Montag, 10. August 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Zurück zur Infothek

Medizin

26. September 2019 Luftschadstoff-Debatte: Wissenschaftler rufen Politik zum Handeln auf

Luftschadstoffe gefährden nicht nur die Umwelt, sondern sind auch gesundheitsschädlich. In einem Symposium erläuterten Experten, welche Gefahren von Luftschadstoffen ausgehen und wie es um die Atemluft in Deutschland steht – auch vor dem Hintergrund des Klimawandels, einer der größten globalen Herausforderungen unserer Zeit. Dabei setzte sich die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) auch kritisch mit der Luftschadstoff-Debatte auseinander. Denn nicht alle Experten schätzen die gesundheitlichen Gefahren, die von Luftschadstoffen ausgehen, als hoch ein.
Anzeige:
Basistext
Die aktuellen Grenzwerte zu Luftschadstoffen basieren auf etwa 70.000 internationalen wissenschaftlichen Publikationen. Im Symposium „Was tun für bessere Luft“, bei dem Mitarbeiter des Umweltbundesamtes, Wissenschaftler, Referenten von Bundestagsabgeordneten und aus mehreren Ministerien sowie Mitglieder der Landesärztekammern anwesend waren, haben sich internationale Experten aus Toxikologie, Klimaforschung und medizinischer beziehungsweise politischer Praxis kritisch mit diesen Studienergebnissen auseinandergesetzt und hinsichtlich ihrer Aussagekraft diskutiert. „Als medizinische Fachgesellschaft ist es das Anliegen der DGP, den Diskurs um die Luftschadstoffdebatte sachlich weiter zu begleiten und sich in vernünftiger wissenschaftlicher Form mit der Debatte auseinanderzusetzen. Das ist uns meiner Überzeugung nach mit diesem Symposium gelungen“, sagt Prof. Dr. med. Klaus F. Rabe, Pastpräsident der DGP. „Wir haben uns unterschiedliche Argumente angehört, die verschiedenen Positionen noch einmal kritisch hinterfragt, uns einer kritischen Methoden-bewertung gewidmet und dabei auch einen großen politischen Bogen geschlagen.“

Internationalen wissenschaftliche Studien belegen die Schädlichkeit von Stickstoffoxid und Feinstaub – sogar schon unterhalb der nach geltendem EU-Recht aktuell gültigen Grenzwerte. Es gilt jedoch, vom isolierten Betrachten einzelner Luftschadstoffe und Maßnahmen wegzukommen. „Die möglicherweise sich gegenseitig verstärkende Wirkung von Luftschadstoffgemischen ist noch nicht hinlänglich untersucht“, so Rabe, der hauptverantwortliche Organisator des Symposiums. Ko-Faktoren wie ein heißer Sommer erhöhen die Empfindlichkeit des Organismus weiter. „Eine einseitige Fixierung auf eine einzelne Komponente, etwa Diesel, wird der komplexen Problematik daher nicht gerecht“, betonen die internationalen Experten aus Toxikologie und Epidemiologie. Maßnahmen, die nur einige der Probleme bekämpfen – wie Verkehrsverbote – sind nicht effektiv. Es ist eine bundesweite ressortübergreifende Strategie zur Luftreinhaltung notwendig. So müssen beispielsweise auch Maßnahmen in der Landwirtschaft angegangen werden.

Die internationalen Experten des Symposiums sind sich einig: Luftverschmutzung ist der wichtigste Risikofaktor für nichtübertragbare Krankheiten. „Das ist hinreichend bewiesen“, sagt Professor Dr. Francesco Forastiere, Berater der World Health Organization (WHO), in der Abschlussdiskussion der Veranstaltung. „Unabhängig davon, ob es noch mehr Evidenz geben könnte, müssen wir handeln“, betont der Experte. „Die Politik darf sich nicht vom Druck der Industrie leiten lassen“, ergänzt Prof. Dr. Joel Schwartz, Harvard University. Die Ziele des Pariser Klimaabkommens müssen konsequent umgesetzt werden – nicht nur, um die gesundheitlichen Auswirkungen einzudämmen, sondern auch um einem gefährlichen Klimawandel entgegenzuwirken. „Als Fachgesellschaft werden wir uns dafür nicht nur heute, sondern auch in Zukunft einsetzen“, so Rabe.
 

Quelle: DGP


Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

Essstörungen bei Diabetes können lebensgefährlich sein

Essstörungen bei Diabetes können lebensgefährlich sein
© weixx - stock.adobe.com

Essstörungen treten bei jungen Patientinnen mit Typ-1-Diabetes zwei- bis dreimal häufiger auf als bei gesunden Frauen. Die Betroffenen hoffen, Gewicht zu verlieren, indem sie zeitweise darauf verzichten, sich Insulin zu spritzen. Damit riskieren sie unumkehrbare Schäden an Nerven und Gefäßen und im schlimmsten Fall sogar ihr Leben. Anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz am 18. Juni in Berlin rufen Diabetes- und Hormonexperten dazu auf, die Kombination dieser beiden Erkrankungen stärker in den Fokus zu rücken. Insbesondere Ärzte und...

Augenärzte testen Kontaktlinsen mit UV-Schutz

Augenärzte testen Kontaktlinsen mit UV-Schutz
© HQUALITY - stock.adobe.com

Intensive ultraviolette Strahlung des Sonnenlichts kann Bindehaut und Hornhaut am Auge schädigen. Jetzt testen Forscher, ob Kontaktlinsen mit eingebautem UV-Schutz solche Schäden verhindern können. Die Haftschalen wären hilfreich für Patienten, denen etwa nach einer Verätzung empfindliche Stammzellen der Hornhaut transplantiert wurden. Aber auch Außenarbeiter, die regelmäßig einer hohen UV-Bestrahlung ausgesetzt sind, könnten davon profitieren.   

Haustierbisse nicht unterschätzen - Mit Bissverletzungen immer zum Arzt gehen

Haustierbisse nicht unterschätzen - Mit Bissverletzungen immer zum Arzt gehen
©helga1981 - stock.adobe.com

Bissverletzungen von Haustieren dürfen keinesfalls unterschätzt werden. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) hin. Was manchmal zunächst harmlos aussieht, sollte trotzdem ernst genommen werden. Denn bei einem Biss werden Krankheitserreger des Tieres auf den Menschen übertragen. Die Eintrittspforte kann sich dabei sofort verschieben und somit verschließen. Unbehandelt können schwere Entzündungen entstehen, bei denen neben der Haut auch Muskeln, Sehnen, Nerven und Knochen dauerhaft geschädigt werden können. Daher...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Luftschadstoff-Debatte: Wissenschaftler rufen Politik zum Handeln auf"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).
  • Italien verlängert Notstand bis Oktober (dpa, 29.07.2020).

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden