Montag, 9. Dezember 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

21. Mai 2012 Können Luftschadstoffe Diabetes Typ 2 auslösen?

Jährlich erkranken etwa 270000 Menschen in Deutschland neu an Diabetes Typ 2. Lange galten Faktoren wie Vererbung und Übergewicht als Hauptursachen für die Entstehung der Stoffwechselerkankung. Seit einigen Jahren werden jedoch auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, Belastung mit Pestiziden und Passivrauchen mit der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes in Zusammenhang gebracht. Insbesondere Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffoxide könnten den Energiestoffwechsel stören.
Luftverschmutzung erhöht nachgewiesenermaßen das Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Feinstaub und Stickstoffoxide stehen seit einiger Zeit in Verdacht, auch das Risiko für Diabetes Typ 2 zu erhöhen. An Mäusen wurde bereits eine Beeinflussung des Stoffwechsels belegt: So bewirkte eine Belastung mit Feinstaub über zehn Wochen bei Mäusen eine Insulinresistenz, das heißt, eine Abnahme der Insulinwirkung und eine Erhöhung der Blutglukosewerte. In einem anderen Experiment entwickelten Mäuse unter kontinuierlicher Luftschadstoffbelastung über zehn Monate hinweg ebenso eine Insulinresistenz, eine verminderte Glukosetoleranz sowie Entzündungsreaktionen im Bauchfett. Feinstaubbelastung könnte daher über Auslösung eines entzündungsfördernden Mechanismus den Energiestoffwechsel stören und so die Entwicklung von Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes begünstigen.

Den möglichen Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung und dem Auftreten eines Diabetes Typ 2 zeigten auch verschiedene prospektive Kohortenstudien: Eine 2010 im Ruhrgebiet durchgeführte Studie, entstanden aus einer Kooperation zweier Leibniz-Zentren, des Deutschen Diabetes Zentrums und des Instituts für Umweltforschung, fand weltweit erstmalig unabhängig von Adipositas, Rauchen und niedriger Bildung einen direkten Zusammenhang von Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Konzentrationen am Wohnort und der Zahl an Diabetes-Erkrankungen. Als weitere Studie wies die amerikanische Nurses Health Study (NHS) einen solchen Zusammenhang nach: Ihren Daten zufolge war das Diabetesrisiko für Frauen, deren Wohnort nahe an einer dicht befahrenen Straße lag, um 20 Prozent erhöht. In der Black Women´s Health Study aus Los Angeles fand sich ein Zusammenhang zwischen Stickstoffoxiden und der Diabetesinzidenz.

Wie hoch der Anteil des Straßenverkehrs am Diabetesrisiko ist, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen und bedarf weiterer Studien. Professor Dr. med. Michael Roden gibt auf der Kongress-Pressekonferenz am 18. Mai 2012 im Internationalen Congresscenter Stuttgart einen näheren Einblick in die Rolle von Umweltfaktoren auf die Entstehung von Diabetes mellitus.

Quelle: DDG


Stichwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Brauche ich ein Röntgen, CT oder MRT?

Brauche ich ein Röntgen, CT oder MRT?
© Syda Productions / Fotolia.com

Plötzlich auftretende Kreuzschmerzen sind oft belastend, schränken den Alltag ein und können beunruhigen: Möglicherweise steckt etwas Ernsthaftes dahinter? Häufig sind sie aber harmlos und bilden sich in kurzer Zeit wieder zurück. Ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung genügen meist. Finden sich dabei keine Hinweise auf eine gefährliche Ursache, ist ein Röntgen, CT oder MRT vorerst nicht nötig.

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage
© Oleg / fotolia.com

Wer darüber nachdenkt, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte sich von einer möglichen Gewichtszunahme nicht abhalten lassen. Denn obwohl auch Übergewicht mit Gesundheitsrisiken verbunden ist, überwiegt der gesundheitliche Nutzen durch einen Nikotinverzicht noch immer deutlich. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen US-Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) nimmt den Forschungsbericht zum Anlass, einmal mehr auf die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Können Luftschadstoffe Diabetes Typ 2 auslösen?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.