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Medizin

06. Dezember 2012 Magenoperation gegen Diabetes: deutschlandweit erste kontrollierte Studie startet

Kann eine Operation an Magen und Dünndarm die Zuckerkrankheit heilen? Eine Studie mit 400 nur mäßig übergewichtigen Diabetikern unter Federführung der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg untersucht, ob ein „Magenbypass“, bei dem der größte Teil des Magens ausgeschaltet wird, den Blutzuckerspiegel und die Stoffwechselsituation normalisieren und dadurch Spätschäden des Diabetes verhindern kann. Die „DiaSurg-2-Studie“ ist die deutschlandweit erste kontrollierte Studie zu dieser Fragestellung und wird von der Manfred Lautenschläger-Stiftung mit insgesamt 1,5 Millionen Euro unterstützt.

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Abb.: Skizze der Situation nach der Magenbypass-Operation. (Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg)


Die Studie baut auf den positiven Ergebnissen früherer Untersuchungen auf: Bei übergewichtigen Patienten führt ein Magenbypass nicht nur zur Gewichtsreduktion, sondern meist auch zur Heilung oder Besserung des Diabetes, so dass kein Insulin mehr gespritzt werden muss. Eine Heidelberger Pilotstudie, die DiaSurg-1-Studie, an der 20 nur mäßig übergewichtige Diabetiker teilgenommen hatten, hat ebenfalls erfolgversprechende Ergebnisse erzielt. Internationale Studien haben zudem gezeigt, dass der Blutzucker bei Übergewichtigen und Diabetikern durch die Operation normalisiert werden kann. In einer kürzlich publizierten schwedischen Studie im „New England Journal“ (2012;367:695-704) wurden rund 1.700 operierte Patienten mit 1.800 medikamentös behandelten Patienten nachträglich verglichen: Nach 15 Jahren hatten 392 mit Medikamenten behandelte, aber nur 110 operierte Patienten einen Diabetes mellitus Typ 2 entwickelt. Bei anderen kontrollierten Studien ist der Untersuchungszeitraum bislang auf Monate bis wenige Jahre nach der Operation beschränkt.

„Ich bin mir sicher, dass die Ergebnisse der DiaSurg-2-Studie Durchschlagskraft haben werden und Diabetikern auf der ganzen Welt ein besseres Leben ermöglichen“, sagte Dr. Manfred Lautenschläger, Gründer des Finanz- und Vermögensberaters MLP. „Die Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt deshalb das Forschungsprojekt mit 1,5 Millionen Euro.“

„Erste klinische Studien zeigen positive Ergebnisse, aber bevor die Operation in die klinische Routine eingeführt wird, müssen wir wissenschaftliche Gewissheit haben, dass sie den Diabetikern langfristig tatsächlich nützt und keine Langzeitschäden auftreten“, erklärte der Geschäftsführende Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, Professor Dr. Markus W. Büchler. „Deshalb sind wir Herrn Lautenschläger und seiner Stiftung sehr dankbar, dass wir diese große Langzeit-Studie durchführen können, die aussagekräftige Resultate liefern wird.“ Die Studie wird von der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg in Kooperation mit fünf weiteren chirurgischen Kliniken durchgeführt (Frankfurt, München, Berlin, Dresden, Karlsruhe, Memmingen, Kiel, Düsseldorf).

 

Bypass-Operation verändert Hormonausschüttung im Darm

In Deutschland leiden fast acht Millionen an einem Typ-2-Diabetes; zwei Millionen werden mit Insulin behandelt. Nach Schätzungen liegen die Behandlungskosten pro Patienten bei ca. 6.000 Euro im Jahr. Vielen Patienten drohen langfristig schwere Gefäßschäden, u.a. an Nieren, Augen und Herz. „Die Zahl der Diabetiker steigt nach wie vor“, sagte Professor Dr. Peter Nawroth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Endokrinologie und Klinische Chemie am Universitätsklinikum Heidelberg. „Trotz optimaler medikamentöser Therapie, können wir Langzeitschäden oft leider nicht verhindern.“

Warum die Bypass-Operation wirkt, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Verkleinerung des Magens und die Verkürzung der Verdauungsstrecke in Magen-Darm durch „Umleitung" des Nahrungsbreis sorgen dafür, dass weniger Nahrungsbestandteile aufgenommen und verwertet werden. So gelangt durch die Umgehung des Zwölffingerdarms vergleichsweise unverdauter Nahrungsbrei in die unteren Dünndarmabschnitte. Diese Umleitung ist Auslöser für eine Veränderung der Hormonausschüttung im Darm.

Bei der DiaSurg-2-Studie soll der Wirkmechanismus untersucht werden. Alle 400 Patienten werden zunächst von internistischen Diabetes-Experten untersucht und nach den modernsten Richtlinien behandelt, bevor sie einer der beiden Studiengruppen - mit oder ohne Operation – zugeordnet werden.

Magenbypass-Operation mit minimal-invasiver Schlüssellochtechnik

Mit häufigen Komplikationen durch die Operation, die minimal-invasiv, d.h. mit sogenannter Schlüssellochtechnik ohne großen Bauchschnitt durch Einführen feiner OP-Instrumente durch die Bauchdecke durchgeführt wird, ist voraussichtlich nicht zu rechnen; weltweit wurden damit bereits Zehntausende übergewichtiger Patienten behandelt. „Die Komplikationsrate der Magenbypass-Operation liegt bei übergewichtigen Patienten, die ein höheres Risiko als die weniger übergewichtigen Diabetiker haben, bei ca. 10%“, erklärte Privatdozent Dr. Beat Müller, Leiter der Sektion Minimal-Invasive Chirurgie, der für die Studienleitung verantwortlich zeichnet. Die schonende Technik sorgt zudem dafür, dass die Patienten schon bald nach der Operation wieder fit sind.

Literaturhinweis:
Carlsson LMS, Peltonen M, Ahlin S, Anveden Å, Bouchard C, Carlsson B, Jacobson P, Lönroth H, Maglio C, Näslund I, Pirazzi C, Romeo S, Sjöholm K, Sjöström E, Wedel H, Svensson P-A, andSjöström L: BariatricSurgeryandPreventionof Type 2 Diabetes in SwedishObeseSubjects. N Engl J Med 2012;367:695-704.

Anmeldung DiaSurg-2-Studie:
Ansprechpartner DiaSurg-2-Studie:
Privatdozent Dr. Beat Müller
Kontakt: 06221 56-6883 , 9 - 16 Uhr
E-Mail: Diabetes.Adipositaszentrum@med.uni-heidelberg.de

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg


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