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Medizin

16. März 2017 Medizinische Forschung: Von Tumor-Genanalyse bis zu regenerativer Medizin

Die Universität Bielefeld verstärkt ihre Kooperationen zu medizinischer Forschung. In fünf neuen Projekten kooperieren Wissenschaftler der Universität mit den Universitätskliniken der Ruhr-Universität Bochum in der Region Ostwestfalen-Lippe. Der Forschungsfonds Medizin an der Universität Bielefeld fördert die Projekte, von denen die ersten im April starten. Das Land Nordrhein-Westfalen finanziert den im Juli 2016 eingerichteten Fonds. Die Themen der neuen Kooperationen reichen von Herz- und Krebsforschung bis zu regenerativer Medizin.
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Mit dem Forschungsfonds begleitet das Land Nordrhein-Westfalen die Erweiterung des Bochumer Universitätsklinikums auf den Raum Ostwestfalen-Lippe. Das Ziel ist es, Forschungskooperationen aufzubauen und zu fördern: zwischen der Universität Bielefeld und den Universitätskliniken in Minden, Lübbecke-Rahden, Herford und Bad Oeynhausen sowie der Abteilung für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität Bochum.

Thema regenerative Medizin und Blutplasma: Stammzellen sind in der Lage, den Körper zu reparieren, dadurch lassen sich alle Organe regenerieren. Warum passiert das nicht im Alter? Weil dem Körper die Wachstumsfaktoren der Jugend fehlen. Mit diesem Aspekt befasst sich ein Projekt der Biologie-Professoren Dr. Christian Kaltschmidt und Dr. Barbara Kaltschmidt von der Universität Bielefeld und Prof. Dr. med. Cornelius Knabbe vom Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW) in Bad Oeynhausen, einer Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum. In ihrer Kooperation suchen die Wissenschaftler in menschlichem Blutplasma nach Wachstumsfaktoren, die humane adulte Stammzellen zur Vermehrung bringen und so alte Organe erneuern. Eigene Untersuchungen zeigten, dass menschliches Blutplasma die Vermehrung von Stammzellen stark anregt. Studien mit Tieren belegen, dass Faktoren aus dem Plasma die Muskelregeneration und die Funktion des gealterten Nervensystems verbessern.

Thema Herzmuskelschwäche: Mit Genmutationen, die eine Kardiomyopathie auslösen, befassen sich Prof. Dr. Dario Anselmetti von der Fakultät für Physik der Universität Bielefeld und Prof. Dr. Hendrik Milting vom Erich und Hanna Klessmann-Institut am HDZ NRW in Bad Oeynhausen. Eine solche Herzmuskelerkrankung kann zum plötzlichen Herztod führen. Eine besonders aggressive Form einer Herzrhythmusstörung begünstigenden Kardiomyopathie wird durch eine Mutation im Gen TMEM43 verursacht. Sie kann insbesondere bei jungen Männern zum frühen plötzlichen Herztod führen. Das Gen trägt die Information für die Herstellung des Proteins LUMA, das sich auch in Herzmuskelzellen findet. Die Funktion des Proteins LUMA in der Zelle ist bisher unbekannt. Die Wissenschaftler wollen erforschen, welcher molekulare Krankheitsmechanismus der Mutation zugrunde liegt.

Thema Krebs: In zwei Projekten werden die molekularen Grundlagen und die Diagnostik von Krebserkrankungen erforscht. Ein Projekt widmet sich der „Mycosis fungoides“, einem bösartigen Tumor, der in der Haut entsteht. Der Genetiker Prof. Dr. Jörn Kalinowski vom Centrum für Biotechnologie (CeBiTec) der Universität Bielefeld kooperiert dafür mit Prof. Dr. med. Rudolf Stadler von der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Phlebologie im Johannes Wesling Klinikum Minden. Die Erkrankung Mycosis fungoides zeigt sich zuerst meist als Ekzeme, die sich nach Jahren zu Tumoren entwickeln können. Bislang gibt es in fortgeschrittenen Stadien für die Krankheit keine kurative Therapie. Kalinowski und Stadler analysieren die molekularen Grundlagen der Krankheit. Sie wollen feststellen, wie sich die kutanen Lymphome – die Tumore dieser Krebsart – in den Entwicklungsstadien der Mycosis fungoides genetisch verändern.

Das zweite Projekt untersucht mit einem bildgebenden Verfahren, wie sich der Stoffwechsel von Gehirntumoren von dem des gesunden Gewebes des Gehirns unterscheidet. Geleitet wird es von den Biologen Dr. Hanna Bednarz und Prof. Dr. Karsten Niehaus der Fakultät für Biologie und dem CeBiTec sowie von Prof. Dr. Udo Kellner und PD Dr. Ulrich J. Knappe vom Johannes Wesling Klinikum Minden, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Sie nutzen eine in Bielefeld entwickelte Methode der bildgebenden Massenspektrometrie, um Tumormarker zu erfassen. Tumormarker sind vom Körper gebildete Substanzen, die darauf hinweisen, ob eine Krebserkrankung vorliegt und welche Bereiche des Gewebes betroffen sind. Mit der Bielefelder Methode lassen sich mit molekularer Bildgebung besonders kleine Moleküle erfassen und auswerten. Ein Ziel des Projekts ist es, dieses Verfahren in die Diagnostik des Klinik-Alltages einzubinden.

Thema Depression: Mit der Behandlung dieser psychischen Störung beschäftigt sich eine Kooperation, an der der Sportwissenschaftler und Psychologe Prof. Dr. Thomas Schack von der Universität Bielefeld beteiligt ist. Er kooperiert mit PD Dr. med. Karin Rosenkranz und Prof. Dr. med. Hans-Udo Schneider von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Lübbecke. Die Studie befasst sich damit, wie Bewegungstraining und Selbstinstruktionstraining auf Depression und Neuroplastizität (Anpassungsfähigkeit des Gehirns) wirken. Selbstinstruktionen als Teil von Psychotherapie zielen auf die Veränderung des alltäglichen Verhaltens. Bewegungsprogramme können Symptome der Depression – etwa Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen – verbessern. Sowohl körperliche Aktivität als auch Selbstinstruktionstraining führen dabei zu einer veränderten Hirnstruktur. Das neue Projekt untersucht, wie sich die Effekte beider Interventionen auf das Gehirn unterscheiden.
 
Bewegungserfassung in einem Labor der Universität Bielefeld: Wie sich körperliche Aktivität und Verhaltenstherapie auf Depression auswirken, darum geht es in einem der fünf neuen Projekte. © Universität Bielefeld
 Bewegungserfassung in einem Labor der Universität Bielefeld: Wie sich körperliche Aktivität und Verhaltenstherapie auf Depression auswirken, darum geht es in einem der fünf neuen Projekte. © Universität Bielefeld


Insgesamt fördert der Forschungsfonds Medizin die fünf Forschungsprojekte mit rund 500.000 Euro. Darüber hinaus läuft jetzt die zweite Bewerbungsphase des Forschungsfonds Medizin an der Universität Bielefeld. Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken können Wissenschaftler der Universität Bielefeld bis zum 15. März Anträge für Projekte stellen.

Quelle: Universität Bielefeld


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