Montag, 23. September 2019
Navigation öffnen

Medizin

09. Mai 2019 Idiopathische Lungenfibrose: Nintedanib zeigt klinisch relevanten Effekt auf Krankheitsverlauf

Seit 2015 ist der niedermolekulare Tyrosinkinase-lnhibitor (TKI) Nintedanib (OFEV®) in der Europäischen Union bei Erwachsenen zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) zugelassen (1). Gehemmt werden gezielt Signalwege, die an Umbauprozessen der Lunge bei IPF-Patienten beteiligt sind (2,3).
Anzeige:
Fachinformation
Nintedanib bremst Krankheitsverlauf

Die aktualisierte deutsche S2k-Leitlinie „Idiopathische Lungenfibrose: Update zur medikamentösen Therapie“ empfiehlt  Nintedanib zur Behandlung  von IPF-Patienten (Empfehlungsgrad A, 1-a) (4). Die Leitlinienkommission bestätigt für Nintedanib einen durch Studien belegten positiven und klinisch relevanten Effekt auf den Krankheitsverlauf der IPF bei einem insgesamt akzeptablen Nebenwirkungsprofil (4). Die gemeinsame Therapieentscheidung von Arzt und Patient sollte den Schweregrad, das Nebenwirkungsprofil, die Komorbiditäten und Komedikation sowie den Lebensstil und die persönliche Präferenz des Patienten berücksichtigen (4). Zur Beurteilung der Therapieeffektivität müssen klinische Faktoren und mögliche Komplikationen (wie z.B. akute Exazerbationen) berücksichtigt werden (4).

Wie eine gepoolte Analyse der INPULSIS®-Studien zeigt, reduzierte Nintedanib die jährliche Abnahme der Lungenfunktion  (forcierte  Vitalkapazität; FVC; primärer Studien-Endpunkt) gegenüber Placebo um etwa 50% (113,6 ml/Jahr vs. 223,5 ml/Jahr, gepoolte Daten beider Studien) und bremste damit den Krankheitsverlauf: In der INPULSIS®-1-Studie verminderte Nintedanib die jährliche FVC-Abnahme um 52,2% (von 239,9 ml auf 114,7 ml),  in der INPULSIS®-2-Studie um 45,2% (von 207,3 ml auf 113,6 ml) (1,2). Die FVC ist das Luftvolumen, welches nach maximalem Einatmen so schnell  und kräftig wie möglich ausgeatmet werden kann (forcierte Exspiration). Sie gilt gegenwärtig als der am besten validierte und am breitesten eingesetzte Endpunkt in klinischen IPF-Studien (5-7). Zudem ist sie eine verlässliche und aussagekräftige Messgröße für die Krankheitsprogression (7,8). Während die FVC bei gesunden älteren Patienten jährlich um etwa 30-65 ml abnimmt (9,10), verringert sich diese bei IPF-Patienten um etwa 200 ml pro Jahr (11). Eine FVC-Abnahme im Verlauf von 6 Monaten um mehr als 5% gegenüber dem Sollwert korreliert mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko (6,7,12).

Risiko-Reduktion akuter IPF-Exazerbationen

Nintedanib reduzierte signifikant das Risiko akuter IPF-Exazerbationen um ca. 50% (HR 0,53; 95%-KI: 0,34-0,83; p=0,0047), wie eine gepoolte Analyse der zulassungsrelevanten Studien, der Phase-II-Studie TOMORROW und der beiden Phase-III-Studien INPULSIS®-1 und -2, zeigte (13,18). Die Auswertung der INPULSIS®-ON-Studie weist zudem darauf hin, dass die Risikoreduktion von akuten Exazerbationen über 4 Jahre hinaus bestehen bleibt (14,21). Nur Nintedanib konnte das Risiko akuter Exazerbationen in Studien nachweislich reduzieren (1,2,13). Akute IPF-Exazerbationen sind unvorhersehbare Verschlechterungen der Erkrankung, die sich erheblich auf die Prognose der IPF auswirken (1). Etwa 50% der Patienten mit einer akuten IPF-Exazerbation versterben noch im Krankenhaus und die Sterblichkeit innerhalb von 12 Monaten liegt bei etwa 80-90% (15,16). Den Krankheitsverlauf frühzeitig zu bremsen und das Risiko für akute Exazerbationen zu vermindern, sind somit wichtige Therapieziele bei IPF (4,17).

Wie Subgruppenanalysen der  zulassungsrelevanten INPULSIS®-Studien zeigen, bremste Nintedanib den Krankheitsverlauf der IPF bei einem breiten  Patientenspektrum (2,11,13,22). Nintedanib konnte den jährlichen FVC-Verlust bei Patienten sowohl in einem frühen Stadium der IPF (FVC > 90% vom  Sollwert zu Studienbeginn) im Vergleich zu Placebo senken (91,5 ml vs. 224,6 ml) (11) als auch bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung (Dlco < 35% vom Sollwert) (22). Nintedanib verlangsamte zudem konsistent die FVC-Abnahme bei Patienten mit und ohne Honigwabenbildung im HRCT (20) sowie bei Patienten mit und ohne Lungenemphysem (19).

Das Fortschreiten der Erkrankung schon in einem frühen Stadium aktiv zu bremsen, bietet die Chance, möglichst viel des noch funktionsfähigen Lungengewebes zu erhalten. Eine frühe Diagnose und ein früher Therapiestart werden daher dringend empfohlen (4).

Nebenwirkungsprofil

Das  Nebenwirkungsprofil der Therapie mit  Nintedanib ist akzeptabel und auftretende Nebenwirkungen können bei den meisten Patienten effektiv behandelt  werden (1,2). Die  häufigsten Nebenwirkungen unter der Therapie mit Nintedanib sind gastrointestinale Beschwerden (2). Diese waren von zumeist leichter bis mittelschwerer Intensität und ließen sich in der Regel gut behandeln. Mit einer symptomatischen Behandlung mit Antidiarrhoika, Dosisreduktion oder  Behandlungsunterbrechung gelang es meist, einer Diarrhö entgegenzuwirken (2,23). Über 95% der von Diarrhö betroffenen Patienten setzten die Behandlung im Rahmen der INPULSIS®-Studien fort (2,23). Es kam zu keinen Berichten über Fotosensibilität als Nebenwirkung von Nintedanib (1,2). Das positive Sicherheitsprofil von Nintedanib wurde auch in einer gepoolten Auswertung von Daten aus 6 klinischen Studien  bestätigt (24).

Geringe Zahl an Einzeldosen

Die empfohlene Standarddosis ist vom Beginn der Therapie an 2x täglich 150 mg Nintedanib, eine Titration ist nicht erforderlich (1). Die beiden Dosen können im Abstand von ca. 12 Stunden, am besten morgens und abends, eingenommen werden, sodass eine sonst oft notwendige Mittagsdosis entfällt (1). Eine geringere Zahl von Einzeldosen erhöht nachweislich die Therapietreue der Patienten und kann so zu einem höheren Therapieerfolg beitragen (25,26). Damit ist die Behandlung mit Nintedanib in der täglichen Anwendung einfach, praktikabel und alltagstauglich. Der Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweis wurde in den INPULSIS®-Studien bereits in der Standarddosierung (150 mg 2 x täglich) erbracht und ist seitdem bewährt (1,2,14,27).

Quelle: Boehringer Ingelheim

Literatur:

(1) Boehringer Ingelheim. OFEV® Fachinformation, Stand Oktober 2018.
(2) Richeldi L, du Bois RM, Raghu G, et al. Efficacy and safety of nintedanib in idiopathic pulmonary fibrosis. N Engl J Med 2014; 370 (22): 2071-82.
(3) Richeldi L, Costabel U, Selman M, et al. Efficacy of a tyrosine kinase inhibitor in idiopathic pulmonary fibrosis. N Engl J Med 2011; 365 (12): 1079-87.
(4) Behr J, Günther A, Bonella F, et al. S2k-Leitlinie Idiopathische Lungenfibrose: Update zur medikamentösen Therapie. Pneumologie 2017; 71 (7): 460-74.
(5) Nathan SO, Meyer KC. IPF clinical trial design and endpoints. Curr Opin Pulm Med 2014; 20 (5): 463-71.
(6) du Bois RM, Weycker D, Albera C, et al. Forced vital capacity in patients with idiopathic pulmonary fibrosis. Am J Respir Crit Care Med 2011; 184 (12): 1382-9.
(7) Behr J, Bonella F, Bannet R, et al. Positionspapier zur Bedeutung der forcierten Vitalkapazität für Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF). Pneumologie 2015; 69 (08): 455-8.
(8) Ley B, Collard HR, King TE. Clinical course and prediction of survival in idiopathic pulmonary fibrosis. Am Respir Crit Care Med 2011; 183 (4): 431-40.
(9) Janssens J-P. Aging of the respiratory system: impact on pulmonary function tests and adaptation to exertion. Lung Extreme Environ 2005; 26 (3): 469-84.
(10) Griffith I, Sherrill D, Siegel E, et al. Predictors of loss of lung function in the elderly. Am J Respir Crit Care Med 2001; 163 (1): 61-8.
(11) Kolb M, Richeldi L, Behr J, et al. Nintedanib in patients with idiopathic pulmonary fibrosis and preserved lung volume. Thorax 2017; 72 (4): 340-6.
(12) Zappala CJ, Latsi PI, Nicholson AG, et al. Marginal decline in forced vital capacity is associated with a poor outcome in idiopathic pulmonary fibrosis. Eur Respir J 2010; 35 (4): 830-6.
(13) Richeldi L, Cottin V, du Bois RM, et al. Nintedanib in patients with idiopathic pulmonary fibrosis: combined evidence from the TOMORROW and INPULSIS® trials. Respir Med 2016; 113: 74-9.
(14) Crestani B, Huggins JT, Kaye M,  et al. Long-term safety and tolerability of nintedanib in patients with idiopathic pulmonary fibrosis: results from the open-label extension study, INPULSIS-ON. Lancet Respir Med 2019; 7(1): 60-8.
(15) Collard HR, Moore BB, Flaherty KR, et al. Acute exacerbations of idiopathic pulmonary fibrosis. Am J Respir Crit Care Med 2007; 176 (7): 636-43.
(16) Song JW, Hong S-B, Lim C-M, et al. Acute exacerbation of idiopathic pulmonary fibrosis: incidence, risk factors and outcome. Eur Respir J 2011; 37 (2): 356-63.
(17) Richeldi L. Time for prevention of idiopathic pulmonary fibrosis exacerbation. Ann Am Thorac Soc 2015; 12(Suppl 2): 181-5.
(18) Noth I, Wijsenbeek M,Kolb M, et al. Cardiovascular safety of nintedanib in subgroups by cardiovascular risk at baseline in the TOMORROW and IMPULSIS® trials. Am J  Respir Crit Care Med 2017; 195: A5383.
(19) Cottin V, Taniguchi H, Richeldi L, et al. Effect of baseline emphysema on reduction in FVC decline with nintedanib in the INPULSIS trials. TSANZ Annual Scientific Conference 2015: TO 114.
(20) Raghu G, Wells AU, Nicholson AG, et al. Effect of nintedanib in subgroups of idiopathic pulmonary fibrosis by diagnostic criteria. Am J Respir Crit Care Med 2016; 195 (1): 78-85.
(21) Costabel U, Inoue Y, Richeldi L, et al. Efficacy of nintedanib in idiopathic pulmonary fibrosis across pre­ specified subgroups in INPULSIS. Am J  Respir Crit Care Med 2016; 193 (2): 178-85.
(22) Kolb M, Raghu G, Wells AU, et al. Nintedanib plus sildenafil in patients with idiopathic pulmonary fibrosis. N Engl J Med 2018; 379 (18): 1722-31.
(23) Corte T, Bonella F, Crestani B, et al. Safety, tolerability and appropriate use of nintedanib in idiopathic pulmonary fibrosis. Respir Res 2015.
(24) Lancaster L, Hernandez P, Inoue Y, et al. Safety and tolerability of nintedanib in patients with idiopathic pulmonary fibrosis (IPF): pooled data from six clinical trials. Am J Respir Crit Care Med 2018; 197: A1642.
(25) Claxton A J, Cramer J, Pierce C. A systematic review of the associations between dose regimens and medication compliance. Clin Ther 2001; 23 (8): 1296-310.
(26) Saini SD, Schoenfeld P, Kaulback K, et al. Effect of medication dosing frequency on adherence in chronic diseases. Am J Manag Care 2009; 15 (6): e22-33.
(27) Brunnemer E, Wälscher J, Tenenbaum S, et al. Real-world experience with nintedanib in patients with idiopathic pulmonary fibrosis. Respiration 2018; 95 (5): 301-9.


Das könnte Sie auch interessieren

Reha-Maßnahme bei Diabetes Typ 2 – so geht‘s

Reha-Maßnahme bei Diabetes Typ 2 – so geht‘s
© Robert Kneschke - stock.adobe.com

Sie wissen nicht, wie Sie am Arbeitsplatz mit Ihrer Diabeteserkrankung umgehen sollen? Sie bekommen Ihren Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c nicht in den Griff oder leiden zusätzlich unter Depressionen? Sie müssten dringend abnehmen, sich mehr bewegen und gesund ernähren? Dann könnte eine medizinische Rehabilitation die richtige Maßnahme für Sie sein. Was bei der Antragstellung zu beachten ist, erklären Experten. 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Idiopathische Lungenfibrose: Nintedanib zeigt klinisch relevanten Effekt auf Krankheitsverlauf "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.