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Medizin

20. Juni 2018
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MS-Therapie an den Bedürfnissen des Patienten ausrichten

Bei der Behandlung von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) vollzieht sich derzeit ein Wandel: „Wir streben zunehmend eine individualisierte, sich an den Bedürfnissen der Patienten orientierende Behandlung an“, erklärte Prof. Dr. Ralf Gold aus Bochum als Chairman der MScience.MShift-Veranstaltung von Sanofi Genzyme in Berlin. Dabei wird versucht, die Behandlung so zu gestalten, dass der Patient seinen Lebensplan realisieren kann, möglichst ohne von der MS beeinträchtigt zu werden, erläuterte Prof. Dr. Peter Rieckmann aus Bischofswiesen. Das deckt sich nach seinen Angaben mit den Erwartungen der Patienten, die auf eine nachhaltige Besserung ihrer Symptome und Beeinträchtigungen hoffen, wenn schon eine Heilung der MS nicht möglich ist.
Während es früher primär darum ging, Krankheitsschübe und eine Behinderungsprogression zu verhindern, wird nun mehr und mehr angestrebt, mit der Therapie Reparaturmechanismen zu induzieren und die klinische Situation nicht nur zu stabilisieren, sondern sogar zu verbessern. Dass diese Bestrebungen durchaus realistisch sind, zeigen nach Rieckmann die Daten zu Alemtuzumab (Lemtrada®). So liegen inzwischen Langzeitdaten aus kontrollierten klinischen Studien über sieben Jahre vor (1,2). Die 7-Jahres-Daten der Studien CARE-MS I und CARE-MS II dokumentieren eine anhaltend niedrige Schubrate und einen mit 61% hohen Anteil an Patienten, die frei von Krankheitsaktivität (NEDA) sind. Hierbei benötigte ein Großteil der Patienten nur zwei Behandlungsphasen (1).
 
Besonders bemerkenswert ist laut Rieckmann, dass in beiden Studien bei mehr als einem Drittel der Patienten eine bestätigte Behinderungsverbesserung (CDI, confirmed disability improvement) erreicht wurde (3,4). Die vorliegenden Daten dokumentieren auch, dass Lemtrada® eine langfristige Verbesserung des EDSS (Expanded Disability Status Scale) als Maß für die Behinderung erwirken kann (1). „Die Progression zu stoppen und die Chance, Behinderungen zu verbessern, sind wesentliche Eckpfeiler der Impulstherapie“, erklärte der Neurologe in Berlin. Wichtig ist nach seinen Angaben allerdings eine von Beginn an konsequente Behandlung der MS mit regelmäßiger Reevaluierung der klinischen Situation. Denn, so Rieckmann: „Eine frühe Therapieoptimierung erhöht die Chance auf eine Krankheitsstabilisierung“ (5).
 
Die vorliegenden Daten bescheinigen Alemtuzumab aus Sicht des Neurologen insgesamt ein günstiges Nutzen-Risiko-Profil. Es kann unter der Therapie zu infusionsbedingten Reaktionen, vor allem Kopfschmerzen, Hautausschlag und Fieber sowie zu leichteren bis mittelschweren Infektionen kommen. Zudem können sekundäre Autoimmunstörungen wie die idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP), Nephropathien (einschließlich Goodpasture-Syndrom) und Schilddrüsenerkrankungen (Hyper- und Hypothyreose) auftreten. Die unerwünschten Reaktionen sind bei frühzeitiger Diagnose in aller Regel gut zu beherrschen und das potenzielle Risiko für solche Nebenwirkungen nimmt laut Rieckmann über die Zeit hinweg deutlich ab (6).
 
Die individuelle Familienplanung ermöglichen


Wichtig in puncto Lebensqualität ist es auch, den Patienten die Chance auf eine individuelle Familienplanung zu erhalten, hieß es in Berlin. Auch dies ist ein Pluspunkt für Alemtuzumab, da der Wirkstoff nach kurzer Zeit nicht mehr im Serum nachweisbar ist, während der biologische Effekt weiter anhält. Frauen mit Multipler Sklerose können vier Monate nach Abschluss einer Behandlungsphase in aller Regel problemlos schwanger werden, berichtete Privatdozentin Dr. Kerstin Hellwig aus Bochum (7).
 
Auch bei der Behandlung mit Teriflunomid (Aubagio®) ist ein Kinderwunsch gut zu realisieren. Zwar ist der Wirkstoff in der Schwangerschaft kontraindiziert, er kann jedoch in einem beschleunigten Eliminationsverfahren nachweisbar eliminiert werden, wenn eine Patientin mit MS einen aktuellen Kinderwunsch entwickelt (8).
 
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