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Medizin

01. August 2018 Fußrettung bei Diabetes

Interdisziplinäre Therapie des diabetischen Fußsyndroms

Prognosen des Deutschen Gesundheitsberichts Diabetes zufolge leiden im Jahr 2018 rund 6,7 Millionen Deutsche unter Diabetes mellitus, auch Zuckerkrankheit genannt. Sie zählt zu den Stoffwechselerkrankungen, bei denen die Patienten unter einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel aufgrund von Insulinmangel oder Insulinresistenz leiden. Dabei sind zwei verschiedene Typen zu unterscheiden. Der Typ-1-Diabetes betrifft rund 3-5% der Patienten und entsteht besonders häufig bereits im Kindes- und Jugendalter. Ein Autoimmunprozess zerstört hierbei die Zellen der Bauchspeicheldrüse. Als weitaus häufigere Form ist der Typ 2 der Krankheit bekannt, der durch Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel oder Vererbung auftritt. Die Zuckerkrankheit verursacht bei vielen Menschen schwere Folgeerkrankungen, wie das diabetische Fußsyndrom, kurz DFS.
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„Für Diabetiker besteht ein lebenslanges Risiko von 25%, an diesem Symptom zu erkranken“, so Prof. Dr. Stephan Schneider, Chefarzt der Inneren Medizin, Endokrinologie und Diabetologie im St. Vinzenz-Hospital Köln. Erfolgt die Behandlung zu spät, droht die Gefahr einer Amputation im Bereich des Fußes oder sogar von Teilen des Beines, damit sich eine mögliche Infektion nicht in andere Körperbereiche ausbreitet. Noch immer werden in Deutschland rund 50.000 Amputationen jährlich vorgenommen. „Unser Ziel besteht immer darin, den Fuß zu retten“, erklärt Prof. Dr. Schneider. „Das erreichen wir vor allem durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit unserer Experten sowie durch unsere von der Arbeitsgruppe Fuß der Deutschen Diabetes Gesellschaft zertifizierte stationäre Fußbehandlungseinrichtung.“

Hohes Leid für Betroffene

Beim DFS beeinträchtigen Nervenstörungen die Schweißproduktion, sodass die Haut an Beinen sowie Füßen sowohl rissig als auch trocken und damit anfällig für Verletzungen wird. Die eingeschränkte Nervenempfindlichkeit hat zudem erhebliche Komplikationen wie Fehlstellungen, ungleichmäßige Hornhautbildung oder Druckstellen zur Folge. Betroffene bemerken aber wegen des meist aufgehobenen Schmerzempfindens die Verletzungen nicht rechtzeitig, wodurch sich diese verschlimmern können. Ein weiterer Faktor stellt die oftmals beeinträchtigte Immunabwehr von Diabetikern dar. Durch die schlechtere Wundheilung führen selbst leichte Verletzungen oder Hautschäden zu schweren Erkrankungen wie beispielsweise Geschwüren. Ebenfalls unter den Oberbegriff des diabetischen Fußsyndroms fällt der sogenannte Charcot-Fuß. Hierbei brechen Knochen der Betroffenen, die dies durch die diabetesbedingte Schmerzunempfindlichkeit zunächst nicht bemerken und ihren Fuß weiter belasten. Teilweise entstehen im Zuge des DFS sogar chronische Verletzungen, denen Ärzte nicht selten erst durch Amputationen entgegenwirken können.


Interdisziplinäre Behandlung als ganzheitliche Lösung

Durch eine eingehende Anamnese des Arztes lässt sich das diabetische Fußsyndrom feststellen. Um eine Minderdurchblutung der Füße zu erkennen, nutzen Experten bildgebende, gefäßdarstellende Untersuchungen, wie beispielsweise Ultraschall oder eine umfassende Röntgendiagnostik. Die Schwere der Fußwunden teilt der Arzt anhand der Wagner-Armstrong-Klassifikation ein. Hierbei handelt es sich um eine Kombination zweier Klassifikationstabellen, die sowohl die Tiefe der Wunde als auch das Ausmaß der Infektion und eine mögliche Durchblutungsstörung erfasst. Zur Behandlung des diabetischen Fußsyndroms gilt es zunächst die Blutzuckerwerte gut einzustellen. Neben der medikamentösen Intervention mittels Antibiotika oder Schmerztherapie oder der Thrombozytenaggregationshemmung, die der Entstehung von Blutverklumpungen vorbeugt, können bei der Wundbehandlung beispielsweise Vakuum-Saug-Verbände unterstützen. Eine Madentherapie, bei der speziell gezüchtete, sterile Maden zum Einsatz kommen, scheint zunächst ungewöhnlich. Prof. Dr. Schneider erklärt jedoch: „Für die Maden stellen Wundbeläge eine geeignete Nahrungsquelle dar, sodass sie das abgestorbene Gewebe abtragen und die Wunden von Bakterienbefall befreien.“ Sollten die Verletzungen nur schwer verheilen, bieten Hauttransplantationen eine Linderung für Betroffene. Zur Behandlung von instabilen Brüchen dient neben Operationen der Einsatz des Fixateurs externe, einer Art äußerer Haltevorrichtung, mit der die betroffenen Knochenstrukturen des Fußes und der Sprunggelenke stabilisiert werden. Befindet sich das DFS bereits in einem fortgeschrittenen Stadium einer Durchblutungsstörung, können eine Bypass-Operation an den arteriellen Gefäßen der Beine oder gefäßerweiternde Eingriffe, wie beispielsweise die sogenannte Stentimplantation, eine Amputation häufig vermeiden. Bei der Stentimplantation stabilisiert eine Art Röhrchen aus Metall oder Kunstfasern die verengten Gefäße.


Der Entstehung vorbeugen

Eine interdisziplinäre und individuelle Behandlung gibt Betroffenen ihre Lebensqualität zurück. Um die Entstehung eines Rückfalls zu vermeiden, gilt es für Diabetiker einiges zu beachten, wie beispielsweise die regelmäßige Untersuchung der Füße und des Schuhwerks. Einen wichtigen Bestandteil der Vorsorge stellen neben dem Einsatz von speziellem Schuhwerk oder Gehhilfen regelmäßige podologische Behandlungen dar. „Der Schlüssel für eine erfolgreiche Behandlung des DFS liegt in einer frühzeitigen Anamnese sowie ausreichenden Vorsorgeuntersuchungen“, so Prof. Dr. Schneider.

Prof. Dr. Stephan Schneider,
Chefarzt der Inneren Medizin, Endokrinologie und Diabetologie

Quelle: St. Vinzenz-Hospital, Köln


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