien, Ecuador, Kirgistan und Peru gehen als gute Beispiele aus der Studie hervor. Die Analyse erfolgte unter anderem mit Hilfe von STEPS-Daten der Weltgesundheitsorganisation.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen


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