Freitag, 16. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Breezhaler
Breezhaler
Medizin
16. April 2020

Instabile COPD: Früherkennung und personalisierte Behandlung entscheidend

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) hat viele Gesichter und eine eindeutige Diagnose bedarf der richtigen Methoden. Hier stellt sich die Frage, wie genau der Krankheitsverlauf bei COPD ist. Antworten darauf liefert PD Dr. Henrik Watz, Großhansdorf. Im Vordergrund seines Vortrags standen Diagnose-Methoden sowie der rechtzeitige Einsatz wirksamer COPD-Therapien. Wie wichtig es ist, die individuellen Ursachen sowie den Schweregrad der Erkrankung einzuschätzen, um schlussendlich eine personalisierte Therapie zu wählen, war ebenso Thema. Dr. Conrad Schiefer, Markkleeberg, erläuterte, wie gerade Patienten mit einer geringen symptomatischen Ausprägung in der Praxis erkannt werden können und somit eine adäquate Therapie erhalten.
Anzeige:
Pradaxa
Pradaxa
Wenn von COPD gesprochen wird, ist eine Erkrankung gemeint, die mit Symptomen wie Belastungsdyspnoe, Husten und Auswurf sowie einer persistierenden Atemwegsobstruktion einhergeht. Die WHO (World Health Organization) definiert COPD hingegen nicht als eine alleinstehende Erkrankung, sondern als Sammelbegriff für chronische Lungenerkrankungen, die mit Einschränkungen des Atemflusses in der Lunge einhergehen (1).

Heterogene Ursachen für chronische Atemwegsobstruktion

Die 2 Hauptursachen der chronischen Atemwegsobstruktion bei COPD sind entzündliche Veränderungen an den kleinen Atemwegen (small airways disease) sowie eine Destruktion von Lungengewebe (Emphysem) (2). Das Patientenkollektiv bei COPD ist dabei sehr heterogen und die Symptom-Ausprägung variiert stark: So leidet beispielsweise ein Teil der Patienten an einer chronischen Bronchitis – dies trifft aber bei weitem nicht auf alle Patienten zu (2). Laut GOLD gibt es neben dem Emphysem noch weitere strukturelle Veränderungen im Lungengewebe bei COPD-Patienten (3). Zudem können vor allem mit zunehmendem Alter Komorbiditäten einen Einfluss auf den Verlauf der COPD haben.

Neue Möglichkeiten einer umfassenden COPD-Diagnose

Eine Voraussetzung für den rechtzeitigen Einsatz einer wirksamen Therapie ist es, die korrekte Diagnose so früh wie möglich zu stellen. Denn je eher die Therapie beginnt, umso eher kann die Progression der Erkrankung verlangsamt werden. „Die COPD geht mit einem stetigen Verlust der Lungenfunktion einher. Das Ziel muss es daher sein, frühestmöglich zu intervenieren“, erläuterte Watz und fügte hinzu: „Neben einer wirksamen Therapie sind dabei die Tabakentwöhnung und eine ausreichende körperliche Aktivität entscheidend.“

Doch in welchem Ausmaß ist dies überhaupt möglich? Genau hier setzt eine Untersuchung an, die Watz gemeinsam mit Kollegen initiiert und auf dem Trialog I vorgestellt hat: Ein Ziel der Studie ist es, Patienten in einem frühen Krankheitsstadium zu identifizieren, die ein hohes Risiko für eine schnell voranschreitende Progression und/oder einen Verlust der Lungenfunktion haben. Außerdem möchten die Mediziner herausfinden, welche Rolle die small airways disease (SAD) bei der Progression der Erkrankung spielt. „Wir müssen COPD-Patienten präzise diagnostizieren, um Risikopatienten zu identifizieren und individuell behandeln zu können“, so Watz. „Dabei hat die Prävention von Exazerbationen einen hohen Stellenwert, da jedes Akutereignis die Lungenfunktion weiter verschlechtert – und das irreversibel. Außerdem erhöht sich nach jeder Exazerbation das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse.“

Inzwischen stehen für die (frühe) Diagnose optimierte technische Möglichkeiten der Lungenfunktionsmessung sowie bildgebende Methoden zur Verfügung: Die Impulsoszillometrie (IOS) ermöglicht eine sensitivere Messung von SAD, als es alleine durch die Spirometrie möglich ist. Auch das Multiple Breath Washout (MBW) trägt dazu bei, die Lungenfunktionsveränderungen im Bereich der kleinen Atemwege frühzeitig zu erkennen (4). Die hochauflösende Computer Tomografie (HRCT) ermöglicht frühzeitig Bronchiektasen zu erkennen und das Ausmaß des Lungenemphysems einzuschätzen (3).

Therapie-Anpassung bei moderater COPD

Auch Schiefer betonte bei seinem Vortrag, wie wichtig es ist, frühzeitig mit der Therapie zu beginnen: „In der Praxis ist es leider so, dass zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bei den Patienten meist schon ein großer Teil der Lungenfunktion zerstört ist.“ So auch bei seinem Beispiel eines instabilen Patienten, der eine Therapie-Umstellung auf eine Dreifach-Fixkombination erhielt:

Im Oktober 2018 erfolgte die Erstvorstellung eines 52-jährigen Patienten in der Pneumologischen Schwerpunktpraxis Pneumologie Markkleeberg GbR. Der Patient (BMI 36, 30 py, CAT= 5, FEV1 54% vom Soll, LABA/LAMA Vortherapie) wird klassifiziert als COPD GOLD II – Gruppe B, er hat eine hochgradige bronchiale Hyperreagibilität und weitere Komorbiditäten (Diabetes mellitus Typ II, arterielle Hypertonie und Adipositas Grad II). Um seine Überblähung und Atemnot zu reduzieren und um Exazerbationen zu vermeiden, wurde der Patient auf eine maximale Bronchodilatation mit Trimbow® 2x2 Hübe am Tag und Berodual® 2 Hübe bei Bedarf umgestellt. Wichtig waren weiterhin die Schulung des Patienten zur Devicenutzung, die Beibehaltung der Nikotinkarenz sowie eine Gewichtsreduktion. Innerhalb eines knappen Jahres hat sich die Belastbarkeit des Patienten verbessert, die pulmonalen Reizerscheinungen sind reduziert worden und es kam zu keiner erneuten Exazerbation.

Mehr Lebensqualität und Senkung der Exazerbationsrate durch Dreifach-Fixkombination

In der randomisierten Doppelblindstudie TRIBUTE wurde die Wirksamkeit der extrafeinen Dreifach-Fixkombination Trimbow® (Glycopyrroniumbromid (GB), Formoterolfumarat (FF) und Beclometasondipropionat (BDP)) mit der LAMA/LABA-Kombination aus Glycopyrroniumbromid/Indacaterol (GB/IND) hinsichtlich der Reduktion moderater bis schwerer Exazerbationen bei COPD verglichen (5). In der Studie wurden 1.532 Patienten mit einem FEV1 < 50% vom Soll und einem CAT-Score ≥ 0, die trotz medikamentöser Vortherapie mindestens eine moderate bis schwere Exazerbation im Vorjahr erlitten hatten, eingeschlossen (5).
Mit 63% war ein hoher Anteil an GOLD-B-Patienten mit einer moderaten Exazerbation in den vergangenen 12 Monaten in die Studie eingeschlossen (6). Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass auch bei dieser Gruppe eine signifikante Zunahme der Lebensqualität im Vergleich zu GB/IND zu verzeichnen war (6). Auch wurde eine signifikante Senkung der Exazerbationsrate um 23% mit GB/FF/BDP im Vergleich zu GB/IND gezeigt (6).
Schiefer stellte in seinem Vortrag heraus, dass eine Dreifach-Fixkombination aus LAMA, LABA und ICS (GB/FF/BDP) ein geeignetes „all-in-one“-Konzept, jedoch nicht „one for all“, ist, da der Einsatz nur bei symptomatischen Patienten indiziert ist.

Quelle: Chiesi

Literatur:

(1) https://www.who.int/respiratory/copd/en/
(2) Vogelmeier CF et al., S2k-Leitlinie „Diagnostik, Prävention und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)", Stand: 01.01.2018, gültig bis 31.12.2021 https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-006.html (letzter Zugriff: 17.03.2020).
(3) The Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD). Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease. 2020 Report https://goldcopd.org/wp-content/uploads/2019/11/GOLD-2020-REPORT-ver1.0wms.pdf (letzter Zugriff: 17.03.2020).
(4) Trinkman et al., Abstract AJRCCM 2019; 199: A2409. https://www.atsjournals.org/doi/10.1164/ajrccm-conference.2019.199.1_MeetingAbstracts.A2409 (letzter Zugriff: 17.03.2020).
(5) Papi A et al., Lancet 2018; 391:1076-1084.
(6) Singh et al., Eur Respir J 2019, https://doi.org/10.1183/13993003.00235-2019 (letzter Zugriff: 17.03.2020).


Anzeige:
Xarelto

Das könnte Sie auch interessieren

Internetbasierte Hilfe für Eltern in Bayern mit chronisch kranken Kindern

Internetbasierte Hilfe für Eltern in Bayern mit chronisch kranken Kindern
© bubutu / Fotolia.com

Rund 100.000 Kinder in Bayern sind von Asthma betroffen, so der aktuelle bayerische Kindergesundheitsbericht. "Das ist nicht nur für die Kleinen belastend, sondern auch für deren Familien", sagt Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern. Mütter, Väter oder Geschwister kommen oft körperlich und psychisch an ihre Grenzen. Hinzu kommt, dass vier von fünf der betroffenen Eltern keine Angebote zur Familienentlastung kennen. "Wir möchten das ändern und mit dem Projekt 'Beratung von Eltern chronisch kranker Kinder...

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018

Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) vergibt Deutschen Preis für Patientensicherheit 2018
© psdesign1 / fotolia.com

In deutschen Krankenhäusern sterben jährlich etwa 15 000 Patienten an Infektionen. Damit diese weitestgehend vermieden und Patienten schnellstmöglich behandelt werden können, ist ein gutes Infektions-management notwendig. Das Kompetenzzentrum „Mikrobiologie und Hygiene" der St. Franziskus-Stiftung Münster verfolgt dazu seit 2014 ein umfassendes interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit. Der Fokus liegt dabei auf der Infektionsvermeidung, dem Infektionsmanagement und sowie dem Schutz vor Keimübertragung. Das...

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll

Fasten 2019: Immer mehr Menschen halten es für sinnvoll
© beats_ / fotolia.com

Fasten liegt im Trend: Immer mehr Deutsche halten es für gesundheitlich sinnvoll. Die Zahl der Fasten-Befürworter stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Lag sie vor acht Jahren noch bei 53 Prozent, sind es nun 63 Prozent – ein Plus von fast 20 Prozent. Vor allem unter jungen Menschen ist der bewusste Verzicht weit verbreitet. Dabei möchten immer mehr Fasten-Fans auf Alkohol verzichten: Die geplante Abstinenz liegt mit 73 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das zeigt eine aktuelle und repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Auch auf...

Ostern (allein) zu Haus in der Corona-Krise - Der Schlemmerfalle entgehen und regelmäßig bewegen!

Ostern (allein) zu Haus in der Corona-Krise - Der Schlemmerfalle entgehen und regelmäßig bewegen!
© Vasiliy - stock.adobe.com

Die derzeitige Corona-Krise und das damit verbundene Gebot, möglichst zuhause zu bleiben, erschweren regelmäßige körperliche Aktivität. Zudem konzentriert sich vieles aufs Essen – sei es aus Langeweile, aus Stress oder wie jetzt an Ostern durch den Wunsch nach Abwechslung nach wochenlangem Homeoffice oder Quarantänephasen. Viele Menschen möchten sich jetzt etwas Besonderes gönnen, zumal es schmerzt, nicht wie gewohnt Familie und Freunde zu treffen. Menschen mit Übergewicht und solche mit einem bereits bestehendem Diabetes Typ 2 sind hier...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Instabile COPD: Früherkennung und personalisierte Behandlung entscheidend"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Impfen in der Hausarztpraxis: Spezifische Bestellung des COVID-Impfstoffs möglich
  • Impfen in der Hausarztpraxis: Spezifische Bestellung des COVID-Impfstoffs möglich