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Medizin

26. Juni 2017
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Krebsmedikamente: Problemfalle Kieferknochen

Krebspatienten mit metastasierenden Tumoren erhalten oft Medikamente (z.B. sog. Bisphosphonate), um den Knochenabbau und das Fortschreiten der Absiedlungen im Knochen zu stoppen. Leider hat der medizinische Segen eine Schwachstelle im Mundbereich: Die Zähne fungieren als Verbindung von außen in den Knochen, sodass unter bestimmten Umständen Keime in diesen eindringen und ihn zerstören können.
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Anhand der aktualisierten interdisziplinären S3-Leitlinie der DGMKG kann jedoch in vielen Fällen diese gefährliche Kiefernekrose vermieden werden. Die Details werden auf der Jahres- Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) anlässlich des großen 67. Kongresses in Köln/Bonn vorgestellt. Der typische Spagat zwischen dem Segen der medikamentösen Therapie und den dadurch mitunter entstehenden Problemen für die MKG-Chirurgie wird am Beispiel einer 65-jährigen Patientin mit ihrem speziellen Krankheitsverlauf gezeigt.

Meist sind die Wirbelsäule und das Becken von metastasierenden Tumoren betroffen. Durch Knochenbrüche drohen starke Schmerzen, Bewegungsunfähigkeit und verfrühter Tod. Moderne Medikamente (sog. Bisphosphonate oder spezifische Antikörper) können den Abbau aufhalten. Sie hemmen die Zellen, die beim gesunden Knochenstoffwechsel für den Knochenabbau zuständig sind, die sogenannten Osteoklasten. Dafür gibt es unterschiedlich stark wirkende Medikamente. Leider begünstigen diese aber auch z.T. gravierende Komplikationen am Kieferknochen, sodass Betroffene immer öfter Hilfe beim MKG-Chirurgen suchen. Denn: Die Zähne bilden die Verbindung von außen in den Knochen, sodass über diese „Schwachstelle“ Keime eindringen können. Der mit den Antiresorptiva behandelte Knochen ist nicht mehr in der Lage, sich zu wehren, er wird infiziert und stirbt ab. In der Folge drohen Kieferbruch oder sogar -verlust und eine insgesamt schwierige Behandlung.

Anhand der aktualisierten interdisziplinären S3-Leitlinie der DGMKG kann jedoch in vielen Fällen diese gefährliche Kiefernekrose vermieden werden. Wichtig ist beispielsweise, vor Einnahme der Bisphosphonate oder Antikörper den Mundraum genau untersuchen zu lassen und Zysten, krankhafte Zähne und alle Entzündungsherde zu beseitigen. Während der gesamten Bisphosphonat- oder Antikörpertherapie ist eine penible Mundhygiene Grundvoraussetzung. Bis zu 21% der Patienten mit Knochenmetastasen, die antiresorptiv ohne MKG-chirurgischezahnärztliche Vorbehandlung therapiert werden, entwickeln eine Kiefernekrose! Vor Beginn einer antiresorptiven Chemotherapie sollte daher unbedingt eine Sanierung der Mundhöhle von Infektionen und Keimeintrittspforten durchgeführt werden. Durch eine solche Prophylaxe kann eine Senkung der Häufigkeit der Kiefernekrosen auf wenige Prozente (etwa 2%) erzielt und den Patienten Schmerzen erspart und Lebensqualität erhalten werden.

 
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