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Medizin

28. September 2018 Ideenwettbewerb 2018: Auszeichnung für Erforschung der Zusammenhänge von Neuropathien und entzündlich-rheumatischen Erkrankungen

In diesem Jahr wird die Deutsche Rheumastiftung 10 Jahre alt. Seit 7 Jahren schreibt sie den „Ideenwettbewerb“ aus, der innovative Forschungsideen fördert. Die Preisverleihung 2018 bildete den Auftakt zu einem Jubiläumssymposium, das am 21. September im Rahmen des 46. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Mannheim stattfand. Fachlicher Schwerpunkt des Symposiums war die „Erforschung der Zusammenhänge von Neuropathien und entzündlich-rheumatischen Erkrankungen“. Die Deutsche Rheumastiftung zeichnete den Assistenzarzt Vincent Casteleyn aus Berlin als Gewinner des „Ideenwettbewerbs 2018“ für seine Idee aus, diese Zusammenhänge systematisch zu erforschen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.
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Verschiedene entzündlich-rheumatische Erkrankungen können zu unterschiedlichen Schäden am zentralen und peripheren Nervensystem führen. Bei der rheumatoiden Arthritis etwa stellt das Karpaltunnelsyndrom eine häufige Form dar. Dabei entzündet sich der Nervenkanal im Handgelenk, durch den der Nervus medianus verläuft. Dadurch entsteht ein Engpass, der den Nerv reizt und zu starken Schmerzen führt. Es können sich aber auch die Blutgefäße in der Nähe von peripheren Nerven entzünden. Infolgedessen gelangt zu wenig Sauerstoff zu den Nervenzellen, sodass sie schließlich absterben. Oft betreffen die Entzündungen kleine Nerven und isolierte Bereiche, seltener das gesamte periphere Nervensystem.
 
Warum dies passiert und warum bestimmte Nerven befallen sind und andere nicht, ist noch weitgehend unbekannt. „Die Idee, diese Zusammenhänge systematisch konsequent und anhand von Beispielen aus dem klinischen Alltag zu erforschen, gleichermaßen mit dem Blick auf Wissenschaft und eine bessere Patientenversorgung, hat die Jury beeindruckt,“ sagt der 1. Vorsitzende der Deutschen Rheumastiftung, Prof. Dr. Jürgen Braun, Leiter des Rheumazentrums Ruhrgebiet, St. Elisabeth Gruppe, in Herne. Ein besonders wichtiger Grund dafür, diese Vorgänge besser zu erforschen sei die Tatsache, dass neuropathische Schmerzen für den Patienten besonders quälend sind.
 
Preisträger Casteleyn, geboren 1991, begründet die interdisziplinäre Bewerbung der beiden Fachbereiche zudem mit einer Vielzahl gemeinsam behandelter Fälle. Er selbst arbeitet an der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und entwickelte die Projektidee zusammen mit Prof. Dr. Werner Stenzel vom Institut für Neuropathologie, ebenfalls Charité. Den Fokus ihrer Studien legen die Forscher auf die Vaskulitiden. Hierbei handelt es sich um Gefäßentzündungen, die wie alle entzündlich-rheumatischen Krankheiten durch ein fehlgeleitetes Immunsystem entstehen: Anstatt Schutz zu bieten, greift es die eigenen Gewebe und Organe an – in diesem Fall Blutgefäße. Die körpereigene Abwehr ruft entzündliche Prozesse hervor, die dem Körper schweren Schaden zufügen können.
 
Bislang nahmen Casteleyn und Kollegen mehr als 30 Nervenproben von Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und Nervenschäden. Die Gewebeanalyse der Proben ermöglicht oft eine rasche Behandlung. „Denn trotz Nebenwirkungen empfehlen wir für diese Patienten gezielte medikamentöse Therapien, um ein Absterben der Nerven zu verhindern, wie etwa eine intravenöse Glukokortikoidgabe und darüber hinausführende Therapien, sollte es sich um einen Vaskulitis-bedingten Nervenschaden handeln“, erläutert Casteleyn. „Wir wollen für mögliche Therapien eine wissenschaftliche Basis schaffen, um eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten.“ Sie planen, anhand der Gewebeproben darzustellen, wie die Immunzellen den Entzündungsprozess vorantreiben und die Gefäßwände attackieren. Die Forscher möchten außerdem betroffene Patientengruppen, die Gefäßentzündungen selbst und die Nervenschäden genau beschreiben. Beantworten möchten sie auch, welche rheumatologischen Erkrankungen mit welchen Formen der Gefäßentzündung einhergehen und welche Vorhersagen „Biomarker“ hierfür zulassen. „Besonders wichtig ist uns schließlich Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, um Patienten eine umgehende und standardisierte Versorgung anbieten zu können“, betont Casteleyn.
 
Jährlich fördert die Deutsche Rheumastiftung kreative wissenschaftliche Ideen mit dem Förderprojekt „Ideenwettbewerb“. Seit 2011 wurden zahlreiche innovative Forschungsprojekte in der Rheumatologie damit unterstützt. Zum ersten Mal findet deshalb in diesem Jahr ein wissenschaftliches Symposium mit dem Schwerpunkt des Ideenwettbewerbs statt. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert, die Firmen Lilly Deutschland GmbH und Novartis Pharma GmbH tragen das Preisgeld.

Quelle: DGRh


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