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Medizin

18. Oktober 2012 Kathetertherapie beim Schlaganfall nur durch interventionelle Neuroradiologen

Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 250 000 Menschen einen Schlaganfall. Er ist hierzulande die dritthäufigste Todesursache. Meist löst ein Blutgerinnsel, das ein Hirngefäß verstopft, den Apoplex aus. Für die Behandlung besonders schwerer Fälle steht seit rund drei Jahren ein neuroradiologisches Therapieverfahren zur Verfügung: die Neurothrombektomie – die mechanische Entfernung des Blutgerinnsels mittels eines Katheters. Das komplexe Behandlungsverfahren sollte jedoch ausschließlich von entsprechend qualifizierten und zertifizierten Neuroradiologen durchgeführt werden, fordert die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR).
 

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Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall – es zählt jede Minute. Behinderung und Tod lassen sich nur verhindern, wenn die Behandlung in den ersten Stunden nach Auftreten der Symptome erfolgt.


Abb. 1: Angiografie einer Katheterbehandlung beim Schlaganfall. Mittels eines Stents wird das Blutgerinnsel aus dem Gefäß entfernt.
(Prof. Dr. med. Olav Jansen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein)

 

Die meisten Schlaganfälle werden durch eine Minderdurchblutung des Gehirns verursacht. 15-20% dieser Schlaganfälle beruhen auf einem Verschluss der großen Hirngefäße durch ein Blutgerinnsel. Meist lässt sich ein großer Thrombus nicht durch die Standardbehandlung beim Schlaganfall – die Gabe von Medikamenten (Thrombolyse) – auflösen. Hier kommt deshalb in spezialisierten Zentren die Neurothrombektomie zum Einsatz, bei der das Blutgerinnsel mechanisch entfernt wird. Dazu schieben Neuroradiologen unter Bildkontrolle über die Leistenarterie einen feinen Katheter bis in das Hirngefäß vor. An der betroffenen Stelle entfalten sie einen Stent, ein feines Gitterröhrchen, in dem sich das Blutgerinnsel verfängt. Mit dem Zurückziehen des Katheters entfernt der Arzt den Thrombus.

Abb. 2: Angiografie nach der Behandlung: Der Blutfluss ist wieder hergestellt (Prof. Dr. med. Olav Jansen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein)

„Das neue Verfahren zeigt bislang sehr vielversprechende Ergebnisse“, erklärt Professor Dr. med. Olav Jansen, Präsident der DGNR vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. „Studienergebnisse zeigen, dass mehr als 60% der Patienten mit großen Schlaganfällen bereits drei Monate nach der Katheterbehandlung wieder ein eigenständiges Leben führen können. Bei der medikamentösen Therapie liegt diese Quote nur bei 15-25%.“

Doch um die hochspezialisierte Therapiemethode im Sinne des Patienten sicher und erfolgreich durchführen zu können, bedürfe es einer qualifizierten Ausbildung in Interventioneller Neuroradiologie, betont die DGNR. Ab Oktober 2012 startet die Fachgesellschaft deshalb ein umfassendes Qualifizierungs- und Zertifizierungsprogramm, um die Qualität und Sicherheit aller neuroradiologischen Eingriffe zu fördern und sicherzustellen. Das Programm richtet sich an Ärzte, die sich in der Facharztweiterbildung zum Neuroradiologen befinden.

„Gleichzeitig muss gewährleistet sein, dass auch Schlaganfallpatienten kleiner Einrichtungen von der neuen Methode profitieren“, erklärt Jansen. Denn diese verfügen oft nicht über entsprechend ausgebildete Spezialisten, Geräte und Technik. „Deshalb müssen wir den Ausbau von Schlaganfallnetzwerken vorantreiben, in denen kleine Einrichtungen mit spezialisierten Behandlungszentren kooperieren“, so Jansen. Dadurch ließen sich Patienten, für die die neue Methode in Frage kommt, rasch selektieren und an die spezialisierten Einrichtungen weiterleiten. Eine teleradiologische Vernetzung zwischen den Teilnehmern des Netzwerks stelle dabei die wesentliche Kommunikationsplattform dar. Sie ermögliche die rasche, elektronische Übermittlung der Bilddateien des Patienten und die gemeinsame, interdisziplinäre Entscheidung, wo und mit welcher Methode ein Schlaganfallpatient am wirkungsvollsten behandelt werden sollte.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften


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