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Medizin

16. Oktober 2017 Impfprävention gegen Meningokokken-Erkrankungen nicht nur für Kleinkinder wichtig

„Jugendliche und junge Erwachsene stellen einen erheblichen Teil der Krankheitsfälle von invasiven Meningokokken-Erkrankungen (IME) dar und spielen möglicherweise eine Schlüsselrolle bei der Übertragung der Erreger“, erklärte Prof. Dr. Tino Schwarz, Chefarzt des Zentrallabors und Impfzentrums des Klinikums Würzburg Mitte, auf der 113. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). In Deutschland sind Meningokokken der Serogruppe B (MenB) mit rund 60% aller IME für die Mehrheit der Krankheitsfälle verantwortlich (Stand 2016) (1). Seit August bietet der neue Meningokokken-B-Impfstoff Trumenba® für Jugendliche ab 10 Jahren und Erwachsene jeder Altersgruppe eine wichtige Ergänzung in der Impfprophylaxe. Die Vakzine ist zur aktiven Immunisierung von Personen ab 10 Jahren gegen invasive Meningokokken-Erkrankungen, verursacht durch Neisseria meningitidis der Serogruppe B, zugelassen (2). Trumenba® ist der einzige zugelassene Impfstoff gegen MenB, der Varianten beider Unterfamilien (A und B) des Proteins fHbp enthält.
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„Die breite Expression auf vielen MenB-Stämmen, die wichtige Rolle des Antigens für den Schutz des Bakteriums vor dem menschlichen Immunsystem sowie die Immunogenität von fHbp machen dieses Oberflächenprotein zu einem geeigneten Impfstoff-Kandidaten“, so Prof. Dr. Markus Knuf, Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Wiesbadener HELIOS Kliniken. fHbp ist auf der Oberfläche von über 96% der invasiven MenB-Stämme in Europa zu finden (2). Es ist an der Immunevasion der Meningokokken beteiligt und somit ein wichtiger Virulenzfaktor der Bakterien. Das umfassende Studienprogramm zu Trumenba® umfasste elf Studien, in denen mehr als 15.000 Probanden mit Trumenba® geimpft wurden (2). Die Impfantwort wurde hierbei gegen die Stämme untersucht, die zusammengenommen die Meningokokken-Stämme der Serogruppe B repräsentierten, die eine invasive Erkrankung verursachen. Eine weitere Untersuchung von über 2.150 verschiedenen Isolaten invasiver Meningokokken der Serogruppe B aus sieben europäischen Ländern, den USA und Kanada zeigte, dass über 91% aller Isolate das Protein fHbp in ausreichendem Maß exprimierten, um von der bakteriziden Abtötung durch Impfstoff-induzierte Antikörper erfasst zu werden. In einer Langzeitstudie waren bakterizide Antikörper bis zu vier Jahre nach einer Grundimmunisierung untersucht worden und die Immunantwort erwies sich als auffrischbar (2).

Die Grundimmunisierung mit Trumenba® kann mit zwei oder drei Dosen erfolgen. Die Verträglichkeit des Impfstoffs wurde im Rahmen klinischer Studien untersucht und bestätigt. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und Müdigkeit (2).

Zweiter Inzidenzgipfel von IME bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

IME sind mit geschätzten 1,2 Millionen Infektionen und ca. 135.000 Todesfällen pro Jahr weltweit ein globales Problem (3). Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen findet sich neben Säuglingen und Kleinkindern ein zweiter Inzidenzgipfel für diese Infektionskrankheit (1). Studien legen nahe, dass das typische Sozialverhalten Jugendlicher, wie z.B. enge soziale Kontakte, das Teilen von Getränken sowie häufiges Reisen die Trägerschaft der Krankheitserreger erhöht (4).

Die Mannheimerin Susanne Schwenger hat die Auswirkungen einer Infektion am eigenen Leib erfahren, als sie mit Mitte 20 an einer Meningokokken-Meningitis und Sepsis erkrankte. Nach ersten Symptomen in der Nacht stieg das Fieber innerhalb weniger Stunden auf über 40°C. Als sie in die Notaufnahme gebracht wurde, war sie kaum noch ansprechbar. Eine Woche lag sie daraufhin im Koma und wurde intensivmedizinisch behandelt. „Die Ärzte waren nicht sicher, ob ich wieder aus dem Koma aufwachen würde”, erinnerte sich Susanne Schwenger an Berichte ihres Mannes. Heute ist die junge Frau wieder genesen, die Nachwirkungen wie z.B. Kopfschmerzen und eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen spürt sie rund zehn Jahre nach der Erkrankung aber noch immer.

Die ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe B bei Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz, für gefährdetes Laborpersonal, bei Ausbrüchen und regionalen Häufungen auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden und für Schüler/Studenten vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit empfohlener Impfung (5). Die Kosten werden gemäß der Schutzimpfungsrichtlinie für alle von der STIKO empfohlenen Gruppen erstattet (6). Viele Krankenkassen bieten darüber hinaus eine Erstattung der Kosten als zusätzliche Leistung für ihre Versicherten an (z.B. im Rahmen von Reiseschutzimpfungen oder für Jugendliche). Die Bedingungen der Rückerstattung variieren je nach Krankenkasse. Patienten sollten sich daher bei ihren Krankenkassen informieren, ob die Erstattung von Trumenba® übernommen wird.

In vielen Ländern Europas – z.B. Großbritannien, Irland, Spanien, Portugal, Griechenland, Niederlande – ist die Inzidenz für invasive Meningokokken-Erkrankungen der Serogruppe B höher als in Deutschland (Stand 2015) (7). Die Serogruppenverteilung ist zudem dynamisch und unterscheidet sich in vielen Regionen der Welt. Eine ärztliche Beratung kann helfen, die Risiken besser einzuschätzen. Deshalb nimmt gerade in der Impfprävention die Aufklärung der Patienten durch den Arzt einen wichtigen Stellenwert ein.

Quelle: Pfizer

Literatur:

(1) RKI, Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten 2016, 2017.
(2)  Fachinformation Trumenba®, Stand: Mai 2017.
(3) Rouphael NG, Stephens DS. Neisseria meningitidis: Biology, Microbiology, and Epidemiology. Methods Mol Biol. 2012; 799:1-20.
(4) Poland, GA. Prevention of Meningococcal Disease: Current use of Polysaccharide and Conjugate Vaccines Clinical infectious diseases. 2010; 50 Suppl 2:45-53.
(5) Ständige Impfkommission (STIKO): Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI. Epid Bull. 2017; 34:333-380.
(6) Schutzimpfungs-Richtlinie Gemeinsamer Bundesausschuss, Stand: 20. Mai 2017. https://www.g-ba.de/informationen/richtlinien/60/.
(7) European Centre for Disease Prevention and Control. Surveillance Atlas of Infectious Diseases. http://ecdc.europa.eu/en/data-tools/atlas/Pages/atlas.aspx. Abfragedatum 15.09.2017.


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