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Medizin

01. Juni 2012 Initiative zur Optimierung der Versorgung von Fragilitätsfrakturen in Europa

Rund 115.000 Schenkelhalsbrüche aufgrund von Osteoporose gibt es jährlich allein in Deutschland, europaweit sind es rund 600.000. Zur Optimierung ihrer Versorgung arbeiten Orthopäden und Rheumatologen nun auf europäischer Ebene zusammen. Auf dem aktuellen Europäischen Orthopädiekongress (EFORT) in Berlin stellen Experten interdisziplinäre Strategien zur besseren Behandlung der Begleiterkrankungen dieser Patienten sowie zur verbesserten Nachsorge und der Prävention weiterer Brüche vor.
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„Mehr als zwei Millionen osteoporosebedingte Knochenbrüche, sogenannte Fragilitätsfrakturen, verzeichnen wir jährlich bei alten Menschen in den fünf größten Ländern Europas, allein 115.000 Hüftbrüche in Deutschland. Zahlen, die sich in einer finanziellen Belastung der europäischen Gesundheitssysteme von rund 31 Milliarden Euro niederschlagen“, betonte Prof. Dr. Karsten Dreinhöfer (Charité Universitätsmedizin und Medical Park Humboldtmühle, Berlin) heute auf dem 13. Kongress der European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT) in Berlin. „Während wir in den letzten Jahren auf dem Gebiet neuer Medikamente sowie effektiverer Operationstechniken große Fortschritte gemacht haben, hat die perioperative Versorgung der Begleiterkrankungen dieser vielen Patienten in den Spitälern noch viel Entwicklungspotenzial nach oben, ebenso wie die postoperative Versorgung und speziell die Prävention weiterer Knochenbrüche.“ Prof. Dreinhöfer ist Co-Gastgeber des wissenschaftlichen Großereignisses, auf dem rund 7.000 Orthopäden und Unfallchirurgen aus aller Welt zusammenkommen. Heute wurde der erste Entwurf neuer, verbesserter Behandlungsempfehlungen im Kontext der „European Alliance for Musculosceletal Health“ diskutiert. „Im Rahmen dieser neu gegründeten Plattform arbeiten Europas Orthopäden, Rheumatologen und betroffene Patienten, vertreten durch EFORT und die European League Against Rheumatism EULAR, erstmals gemeinsam an interdisziplinären Konzepten zur besseren Vorsorge und Therapie“, so Prof. Dreinhöfer. Die Experten sehen darin auch einen Beitrag zum EJAA 2012, dem Europäischen Jahr für aktives Altern.

Osteoporose: Kleine Erfolge in Europa, dramatischer Anstieg weltweit

Osteoporose ist eine der häufigsten Alterserkrankungen und besteht in einer Abnahme der Knochendichte, die zu erhöhtem Bruchrisiko auch bei sonst harmlosen Stürzen führt. Allein in Deutschland leben acht Millionen Osteoporose-Kranke, europaweit nicht weniger als 30 Millionen. Die schwerwiegendsten Fragilitätsfrakturen sind Schenkelhalsbrüche, die besondere Anforderungen an die Mobilisierung und Rehabilitation betroffener Patienten stellen. „In Europa konnte der durch die Alterung der Gesellschaft bedingte starke Anstieg solcher Altersbrüche in den allerletzten Jahren immerhin verlangsamt werden, vermutlich weil verbesserte Medikamente zur Erhöhung der Knochendichte auch verstärkt eingenommen werden“, so Prof. Dreinhöfer. „Durch den wirtschaftlichen Aufholprozess bevölkerungsreicher Schwellenländer wie Indien oder China stehen wir weltweit jedoch vor nach wie vor dramatisch steigenden Zahlen. In den kommenden 20 Jahren wird global ein Anstieg der Knochenbrüche um das Vierfache erwartet.“

„European Alliance for Musculosceletal Health“: Gemeinsam für Forschung und Patientenrechte

„Bei sehr vielen älteren Menschen spielen rheumatische Erkrankungen und solche, die in die Kompetenz der Orthopäden und Unfallchirurgen fallen, eng zusammen, sodass es sinnvoll ist, Forschungsanstrengungen und therapeutische Konzepte auf Basis der vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz interdisziplinär zu koordinieren“, erläuterte Prof. Dreinhöfer. „Das ist der Zweck der ‚European Alliance for Musculosceletal Health’.“ Die neue Allianz, die auf dem Berliner Orthopädiekongress durch EFORT-Präsident Prof. Dr. Pierre Hoffmeyer (Universitätsspital Genf) und EULAR-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Gerd-Rüdiger Burmeester (Charitè Universitätsmedizin, Berlin) vertreten wurde, soll beiden Fachgebieten auch mehr Rückhalt in der Verhandlung von EU-Geldern für wichtige Forschungsvorhaben und der Vertretung der Rechte betroffener Patienten in Brüssel verleihen.

Neue Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgung von alten Patienten mit Knochenbrüchen

„Der vorliegende Entwurf zeigt, dass schon dieses erste gemeinsame Projekt bedeutende Fortschritte bringen kann“, so Prof. Dreinhöfer. „Ein besonderes Anliegen ist es, dass ohnehin bereits gebrechliche Patienten das Krankenhaus nicht noch schwächer verlassen, als sie eingeliefert wurden.“ Dazu gehört einerseits die zügige und adäquate chirurgische Versorgung innerhalb weniger Stunden nach dem Bruch (bisher: häufig 48 bis 96 Stunden), andererseits die effiziente Versorgung von Begleiterkrankungen durch ein interdisziplinäres Team, dem neben den primär versorgenden Orthopäden/Unfallchirurgen auch Internisten wie z.B. Rheumatologen und Geriater sowie Rehabilitationsexperten angehören sollten. Besonderes Augenmerk soll auch auf ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, Vermeidung von Druckgeschwüren und nach der Operation die raschestmögliche Mobilisierung und Rehabilitation gelegt werden.

Stiefkind Prävention: Der erste Bruch soll künftig auch der letzte bleiben

Nach dem ersten Knochenbruch ist das Risiko für weitere Brüche deutlich erhöht. Besonderen Nachholbedarf sehen die Experten deshalb in der Nachbetreuung. „Wer nach einem Fragilitätsbruch entlassen wird, ist derzeit zumeist sich selbst überlassen – mit der Folge, dass die Risikofaktoren für weitere Brüche unbehandelt bleiben und die nächste Fraktur nur eine Frage der Zeit ist“, so Prof. Dreinhöfer. Die Experten von EFORT und EULAR empfehlen daher nach dem ersten Knochenbruch eines alten Menschen die standarisierte Abklärung des Knochenbruchrisikos sowie die Einleitung vorbeugender Massnahmen, die die Gefahr weiterer Stürze und Knochenbrüche wesentlich senken. „Der erste Bruch sollte nach Möglichkeit auch der letzte bleiben“, so Prof. Dreinhöfer.

Die European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology, kurz EFORT, ist die Dachorganisation orthopädischer Fachgesellschaften in Europa. EFORT wurde 1991 im italienischen Marentino gegründet. Heute gehören ihr 42 nationale Mitgliedsgesellschaften aus 43 Ländern und sechs assoziierte wissenschaftliche Organisationen an.

Quelle: EFORT


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