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Medizin

19. April 2017 Leukämie: Gen SMARCD2 kontrolliert Reifung neutrophiler Granulozyten

Münchner Ärzte haben gemeinsam mit einem internationalen Team eine wegweisende Entdeckung bei der Erforschung der weißen Blutkörperchen gemacht: das Gen SMARCD2 kontrolliert die Reifung neutrophiler Granulozyten und verhindert gleichzeitig die Entstehung von Leukämien.
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Die Erforschung der seltenen Erkrankung begann bereits vor acht Jahren: Als Prof.Christoph Klein, heute Direktor der Kinderklinik am Dr. von Haunerschen Kinderspital, bei einer Lehr-Visite 2009 in der Kinderklinik der American University Beirut/Libanon ein Baby mit einer mysteriösen Störung der weißen Blutkörperchen untersuchte, wurde ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um den Ursprung dieser seltenen Erkrankung zu identifizieren. Viele Jahre später gelang ein Durchbruch, als Ärzte und Wissenschaftler am Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU-Klinikums in München einen Fehler in einem Gen namens SMARCD2 entdeckten und dessen Rolle für Blut und Immunsystem aufklärten.
 
Man weiß nicht viel über dieses Gen; es ist lediglich bekannt, dass es Teil eines größeren Eiweißkomplexes (SWI/SNF-Komplex) ist, welcher das Material der Chromosomen, das Chromatin, reguliert. Die Erbsubstanz DNA muss immer dann aus ihrer Chromatin-Verpackung freigelegt werden, wenn Zellen sich teilen oder bestimmte Gene abgelesen werden. Der SWI/SNF-Komplex reguliert diese komplexen Prozesse. Das Team hat anhand eines Zebrafisch- und Maus-Modells untersucht, wie SMARCD2 die Differenzierung und die Funktion der neutrophilen Granulozyten, der Fresszellen des Blutes, steuert.
 
„Wir haben nun einen wichtigen Hinweis dafür, dass die Chromatinstruktur über SMARCD2 einerseits die Funktion des Blutes und des Immunsystems steuert, andererseits aber auch dafür verantwortlich ist, dass es nicht zu einer Entartung im Sinne einer Leukämie kommt“, erklärt Dr. Maximilian Witzel, Arzt im Dr. von Haunerschen Kinderspital. Das Team hat weltweit drei Familien mit einem SMARCD2-Defekt diagnostiziert, leider sind zwei von vier Kindern mit dieser seltenen Erkrankung bereits an deren Komplikationen verstorben. Die wissenschaftliche Arbeit von Dr. Witzel und seinen Kollegen wird dazu beitragen, dass in Zukunft betroffene Kinder sehr viel früher diagnostiziert werden können und vor dem Auftreten einer Leukämie mit einer Blutstammzelltransplantation behandelt werden können.
 
Kinder mit sehr seltenen Erkrankungen sind „Waisen der Medizin“. Es sind große Anstrengungen nötig, damit ihre Erkrankungen erforscht werden und die Grundlagen für neue Therapien gelegt werden können. Die Entdeckung des SMARCD2-Defekts zeigt, wie wichtig die philanthropische Forschungsförderung für Kinder und Familien mit seltenen Erkrankungen ist. Ärzte und Wissenschaftler aus Europa, USA und Australien haben gemeinsam wichtige Erkenntnisse im Interesse von Kindern mit seltenen Erkrankungen erzielt.

Quelle: Klinikum der Universität München (LMU)

Literatur:

Maximilian Witzel, Daniel Petersheim, Yanxin Fan et al.
Chromatin-remodeling factor SMARCD2 regulates transcriptional networks controlling differentiation of neutrophil granulocytes
Nature Genetics 2017; DOI: 10.1038/ng.3833
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28369036


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