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Medizin

13. Februar 2020 Hypoglykämie: Angst betrifft Patient und Angehörige

„Zwei Drittel der Typ-2-Patienten bewerten den Beginn einer Insulintherapie als schwere Krise“, betonte Dr. Susan Clever, Hamburg. Vor allem plagt viele die Angst vor Unterzuckerungen. Kein Wunder: Ein Großteil der Zuckerkranken, die Insulin erhalten, können ihre Therapie alleine durchführen – außer bei (schweren) Hypoglykämien, so die Fachpsychologin Diabetes (DDG).
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Angst führt zu Verhaltensänderung

Die Angst ist nicht ganz unbegründet, schließlich können schwere Ereignisse lebensgefährlich werden. Auch überstandene Hypoglykämien können Folgen haben und zum Beispiel in eine chronischen Angst vor weiteren Unterzuckerungen münden. Viele Betroffene ändern zudem aus Furcht vor einer Wiederholung des Erlebten ihr Verhalten. So spritzen die einen weniger Insulin, als sie bräuchten und riskieren dadurch hohe Glukosewerte, während andere aus Angst vor nächtlichen Unterzuckerungen schlecht schlafen. Häufig zu beobachten ist auch das Einschränken von familiären und sozialen Aktivitäten – und damit auch von Kontakten –, um bereits erlebte Risikosituationen zu vermeiden. Solche Maßnahmen des Verzichts, etwa auf den geliebten Fastnachtsverein, auf Wandern oder Sport, mindern die Lebensqualität.

Angst der Angehörigen

Von all dem erfährt der behandelnde Arzt aber oft nur auf Nachfrage etwas. Auch die Belastung der Angehörigen durch Hypoglykämien der Patienten ist oft hoch, aber kaum bekannt. Einer Befragung zufolge sind zwei Drittel der Angehörigen wegen des Unterzuckerungsrisikos ihres Familienmitgliedes besorgt. Drei Viertel kümmern sich deshalb weniger um ihr eigenes Wohlergehen: Sie arbeiten zum Beispiel nur in Teilzeit oder verzichten auf einen Urlaub mit Freunden, weil sie fürchten, der Patient könnte unterzuckern, während sie weg sind. Stattdessen agieren sie als sein Wächter und Beschützer und beobachten ihn sorgenvoll. Dabei haben sie oft mehr Angst vor Hypoglykämien als die Patienten selbst, so Clever.

Weniger Hypoglykämien mit Insulin degludec

Mit dem basalen Insulin degludec (Tresiba®) wurden im Vergleich zu Insulin glargin 100 E/ml bei verschiedenen Typ-2-Populationen weniger Unterzuckerungen verzeichnet, berichtete Prof. Sebastian Schmid aus Lübeck. Etwa in der DEVOTE-Studie mit Insulin-erfahrenen Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko: Bei vergleichbarem HbA1c fiel die Rate schwerer Hypoglykämien mit Insulin degludec um 40% niedriger aus.
In der Erhaltungsphase der CONCLUDE-Studie (Insulin degludec vs. Insulin glargin 300 E/ml) waren Unterzuckerungen insgesamt mit Insulin degludec nur numerisch etwas seltener (nicht signifikant). Dafür verringerten sich die von vielen Patienten gefürchteten nächtlichen Ereignisse (schwere oder bestätigte symptomatische Unterzuckerungen) signifikant und deutlich unter Insulin degludec (-37%; RR: 0,63; 95%-KI: 0,48; 0,84). Die Rate schwerer Hypoglykämien nahm um 80% ab.

Helga Brettschneider

Quelle: Presseveranstaltung „Den Alltag mit Typ-2-Diabetes meistern – Experten-Gesprächsrunde zur Basalinsulin-Therapie“, 15. Januar 2020, Frankfurt am Main; Veranstalter: Novo Nordisk Pharma GmbH


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