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Medizin

06. Februar 2020 Leber: Neues Therapie-Target für Regeneration

Erst vor kurzem identifizierte das Team des Instituts für Entwicklungsimmunologie am Innsbrucker Biozentrum einen neuen Aktivierungsmechanismus des Tumorsuppressors p53, der in gesunden Zellen als eine Art Bremse fungiert, indem er die Zellen nach defekter Zellteilung oder nach DNA Schädigung vor unkontrolliertem Wachstum schützt. Die Innsbrucker ForscherInnen nahmen damals tetraploide (vierfacher Chromosomensatz) Zellen unter die Lupe und konnten nachweisen, dass der PIDDosom-Multiproteinkomplex (bestehend aus PIDD1, RAIDD und der Protease Caspase-2) nach fehlerhafter Zellteilung p53 aktiviert und damit einen neuen Angriffspunkt für innovative Krebstherapien bilden könnte.
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Polyploidie bremst Leberwachstum aus

Nun können die Forscher um Andreas Villunger für dieses PIDDosom und sein Wirken im Zellteilungsprozess weitere Funktionen und Details aufklären, die im Zusammenhang mit der frühen Entwicklung sowie der Regenerationsfähigkeit der Leber – ein Organ, in dem mehr als die Hälfte der Zellen polyploid ist – stehen. „Unsere Untersuchungen belegen, dass der PIDDosom-Komplex bei der frühen Leberentwicklung nach der Geburt sehr wichtig ist, und zwar dann, wenn aus diploiden Hepatozyten polyploide Zellen werden – ein Prozess, der durch Ernährungsumstellung bei der Entwöhnung von der Muttermilch eingeleitet wird . Wenn das PIDDosom inaktiv ist und daher der Transkriptionsfaktor p53 nicht aktiviert werden kann, können sich polyploide Zellen in der Leber weiter teilen“, erzählt Erstautorin Valentina Sladky aus dem Team um Villunger, deren Forschungsarbeit im Fachjournal Developmental Cell publiziert wurde. Damit weisen die Forscher nach, dass das PIDDosom den Grad der Polyploidie, der in Hepatozyten mit einem 4- bis 8-fachen Chromosomensatz limitiert ist, sowie auch die Zellproliferation reguliert.
 
Caspase-2-induziertes Regelwerk

Nach diesen entwicklungsbiologisch relevanten Erkenntnissen interessierten sich die Forscher dafür, ob dem PIDDosom auch in Regenerationsphasen der Leber regulierende Aufgaben zufallen. Dazu untersuchten sie unter anderem Gewebeproben von Patienten mit Lebermetastasen, die mittels ALPPS (associating liver partition and portal vein ligation for staged hepatectomy) therapiert worden waren. Diese in 2 Schritten erfolgende Technik nützt die schnelle Regenerationsfähigkeit der Leber, um Metastasen vollständig zu entfernen. Dabei wird der betroffene Teil der Leber in 2 aufeinanderfolgenden, binnen weniger Tage angesetzten Operationsterminen entfernt, zwischen denen das Lebergewebe nach Resektion sehr schnell nachwächst. Um zu erforschen, welche Faktoren die Wiederaufnahme der Hepatozyten-Produktion regulieren, nahm das Team um Villunger in Kooperation mit KollegInnen in Utrecht eine Familie von Genen unter die Lupe, deren Mitglieder die Proliferation von Hepatozyten antreiben. „Wir konnten sehen, dass E2F Transkriptionsfaktoren das PIDDosom gezielt in Wachstumsphasen der Leber einschalten, um so den Grad der Polyploidie durch einen Proliferations-Stopp einzugrenzen. Dies limitiert aber auch die Regenerationsgeschwindigkeit der Leber. Daher wäre die Hemmung des PIDDosoms eine Möglichkeit, die Leberregeneration zu beschleunigen, was das Auftreten von Komplikationen nach Leberresektion reduzieren könnte“, kommentiert Villunger die Erkenntnisse.

Vor dem Hintergrund, dass polyploiden Hepatozyten auch ein gewisser Schutz vor Krebs zu Gute kommt, legen diese Ergebnisse die Vermutung nahe, dass das PIDDosom ein relevantes Ziel für die Entwicklung neuer Therapien bei Leberkrebs, wie auch in der regenerativen Medizin dieses Organs sein dürfte. 

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck


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