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Medizin

16. September 2016 Leitlinien zur Versorgung von Kindern nach Fremdkörperaspiration und -ingestion

Die vermutete Aspiration bzw. Ingestion von Fremdkörpern gehört zu den relativ häufigen Verdachtsdiagnosen in der kinderärztlichen Akutmedizin. Dabei führen Nüsse und Magnete die Hitliste an. Während erstere zumeist in die Atemwege gelangen (Fremdkörperaspiration), hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass Magnete auch eine hohe Anziehungskraft auf Säuglinge und Kleinkinder ausüben und von diesen auffällig häufig in den Verdauungstrakt verschluckt werden (Fremdkörperingestion). Die Folgen können schwerwiegend sein. "In so einem Fall muss schnell gehandelt werden", erklärte Universitätsprofessor Dr. Dr. Kai Zacharowski, Kongresspräsident des diesjährigen HAI, dem Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI).

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Reibungslos funktionierende, fachübergreifende Absprachen und Prozesse seien essentiell, um die Patientensicherheit und eine hohe Versorgungsqualität zu gewährleisten. Daher ist unter Federführung der DGAI eine neue interdisziplinäre Leitlinie zur medizinischen Versorgung der betroffenen, kleinen Patienten erschienen.

Kleinkinder im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren aspirieren oft Fremdkörper, Jungen dabei etwa doppelt so häufig wie Mädchen. Objekte, die über die Luftröhre in die Atemwege gelangen, sind überwiegend Nahrungsmittel (v. a. Nüsse, Weintrauben oder Karotten), bei älteren Kleinkindern auch kleine Spielzeugteile und Gebrauchsgegenstände (z. B. Schrauben oder Nadeln). Werden kleine Fremdkörper über die Speiseröhre verschluckt, durchwandern diese den Magen-Darm-Trakt der Kinder meistens ohne Beschwerden zu verursachen und werden erst beim nächsten Windelwechsel entdeckt. Kritisch wird es, wenn die Objekte in der Speiseröhre oder in der Kehle feststecken oder sich mehrere Magnete im Darm gegenseitig anziehen und ihn dadurch schädigen. Batterien-/ Knopfzellen können wiederrum eine Gefahr für die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes sein. Entladen sie sich dort, kann es zu tiefen Verätzungen kommen. "Es ist wichtig, dass Eltern aufmerksam sind, mögliche Symptome erkennen und diese richtig einordnen", betonte Professorin Dr. Thea Koch, Präsidentin der DGAI. "Im Alter zwischen etwa vier Monaten und eineinhalb Jahren erkunden Kinder in der sogenannten oralen Phase die Welt, indem sie alles in den Mund nehmen", ergänzt die Anästhesistin.

Symptomatik bei Fremdkörperaspiration und -ingestion

Eine Fremdkörperingestion kann sich beim kleinen Patienten mit Würgen und/oder Erbrechen beziehungsweise Schluckstörungen, Fremdkörpergefühl und starkem Speichelfluss bemerkbar machen. Begleitend kann auch Atemnot auftreten. In manchen Fällen zeigen sich eher unspezifische Symptome wie Unruhe, Fieber oder Entwicklungsstörungen. Gelangt ein Fremdkörper hingegen in die Atemwege, kommt es meist zu plötzlichem Husten, der mit der Zeit nachlässt oder ganz verschwindet. Gegebenenfalls ist dieser mit Luftnot, pfeifender Atmung oder einem "jauchzenden" Geräusch bei der Einatmung (Stridor) verbunden. In manchen Fällen zeigen sich zudem Begleiterscheinungen wie akute oder chronische Atemwegsinfekte. Auch wenn sich Eltern oder Betreuungspersonen häufig selbst nicht aktiv an das Ereignis erinnern, sollte man hellhörig werden, wenn ein Kleinkind, das mit Nahrungsmitteln oder Kleinteilen gespielt hat, plötzlich derartige Symptome zeigt. Im Zweifelsfall heißt es schnell reagieren und die nächste Kinderklinik aufsuchen.

Fachübergreifende Organisation der Behandlung

Die Behandlung besteht in der Entfernung des Gegenstandes unter Narkose. Mit Hilfe eines sogenannten Endoskops können kleine Instrumente bis an den Fremdkörper herangeführt werden und diesen schließlich entfernen. Mitunter ist jedoch auch ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Über die Notwendigkeit eines Eingriffes, die Art sowie den Zeitpunkt und die Technik sollte interdisziplinär entschieden werden. Dabei sollten je nach Lokalisation des Fremdkörpers Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Pneumologen, Gastroenterologen, Kinderintensivmediziner, Kinderchirurgen und Anästhesisten eingebunden sein.

Quelle: DGAI 2016


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