Montag, 25. Mai 2020
Navigation öffnen

Medizin

20. Juni 2018
Seite 1/2
MS-Therapie an den Bedürfnissen des Patienten ausrichten

Bei der Behandlung von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) vollzieht sich derzeit ein Wandel: „Wir streben zunehmend eine individualisierte, sich an den Bedürfnissen der Patienten orientierende Behandlung an“, erklärte Prof. Dr. Ralf Gold aus Bochum als Chairman der MScience.MShift-Veranstaltung von Sanofi Genzyme in Berlin. Dabei wird versucht, die Behandlung so zu gestalten, dass der Patient seinen Lebensplan realisieren kann, möglichst ohne von der MS beeinträchtigt zu werden, erläuterte Prof. Dr. Peter Rieckmann aus Bischofswiesen. Das deckt sich nach seinen Angaben mit den Erwartungen der Patienten, die auf eine nachhaltige Besserung ihrer Symptome und Beeinträchtigungen hoffen, wenn schon eine Heilung der MS nicht möglich ist.
Anzeige:
Fachinformation
Während es früher primär darum ging, Krankheitsschübe und eine Behinderungsprogression zu verhindern, wird nun mehr und mehr angestrebt, mit der Therapie Reparaturmechanismen zu induzieren und die klinische Situation nicht nur zu stabilisieren, sondern sogar zu verbessern. Dass diese Bestrebungen durchaus realistisch sind, zeigen nach Rieckmann die Daten zu Alemtuzumab (Lemtrada®). So liegen inzwischen Langzeitdaten aus kontrollierten klinischen Studien über sieben Jahre vor (1,2). Die 7-Jahres-Daten der Studien CARE-MS I und CARE-MS II dokumentieren eine anhaltend niedrige Schubrate und einen mit 61% hohen Anteil an Patienten, die frei von Krankheitsaktivität (NEDA) sind. Hierbei benötigte ein Großteil der Patienten nur zwei Behandlungsphasen (1).
 
Besonders bemerkenswert ist laut Rieckmann, dass in beiden Studien bei mehr als einem Drittel der Patienten eine bestätigte Behinderungsverbesserung (CDI, confirmed disability improvement) erreicht wurde (3,4). Die vorliegenden Daten dokumentieren auch, dass Lemtrada® eine langfristige Verbesserung des EDSS (Expanded Disability Status Scale) als Maß für die Behinderung erwirken kann (1). „Die Progression zu stoppen und die Chance, Behinderungen zu verbessern, sind wesentliche Eckpfeiler der Impulstherapie“, erklärte der Neurologe in Berlin. Wichtig ist nach seinen Angaben allerdings eine von Beginn an konsequente Behandlung der MS mit regelmäßiger Reevaluierung der klinischen Situation. Denn, so Rieckmann: „Eine frühe Therapieoptimierung erhöht die Chance auf eine Krankheitsstabilisierung“ (5).
 
Die vorliegenden Daten bescheinigen Alemtuzumab aus Sicht des Neurologen insgesamt ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil. Es kann unter der Therapie zu infusionsbedingten Reaktionen, vor allem Kopfschmerzen, Hautausschlag und Fieber sowie zu leichteren bis mittelschweren Infektionen kommen. Zudem können sekundäre Autoimmunstörungen wie die idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP), Nephropathien (einschließlich Goodpasture-Syndrom) und Schilddrüsenerkrankungen (Hyper- und Hypothyreose) auftreten. Die unerwünschten Reaktionen sind bei frühzeitiger Diagnose in aller Regel gut zu beherrschen und das potenzielle Risiko für solche Nebenwirkungen nimmt laut Rieckmann über die Zeit hinweg deutlich ab (6).
 
Die individuelle Familienplanung ermöglichen


Wichtig in puncto Lebensqualität ist es auch, den Patienten die Chance auf eine individuelle Familienplanung zu erhalten, hieß es in Berlin. Auch dies ist ein Pluspunkt für Alemtuzumab, da der Wirkstoff nach kurzer Zeit nicht mehr im Serum nachweisbar ist, während der biologische Effekt weiter anhält. Frauen mit Multipler Sklerose können vier Monate nach Abschluss einer Behandlungsphase in aller Regel problemlos schwanger werden, berichtete Privatdozentin Dr. Kerstin Hellwig aus Bochum (7).
 
Auch bei der Behandlung mit Teriflunomid (Aubagio®) ist ein Kinderwunsch gut zu realisieren. Zwar ist der Wirkstoff in der Schwangerschaft kontraindiziert, er kann jedoch in einem beschleunigten Eliminationsverfahren nachweisbar eliminiert werden, wenn eine Patientin mit MS einen aktuellen Kinderwunsch entwickelt (8).
 
Vorherige Seite

Anzeige:

Das könnte Sie auch interessieren

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters

13 Prozent der Deutschen glauben, Rheuma sei eine Krankheit des Alters
© wavebreak3 / fotolia.com

Rheuma ist keine Frage des Alters Rheumatoide Arthritis ist eine von mehr als 200 verschiedenen Rheuma-Erkrankungen Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober   Mehr als jeder Zehnte glaubt, Rheuma sei eine altersbedingte Krankheit, die einfach hingenommen werden müsste (1). Das ergab eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Deutschen anläßlich des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober im Auftrag des Biotechnologie-Unternehmens Amgen. Dabei kann die Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten. Auch viele junge Menschen erkranken an Rheuma: Rund 20.000 Kinder und...

Neue DDG Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“

Neue DDG Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“
© Dmitry Lobanov / Fotolia.com

In Deutschland ist schätzungsweise jeder zehnte Führerscheininhaber von Diabetes betroffen. Die Sorge, die Fahrerlaubnis aufgrund der Erkrankung zu verlieren, ist bei den meisten sehr groß: Viele stoßen auf Probleme mit Behörden und Vorbehalte im privaten sowie beruflichen Umfeld. Die neue Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erklärt in patientenverständlicher Sprache den Stand der Wissenschaft und gibt Betroffenen eine Orientierung, wie sie mit ihrem Diabetes sicher am...

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt

Biopharmazeutika sind den meisten Deutschen unbekannt
© Darren Baker / Fotolia.com

Naturheilmittel oder neuer Trend der Bio-Welle? 94 Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Biopharmazeutika nichts anfangen (1). Oftmals werden hinter dem Begriff Naturheilmittel vermutet. Dabei handelt es sich um Arzneimittel, die biotechnisch hergestellt oder aus gentechnisch veränderten Organismen gewonnen werden und mit dem Ziel der Bekämpfung einer Krankheit in die Vorgänge des Körpers eingreifen. Insulin ist ein bekanntes Beispiel. Wem das erklärt wird, der ist gerne zur Einnahme eines solchen Arzneimittels bereit. Das sind Ergebnisse einer...

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten
© Thaut Images / Fotolia.com

Bei anhaltend hohen Temperaturen steigt auch die Ozonkonzentration in der Luft. „Das schädliche Gas kann bei empfindlichen Menschen die Augen reizen, Hustenanfälle auslösen oder Kopfschmerzen verursachen“, sagt Dr. Ursula Marschall. Die leitende Medizinerin bei der BARMER empfiehlt deshalb insbesondere älteren Menschen und chronisch Kranken bei hohen Ozonwerten körperliche Anstrengungen zu reduzieren.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"MS-Therapie an den Bedürfnissen des Patienten ausrichten"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Obduktionen zeigen massive Lungenschäden als Todesursache bei COVID-19-Patienten (22.05.2020, JAMA-Publikation einer Studie der Universität Augsburg)
  • Obduktionen zeigen massive Lungenschäden als Todesursache bei COVID-19-Patienten (22.05.2020, JAMA-Publikation einer Studie der Universität Augsburg)

Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden