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Medizin

27. September 2019 Kardiologie: Verbesserte Diagnostik und Therapie mittels Katheter- und Computer-basierter Verfahren

Seit 1. Juli 2019 leitet Axel Bauer die Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie. Die Behandlung kardialer Erkrankungen mittels katheterbasierter Methoden sowie die Entwicklung computerbasierter Verfahren für eine verbesserte, individualisierte PatientInnenversorgung sind die Spezialgebiete des Kardiologen, der von der Ludwig-Maximilians-Universität München nach Innsbruck wechselte. Die fachübergreifende Zusammenarbeit sieht der 44-Jährige als entscheidenden Standort-Vorteil in der Innsbrucker Herzmedizin.
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An der Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie und Angiologie, werden pro Jahr knapp 5.000 PatientInnen stationär und rund 70.000 PatientInnen ambulant versorgt. Neben dem Einzugsgebiet Tirol werden auch Patienten aus Vorarlberg, Südtirol und anderen Regionen mit kardiologischen Erkrankungen betreut. Das Behandlungsspektrum mit minimalinvasiven, katheterbasierten Therapieformen umfasst die koronare Herzerkrankung, die Herzinsuffizienz, strukturelle Herzerkrankungen sowie Herzrhythmusstörungen. „Auf all diesen Gebieten wird hier in Innsbruck exzellente Arbeit geleistet. Ich habe in den vergangenen Monaten mein hochmotiviertes Team kennen- und schätzen gelernt und freue mich darauf, Dinge gemeinsam weiterzuentwickeln“, betont der neue Klinik-Direktor Bauer, von dessen Managementerfahrung sowie Expertise als Arzt und Forscher auch die Führungsebenen der Medizinischen Universität Innsbruck und des Krankenhausträgers Tirol Kliniken überzeugt sind. „Es ist uns gelungen, einen international anerkannten Kardiologen und innovativen Wissenschaftler für die Herzmedizin in Innsbruck zu gewinnen“, betont die Vizerektorin der Medizinischen Universität Innsbruck, Christine Bandtlow.  Auch Alexandra Kofler, Ärztliche Direktorin der Klinik Innsbruck, unterstreicht: „Neben der fachlichen und wissenschaftlichen Qualifikation ist mit Prof. Bauer auch menschlich gesehen eine sehr gute Besetzung gelungen. Kollege Bauer hat sich bereits in den ersten Wochen ausgesprochen wertschätzend und kooperativ gezeigt.“

Herzerkrankungen werden komplexer

Die Herausforderung und Chance der modernen Herzmedizin sieht Axel Bauer in der konsequenten interdisziplinären Zusammenarbeit von internistischen und chirurgischen Fächern: „Kardiovaskuläre Krankheitsbilder werden immer komplexer. Die Betroffenen haben verschiedenste Begleiterkrankungen. Wir haben hier in Innsbruck den entscheidenden Vorteil, für alle relevanten Teilbereiche echte Experten im Team zu haben.“ Von der engen Kooperation mit der Herzchirurgie (Direktor: Michael Grimm) und dem systematischen Austausch vor allem auch mit den anderen internistischen Fächern würden nicht nur die Patienen, sondern auch interdisziplinäre und translationale Forschungsansätze profitieren, so Bauer. Der Kardiologe ist selbst ausgewiesener Experte für den plötzlichen Herztod – von dieser häufigsten Einzeltodesursache in der westlichen Welt sind jährlich 12.000 Österreicher betroffen. Bauer forscht schwerpunktmäßig an der Entschlüsselung von Biosignalen mittels computerbasierter Verfahren für die zielgerichtete Diagnostik und Therapie. Ein Ergebnis dieser Forschungsarbeit ist etwa die Entwicklung eines EKG-basierten Risikoparameters, der die Effekte des Stressnervs am Herzen sichtbar macht und inzwischen internationale Verbreitung gefunden hat. Das Verfahren „Periodic Repolarization Dynamics“ (PRD) erfasst den rhythmischen Einfluss des sympathischen Nervensystems auf die Repolarisation. „Dieser unabhängige Parameter gilt aktuell als einer der stärksten Risikomarker für den plötzlichen Herztod und maligne Herzrhythmusstörungen“, so Bauer.
 
„The Lancet“ berichtet über innovatives Prognose-Tool

Dass dieser Parameter auch höchst geeignet ist, jene Hochrisiko-Patienten zu identifizieren, die aufgrund drohender Herzrhythmusstörungen  von der Implantation eines Defibrillators profitieren, ist ebenfalls das Ergebnis einer von Bauer geleiteten europäischen Studie an rund 1.400 Patienten mit Herzschwäche. Patienten mit eingeschränkter Herzleistung sind aufgrund von drohenden Herzrhythmusstörungen besonders gefährdet, am plötzlichen Herztod zu versterben. Effektiv verhindert werden kann dieser nur durch prophylaktische Implantation eines Defibrillators (implantable cardioverter defibrillator – ICD).

Aktuelle Leitlinien veraltet

„Aktuelle Leitlinien orientieren sich allerdings an veralteten Studienergebnissen. Die Kriterien, nach welchen die Leitlinien eine prophylaktische ICD-Therapie vorschlagen, sind in hohem Maße ungenau. Nur die wenigsten der mit einem ICD versorgten Patienten entwickeln tatsächlich bösartige Rhythmusstörungen. Allerdings ist diese überaus kostspielige ICD-Therapie mit unerwünschten Nebenwirkungen wie Sondenbrüchen, Infektionen oder inadäquaten Schockabgaben verbunden“, beschreibt Bauer die Ausgangslage. Vor diesem Hintergrund kommt den im Journal „The Lancet“ publizierten und kürzlich beim Europäischen Kardiologie-Kongress (ESC) in Paris präsentierten Studienergebnissen von Bauer besondere Relevanz für personalisierte Therapieentscheidungen zu. „Wir konnten erstmalig zeigen, dass es mit einem EKG-basierten digitalen Biomarker tatsächlich möglich ist, den Effekt einer prophylaktischen ICD auf das Überleben zu prognostizieren. Wir können also vorhersagen, welcher Patient tatsächlich von einer prophylaktischen ICD-Therapie profitiert. Genau so funktioniert personalisierte Medizin“, bestätigt Bauer.

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck


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